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Luzern

Das geplante Abfallentsorgungsprojekt wirft Fragen auf und sorgt bei den Gemeinden für Unmut

Der Vorstand der Abfallentsorgung Region Zofingen präsentiert ein zukunftsweisendes Projekt zu Recycling und Entsorgung. Die Gemeinden wiederum sind skeptisch.

Tetrapaks, Verpackungen von Cherrytomaten, kaputte Büroklammern: Das und noch vieles mehr landet täglich in den Schweizer Abfallsäcken. Diese werden abgeholt und verbrannt – was mit Abfall eben geschieht, er ist ja schliesslich dreckig. Genau dieses Denken von «dreckigem Abfall» möchte die Entsorgung Region Zofingen «Erzo» ändern. Abfälle aus dem Wiggertal sollen künftig als wertvolle Ressourcen behandelt, energetisch genutzt und weiterverwendet werden.

Wie das gelingen könnte, haben die Verantwortlichen am Dienstagabend im Rahmen einer Versammlung erläutert: «Enphor ist der Grundstein für nächste oder gar übernächste Generation», sagte Bruno Aecherli, stellvertretender Vorstandspräsident der Erzo. Das Projekt der Erzo nennt sich «Enphor» und steht für die Begriffe Energie, Phosphor und Recycling. Gerade Phosphor erlangt immer mehr Wichtigkeit, denn: Der Bund verlangt per 2026 das Recycling von Phosphor aus Klärschlamm. Die Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm benötigt jedoch viel Energie. Diese soll aus der geplanten Kehrichtverbrennungsanlage kommen. Die Verantwortlichen sprechen von einem «wegweisenden Kreislauf-Wirtschaftsprojekt».

Dieses soll so funktionieren: Gesammelte Wertstoffe werden in der Erzo zwischengelagert und dann verbrannt, während Filteranlagen Schadstoffe bei der Verbrennung filtern. Bei der Verbrennung entsteht Energie, die eine Turbine antreibt – diese wiederum erzeugt Storm. Dabei profitieren gemäss Angaben der Verantwortlichen 32'000 Abnehmer von CO2-neutralem, also umweltschonendem Strom.

Das Abwasser soll aufbereitet werden, und zwar folgendermassen: Einerseits wird der Sand gefiltert und deponiert. Andererseits zersetzen Bakterien die Wasserinhalte und setzen sich am Boden ab – so entsteht Klärschlamm. Dieser wird anschliessend getrocknet, wodurch eine Trockenmasse entsteht. Die Masse wiederum wird in der Bauindustrie verbrannt. Somit können Baustoffe produziert werden. Durch dieses Verfahren gelingt es, Phosphor zu filtern. Phosphor muss ansonsten importiert werden. Doch wofür? «Phosphor ist ein wichtiger Bestandteil in der Baubranche wie auch als Düngemittel in der Landwirtschaft», so Bruno Aecherli.

Die Gemeinden fühlen sich ungerecht behandelt

Es gibt vier verschiedene Szenarien, wie mit der ohnehin altersschwächelnden bestehenden Anlage weitergefahren werden soll. Das vom Vorstand bevorzugte teilt sich auf in Splitting und Umwandlung, wie Aecherli erklärt. Dabei würde der heutige Verband in einen Abwasserverband und einen Kehrichtverband gesplittet und das Projekt durch eine Aktiengesellschaft realisiert.

Wie sich an der Versammlung zeigte, sind nicht alle beteiligten Gemeinden vom Vorhaben des Vorstandes begeistert. So befürwortet ein Gemeindevertreter zwar die Vision, welche er als gut betitelt. Aber: Eine Gemeinde habe primär die Aufgabe, den Haus- und Industrieabfall zu entsorgen, und das auf dem sinnvollsten und kürzesten Wege. Die Gemeinde hätte nicht den Auftrag, ein Geschäft zu öffnen und Gewinn abzuschöpfen. Gebühren sollen gesenkt werden. Es sei ein Hin und Her mit der Abschaltung des Ofens, der bereits 2018 hätte erfolgen sollen. Zu viele Fragen seien offen.

Und: Wie weitere Gemeindemitglieder beanstandet der Mann die fehlende Kommunikation des Vorstandes. Auf diese Vorwürfe geht der Vorstand kaum ein. Im Nachgang dazu sagt jedoch Bruno Aecherli:

«Dem Vorstand ist eine transparente und vollständige Information wichtig. Möglicherweise haben wir die politische Sensibilität etwas unterschätzt.»

Zugleich betont Aecherli, dass eben erst eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben wurde: «Deren Ergebnisse werden wir sofort teilen, wenn sie vorliegen.»

Das Fazit des Abends lautet: Es ist noch eine Menge unklar, was die Zukunft der Abfallentsorgung und des Recyclings in der Region Wiggertal bringt. Aecherli ist überzeugt, dass jedes Projekt «durch oder eben mit viel Gegenwind segeln muss, das zeichnet eben ein visionäres Projekt aus». Aber: Es brauche eine Neuausrichtung und der Vorstand möchte mit der geplanten Phosphor-Rückgewinnung respektive Kreislaufwirtschaft eine Vorreiterrolle mit Ausstrahlung in die ganze Schweiz einnehmen.

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