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Cargebühr in Luzern

Das ist kein 1.-April-Scherz: Ab jetzt heisst es am Schwanenplatz «100 Franken bitte»

Mehr Verkehrsdienst, neue Kameras, viel Aufklärung: So starten die Stadt und Luzern Tourismus ein schweizweit einmaliges Regime.
Touristen steigen am Schwanenplatz in einen Car.
Bild: Patrick Hürlimann (Luzern, 23. 2. 2023)

Es ist kein Aprilscherz – ab Dienstag, 1. April, müssen Carlenkende, die in Luzern auf dem Schwanen-, Löwen- oder Kasernenplatz stoppen wollen, dies vorgängig online buchen. Die angekündigte Haltegebühr von 100 Franken berechtigt zu je einmal Aus- und Einsteigenlassen der Fahrgäste an einem der drei Plätze sowie zu 24 Stunden Parkierung auf den Reisebusparkplätzen Brüelmoos in Luzern und Rösslimatt in Kriens. Wobei am Schwanenplatz nur noch Aussteigen erlaubt ist.

Ein Carchauffeur bucht maximal vier Monate im Voraus über den Webshop von Luzern Tourismus die Haltegebühr und hinterlegt dabei sein Kontrollschild.

Neue Kameras, beispielsweise an der Einmündung von der Alpenstrasse in den Schweizerhofquai, nehmen eine Vorselektion vor. Sie erkennen das Kontrollschild des Cars bei dessen Anfahrt und melden dem System die getätigte Buchung.

Am Schwanenplatz sind zwei Verkehrsdienstmitarbeitende im Einsatz. Der eine steht an der Einfahrt, sieht auf seinem Handgerät die Buchung und weist den Car auf den Platz. Dort verlangt die zweite Person des Verkehrsdienstes die Buchungsbestätigung (Voucher) beim Chauffeur und scannt diese mit dem Handgerät. Jetzt können die Fahrgäste aussteigen und der Car kann zum Parkieren weiterfahren.

Dank dieser Vorselektion und zwei Verkehrsmitarbeitenden, die von 8 bis 20 Uhr vor Ort sind, will die Stadt Luzern gemäss Projektleiter Markus Birrer die Cars «effizient abwickeln und den restlichen Verkehr möglichst nicht stören». Denn sowohl am Schwanen- als auch Löwenplatz existieren keine separaten Zufahrtsspuren. Am Kasernenplatz gibt es eine solche, weswegen dort eine Person des Verkehrsdienstes reiche.

In diesem Fall erhält jener Verkehrsdienstmitarbeitende, der bei der Zufahrt positioniert ist, die entsprechende Meldung dank der Kamera frühzeitig auf sein Handgerät. Der Car wird nicht auf den Platz gelassen, sondern weitergeschickt auf den Landenberg-Parkplatz.

Dort kann der Car parkieren, Carlenkende können online die Buchung nachholen und anschliessend den gewünschten Platz nochmals anfahren.

Die Stadt und Luzern Tourismus geben seit dem Ja des Stadtparlaments zur Einführung der Haltegebühr im Dezember an jeden Reisebus, der in Luzern hält, Infoflyer ab. «So erreichen wir die Carlenkenden direkt», sagt Birrer. Dazu wurden alle Reisebusunternehmen, Tourguides und weitere Player informiert. Flyer und Infos auf der Website gibt es auf Deutsch, Englisch, Chinesisch, Polnisch, Tschechisch, Französisch und Italienisch.

Gewisse Anspannung bei den Verantwortlichen

Funktionieren die Buchungen? Erkennen die Kameras die Kontrollschilder? Dies und anderes testeten die Verantwortlichen im Vorfeld. Dennoch ist eine gewisse Anspannung da. «Die Car-Haltegebühr ist etwas Neues in der Schweiz – es gibt keine wirklichen Erfahrungswerte», sagt Birrer. Die Stadt rechnet in der Einführungsphase mit erhöhtem Informations- und Kontrollbedarf – auch durch die Polizei –, geht aber davon aus, dass sich das Regime «rasch einspielen wird».

Für den 1. April trudelten die Buchungen mittlerweile ein. Eine genaue Zahl kann Birrer nicht nennen. Nur so viel: «Von den Reisebusunternehmen wissen wir, dass viele erst kurzfristig buchen. Das ändert sich erst, wenn wir in Phase 2 ab 2026 das Slotmanagement einführen.»

Vom neuen Car-Regime nicht betroffen sind Auftragsfahrten wie etwa Schulreisen, Vereinsausflüge oder ähnliche Fahrten ab Luzern. Im Herbst 2025 will der Stadtrat eine erste Bilanz ziehen und prüfen, ob das neue System die gewünschten Effekte erzielt – namentlich den Carverkehr zu lenken und die Touristenströme besser zu verteilen.

7,3 Millionen Tagesgäste pro Jahr

Die Stadt Luzern gehört zu den meistbesuchten Destinationen der Schweiz mit rund 7,3 Millionen Tagesgästen im Jahr 2019. Etwa 20 Prozent davon reiste mit Reisebussen an. 2024 wurde der Schwanenplatz an Spitzentagen von bis zu 200 Cars angefahren. Ein Teil der Bevölkerung nimmt die Anzahl von Reisebussen und Touristengruppen in der Innenstadt laut einer Befragung von 2024 negativ wahr. (hor)

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