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Nidwalden

«Das ist unser Lebenswerk» – Steht die Fischzucht in Ennetmoos vor dem Ende?

Weil die Ürtekorporation Ennetmoos einen massiv höheren Pachtzins für das mittlerweile umgezonte Land verlangt, kann die Fischzucht wohl nicht weiter betrieben werden. Auch das Projekt eines Investors ist wegen der Zinshöhe gescheitert. Der Fall ist vor Kantonsgericht hängig.

Forellen und Saiblinge verschiedener Gattungen und Grössen tummeln sich in 14 Becken und zehn kleineren Rundbecken. Rundherum tragen Obstbäume reichlich Früchte, Wasser plätschert, Vögel zwitschern, beim genauen Hinschauen entdeckt man allerlei Kleingetier. Mit der Fischzucht in der Eimatt in Ennetmoos haben Pächter Winfried König (60) und Betriebsleiter Peter Pedro Jäggi (70) ein kleines Naturparadies geschaffen.

Auf dem Areal gibt es auch ein «Fischerstübli» mit einer professionellen Küche, wo Pedro Jäggi auf Vorbestellung Gäste bewirtet und sich damit in der Region einen guten Ruf geschaffen hat. Das Lokal hat er ab 2017 selber eingerichtet. Die Fischzucht Ennetmoos ist ausser der Brutanstalt Beckenried der einzige grössere Betrieb dieser Art in Nid- und Obwalden.

Die Fische werden zur Besetzung von Bergseen verwendet, unter anderen auf Melchsee-Frutt oder im Eugenisee Engelberg, von Privaten und in renommierten Restaurants wie im «Cattani» im «Kempinski Palace Engelberg», Herrenhaus Grafenort, Zollhaus Sachseln oder «Linde» Stans und etlichen mehr. So friedlich und fein sich das kleine Paradies präsentiert, so dunkel sind aber die Wolken, die darüber aufziehen. Ihre Tage könnten gezählt sein.

Neuer Pachtzins ist zwölfmal höher

Die Fischzucht basiert nämlich auf einem Baurechtsvertrag, den Winfried Königs Vater vor gut 50 Jahren mit der Ürtekorporation Ennetmoos abschloss und der vor 25 Jahren nochmals erneuert wurde. Er umfasste fast 6000 Quadratmeter Land in der Landwirtschaftszone, der Pachtzins betrug nicht ganz 5000 Franken jährlich.

2009 jedoch wurde das Land in die Gewerbezone umgezont. König und Jäggi beteuern, dass sie dies nicht mitbekommen hätten. Die Umzonung könnte aber das Todesurteil für die Fischzucht bedeuten. Als der Vertrag nämlich im Juli 2021 auslief, erlebten König und Jäggi eine böse Überraschung. Die Ürtekorporation verlangte nun einen Zins von rund 60'000 Franken, zwölfmal mehr als bisher.

«Einen solchen Zins können wir nicht zahlen respektive mit der Fischzucht nicht erwirtschaften», betont Winfried König. Mit seinen Angeboten für ein Entgegenkommen biss er aber bei der Ürtekorporation auf Granit. Abgelehnt wurde an der Korporationsversammlung im Mai 2022 auch ein Baurechtsgesucht von Königs Fischhuus Mühletal AG mit 36'000 Franken Zins. Mit einem solchen neuen Vertrag hätte eine auswärtige Investorengruppe die Fischzucht von ihm übernehmen und nachhaltig auf den neuesten Stand bringen wollen. Mittlerweile liegt der Fall beim Kantonsgericht. Die beiden Parteien haben sich gegenseitig verklagt. Dabei geht es unter anderem um die Frage einer Übergangsfrist von fünf Jahren bis zum Auszug der Fischzucht, respektive ab wann der höhere Zins von 60'000 Franken fällig ist.

Für Winfried König, dessen Familie noch eine Fischzucht in Willisau LU führt, und Pedro Jäggi ist klar:

«Die Korporation will uns raushaben, weil sie mehr Profit machen wollen.»

Es sei existenzbedrohend für ihn, wenn er den hohen Zins nachzahlen müsse, betont König. «Das Ganze belastet mich sehr.» Pedro Jäggi, der auf dem Areal wohnt, müsste wegziehen. «Es ist schwer, etwas loszulassen, das man mit viel Herzblut aufgebaut hat. Das ist unser Lebenswerk, die Korporation hat nie etwas investiert», sagt er. Die beiden wollen, dass die Bevölkerung von der Sache erfährt, und hoffen immer noch, dass sich die Korporation durch öffentlichen Druck vielleicht doch noch zum Einlenken bewegen lässt.

Gleichbehandlung aller Pächter von Industrieland

Der Rechtsvertreter der Ürtekorporation sagt auf Anfrage, es stimme nicht, dass die Korporation die Fischzucht aus Profitgier rauswerfen wolle. «Die Korporation muss alle Pächter ihres Industrielands gleich behandeln. Die anderen in diesem Gebiet – unter anderem die Gemeinde mit dem Feuerwehrlokal – zahlen alle den gleichen Preis, der jetzt auch von der Fischzucht verlangt wird.»

Im Grundgesetz der Ürtekorporation Ennetmoos sei klar festgehalten, dass sie ihr Vermögen nach den Grundsätzen der Gesetzmässigkeit, Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit zu verwalten habe. Dazu komme das allgemeingültige verwaltungsrechtliche Gleichbehandlungsgebot. «Die Korporation hat keinen Spielraum für ein Entgegenkommen.»

Die Korporation wolle das Areal auch in Zukunft dem einheimischen Gewerbe zur Verfügung stellen. Gewerbeland sei in Nidwalden sehr rar und deshalb gesucht. Dass die Fischzucht alles auf eigene Kosten zurückbauen müsse, sei bei Baurechtsverträgen normal. «Man bekommt eine grüne Wiese und muss eine grüne Wiese zurückgeben.»

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