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Claudia Huser will lieber regieren statt parlieren

Ihre Fraktion ist im Luzerner Kantonsrat die kleinste. Trotzdem ist GLP-Politikerin Claudia Huser überzeugt, für die Wahl in die Regierung gute Trümpfe in der Hand zu haben.
Claudia Huser klopft in ihrer Freizeit gerne einen Jass; hier im Restaurant Unterlachenhof.
Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 7. Februar 2023)

Dieser Artikel ist Teil der Serie «Porträt der elf Luzerner Kandidierenden für den Regierungsrat»

«Meine Stimme haben Sie!» Der ältere Herr sagt’s, setzt sich seinen Hut auf und verlässt das Restaurant Unterlachenhof in Luzern. Eine Stunde vorher wusste er noch gar nicht, wer sie ist. Das war, bevor sich die Regierungsratskandidatin der GLP für ein Foto zur Jassrunde gesellte. Wer ist die Frau, die für eine Kleinpartei ins Rennen steigt und so überzeugend wirkt?

Aufgewachsen ist Claudia Huser in Ennetbürgen. Ihr Vater politisierte für die FDP unter anderem im Gemeinderat von Ennetbürgen. Das faszinierte Claudia, die am Esstisch gerne mit ihrem Vater über verschiedene Themen debattierte. «Meiner Mutter haben diese zum Teil hitzig geführten Gespräche nicht so gefallen», blickt Claudia Huser zurück. Ihre beiden Schwestern, die eine älter, die andere jünger («aber beide kleiner»), hielten sich aus den Debatten heraus, sollten aber später an ihrem Wohnort Zürich ebenfalls der GLP beitreten.

Lehre auf dem Bürgenstock

Während es manche Jugendliche bürgerlicher Eltern zu den Juso oder Jungen Grünen zieht, schärfte Huser in den Gesprächen mit dem Vater ihr politisches Profil. «Er ist der klassische Wirtschaftsliberale, ich die Sozialliberale.» Einig war sich Familie Huser, was den Berufseinstieg betrifft: Alle drei Töchter absolvierten eine «solide» KV-Ausbildung. Claudia machte die Lehre im Hotel Waldheim auf dem Bürgenstock.

Weil sie sich zunehmend dafür interessierte, was es braucht, damit Menschen am Arbeitsplatz gesund und leistungsfähig bleiben, absolvierte sie in Olten ein Masterstudium zur Arbeits-, Personal- und Organisationspsychologin. Und blickte auf dem Weg zum Studiumsjob eines Tages im Tram auf ein Wahlplakat der Zürcher GLP. Die neue Partei weckte Claudia Husers Interesse. Mittlerweile ist sie nach Luzern gezogen, der Heimat ihrer Mutter. Und erkundigte sich nun, ob sie der soeben frisch gegründeten Luzerner GLP-Sektion beitreten könne. Auf Anhieb sass sie ab 2010 im Vorstand der städtischen GLP.

In einem Parteitief gewählt

Schon bald merkte sie, dass sie politische Gespräche nicht nur protokollieren, sondern mitgestalten will. Weil sie zwischenzeitlich bei der Stadt Luzern angestellt war, kandidierte sie für einen Sitz im Kantonsparlament – und schaffte 2015 den Sprung. «Das war ein komischer Moment. Zwar wurde ich gewählt, aber die Partei hat einen Sitz verloren und damit noch knapp Fraktionsstärke erreicht.»

Im Kantonsrat geniesst Huser den Respekt von links bis rechts. Die Krienser SP-Kantonsrätin Pia Engler ist mit Huser in der Kommission für Gesundheit, Arbeit und soziale Sicherheit. «Die Zusammenarbeit ist gut», sagt Engler. Parteipolitische Differenzen würden zwar angesprochen, aber auch respektiert. Besonders schätzt Engler an Huser, dass sie sehr gut organisiert sei. Eine eigentliche negative Eigenschaft fällt der Sozialdemokratin nicht ein; es sei höchstens zu spüren, wenn es Huser zu wenig speditiv gehe, dann könne sie ungeduldig werden. «Wer sie aber kennt, weiss ihre Zielstrebigkeit zu schätzen.»

Monika Schnydrig, die für die SVP in der Kommission sitzt, beschreibt Huser als kämpferisch, engagiert und zielstrebig. Sie schätze an der GLP-Ratskollegin, dass diese gut vorbereitet und engagiert sei. Teilweise wirke sie aber ein bisschen «verbissen». Der politische Kompass sei zwar nicht immer klar, Huser sei aber «präsent als Person und in der Sache».

«Sie ist nicht dramatisch»

Einer ihrer langjährigsten politischen Weggefährten ist Stefan Sägesser. Er vertritt die GLP seit 2014 im Grossen Stadtrat und tritt demnächst als Leiter der kantonalen Kulturförderung zurück. «Ich freue mich über die bisherige politische Karriere von Claudia Huser», sagt Sägesser. «Sie ist eine gescheite Frau und nicht ideologisch geprägt.» So vertiefe sie sich zuerst gründlich in ein Thema, bevor sie eine Meinung fasse. Diese vertrete sie dann mit Überzeugung und strebe eine umsetzbare Lösung an.

Als Beispiel nennt Sägesser etwa die Gleichstellung der Frauen, welche Huser am Herzen liegt, die sie aber auf eine sachliche Ebene herunterbricht. «Sie ist nicht dramatisch, sondern argumentiert und zeigt einen Lösungsweg auf. Das gefällt wohl nicht nur mir.» Manchmal könne Claudia Huser andere mit ihrer Geschwindigkeit etwas überfahren, nachdem sie sich in ein Thema eingearbeitet und damit einen kleinen Wissensvorsprung habe. Aber das komme immer seltener vor, sie sei sich dessen bewusst.

Links-rechts und die GLP

2019 steigerte die GLP die Zahl ihrer Mandate im 120-köpfigen Parlament von 5 auf 8. Die Fraktion ist laut Claudia Huser aktuell ein eingespieltes Team, in dem sich alle unterstützen. «Es herrscht eine tolle Atmosphäre», schwärmt sie. Dass die Partei noch immer kritisiert wird, sich nicht in ein Links-rechts-Schema einzufügen, dafür hat Claudia Huser bis zu einem gewissen Punkt Verständnis. Zu Beginn habe sich die GLP noch auf Positionen verständigen müssen, die nicht ihre Kernthemen sind; zum Beispiel in der Bildungspolitik. «Aber mittlerweile stimmt das, was ich sage, ohne Absprache zu 90 Prozent mit der Fraktionsmeinung überein.» Zwar könne die GLP ihr Profil durchaus weiter schärfen, aber sie werde wohl nie im Links-rechts-Schema einzuordnen sein.

Im Kern gehe es bei den Grünliberalen immer um das eine Ziel: allen Bürgerinnen und Bürgern eine Zukunft ohne finanzielle oder ökologische Schulden ermöglichen. Das sei ihr auch beruflich wichtig. Seit 2021 arbeitet sie als stellvertretende Geschäftsführerin der Viscosuisse Immobilien AG und der Stiftung Viscosuisse in Emmenbrücke, wo sie Mitarbeitende und Pensionierte in finanzieller Notlage unterstützt. Derzeit arbeitet sie in einem 50-Prozent-Pensum. Damit sei es möglich, Fraktionspräsidium und Wahlkampf unter einen Hut zu bringen.

Apropos: Warum gibt sie für den Wahlkampf den Fraktionsvorsitz nicht ab, wie zum Beispiel ihr Konkurrent von der SVP, Armin Hartmann? «Wir sind eine kleine Fraktion und alle Mitglieder sind in den Kommissionen stark gefordert, während ich beruflich etwas zurückstecken konnte. Auch sehen wir als Nichtregierungspartei keine möglichen Interessenskonflikte», sagt Huser. Das mit der Regierungsbeteiligung will Huser jetzt ändern: «Im Kantonsrat wird viel gesprochen. Ich bezeichne mich aber als Macherin.»

Weniger Zeit für Touren

Ihr sei jedes Departement recht. Und wenn es nicht klappt: Kandidiert Claudia Huser im Herbst für den Nationalrat und ein Jahr später für den Luzerner Stadtrat? «Daran denke ich nicht. Das entscheide ich nach einer allfälligen Niederlage. Ich kandidiere, weil ich Regierungsrätin werden will.» Unterstützung hat sie von ihrem Mann Andreas, 40, der volles Verständnis habe, dass sie im Moment kaum Zeit für einen Jass, eine Bike-Tour oder einen Ausflug mit dem Camping-Büssli hat.

Support hat Huser bekanntlich auch vom KMU- und Gewerbeverband des Kantons Luzern. Und von zahlreichen Firmenchefs persönlich: In ihrem Komitee engagieren sich unter anderem die Verwaltungsratspräsidentin der Frey + Cie Techinvest 22 Holding, die Co-Geschäftsleiterin der Hug AG und Unternehmer Hans-Rudolf Schurter für Claudia Huser. Und dann ist da noch ihr neuster Unterstützer, der Herr mit Hut aus dem Restaurant.

Claudia Huser im Kurzporträt

Geboren: 28. April 1981
Wohnort: Luzern
Lebensform: Verheiratet mit Andreas (40)
Beruf: Stv. Geschäftsführerin Viscosuisse Immobilien AG
Berge oder Seen? Berge
FCL-Match oder KKL-Besuch? Beides
Buch oder TV? TV
Wein oder Bier? Wein
Fleisch oder vegan? Vegan
Auto oder ÖV? ÖV

Drei Fragen – drei Antworten

Wo soll das Leistungsangebot der Spitäler definiert werden?

Claudia Huser: Im Leistungs­auftrag. So kann sichergestellt werden, dass Entwicklungen zeitnah aufgenommen werden können und der Bevölkerung in den drei Regionalspitälern ein zeitgemässes und qualitativ hochstehendes Angebot bereitgestellt werden kann.

Der Bau von Windkraftanlagen soll erleichtert werden. Warum ist das richtig oder falsch?

Dank Strom aus erneuerbaren Energien verringern wir die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern sowie von Importen und erhöhen unsere Versorgungssicherheit. Deshalb soll der Bau von Windkraftanlagen erleichtert werden. Sie können während 80 Prozent der Zeit Strom produzieren. Da zwei Drittel im Winter produziert werden, sind sie eine perfekte Ergänzung zu Wasserkraft und Photovoltaik.

Die Nationalbank wird künftig weniger Geld nach Luzern überweisen. Wie kompensieren Sie das?

Kurzfristig können wir Mindereinnahmen mit vorhandenen Mitteln kompensieren. Künftig braucht es eine realistische Budgetierung der Ausschüttung. Nur so ist sichergestellt, dass sich Einnahmen und Ausgaben die Waage halten. Wenn die Mittel nicht ausreichen, um alle Aufgaben zu bewältigen, braucht es eine Aufgabenprüfung, eine Diskussion über deren Notwendigkeit und Finanzierungsmöglichkeiten. Sparpakete und Steuererhöhungen können so verhindert werden.

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