Zug

Cham ist ein «Igel-Hotspot» und soll das auch bleiben

Im Kulturzentrum Langhuus fand kürzlich eine Veranstaltung im Rahmen des schweizweiten Projekts «Wilde Nachbarn» statt. Im Fokus des Abends war der stachelige Igel.
Igel sind drollige Tiere. (Bild: Anouk Taucher/PD)
Mit solchen Hinweisen sollen Menschen sensibilisiert werden. (Bild: Anouk Taucher/PD)

Laurence Ziegler

Laurence Ziegler

Die Wildtierbiologin Anouk-Lisa Taucher begrüsste das Publikum im Chamer Langhuus. Von der Schülerin bis zum pensionierten Gartenbesitzer versammelten sich 15 Interessierte. Taucher, die vor kurzem ihre Doktorarbeit begonnen hatte, führte die Anwesenden durch ihre Präsentation im Rahmen des schweizweiten Projekts «Wilde Nachbarn». Im Rampenlicht stand der Igel.

«Wir befinden uns hier in Cham in einem Igel-Hotspot», betonte die Wildtierexpertin und führte aus: «Damit das so bleibt, muss der Siedlungsraum für den Igel barrierefrei gestaltet sein. Ein igelfreundlicher Garten umfasst durchlässige Zäune und Mauern, Kompost, unversiegelte Flächen sowie Ast- und oder Steinhaufen.»

Barrieren für Wildtiere sind abzuschaffen

Das Projekt «Wilde Nachbarn Zug» wurde vor knapp drei Jahren lanciert und soll die Aufmerksamkeit für die Wildtiere vor der Haustüre wecken. Im Rahmen des Projekts wurde die digitale Meldeplattform zug.wildenachbarn.ch realisiert, wo Beobachtungen von Zugerinnen und Zuger eingetragen werden können. Alle Gemeinden, der Kanton und vier verschiedene Umweltorganisationen unterstützen und beteiligen sich am Projekt.

Dieses Jahr im Mittelpunkt steht das Thema «Freie Bahn für Igel, Eichhörnchen & Co.». Es geht darum, barrierefreies Durchkommen für Wildtiere im Siedlungsraum zu ermöglichen. Igel haben kurze Beine, trotzdem können männliche Igel bis zu fünf Kilometer in einer Nacht wandern. Sie haben gern offene Flächen und ernähren sich von Insekten, Würmern und kleinen Schnecken. Igel verfügen über mehrere Stätten, wo sie den Tag über schlafen können.

Taucher zeigt ein Foto von der typischen Landschaft in Wales, Grossbritannien, und erklärt aufgrund dessen den Ursprung des englischen Namens für Igel: Hedgehog. Hedge heisst auf Deutsch Hecke und weist auf den Lebensraum hin. Hog heisst übersetzt Ferkel und ist von der Form der Nase der Tiere abgeleitet.

Anouk-Lisa Taucher präsentierte daraufhin ein aktuelles Bild aus der Schweiz: «Im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft wurden viele dieser Heckenlandschaften bei uns entfernt, damit die Felder einfacher zu bewirtschaften sind. Deshalb hat der Igel hier kaum mehr Versteckmöglichkeiten.»

Der Siedlungsraum bietet Verlockungen und Gefahren

Mittlerweile treffe man darum den Igel vermehrt im Siedlungsgebiet an, wo er auf relativ kleinem Raum verschiedene Lebensräume antreffen könne. Allerdings treffe das kleine Wildtier hier auch auf diverse Gefahren: unter anderen Laubbläser, Rasenroboter sowie Düngemitteln.

In der Stadt Zürich sei innerhalb von rund 25 Jahren ein bedenklicher Rückgang des Igels um 40 Prozent registriert worden. In Cham wurde im Jahre 2020 die Igelzahl im Siedlungsraum auf 30 Tiere pro Quadratkilometer gezählt. Im Landwirtschaftsgebiet seien es lediglich 16 Igel pro Quadratkilometer.

Im Anschluss an den Vortrag von Anouk-Lisa Taucher wurden die Anwesenden zu einem Rundgang durch das nahe liegende Siedlungsquartier eingeladen. Hier entdeckten die Rundgangteilnehmenden ab und zu die Plakette «Igeldurchgang bitte freihalten». Durch die Unterstützung von Freiwilligen wurden in diesem Quartier Möglichkeiten für ein hindernisfreies Durchkommen für den kleinen Vierbeiner ermöglicht.

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