In der warmen Stube des Naturfreundehauses Brünig sassen sie am vergangenen Freitagabend beisammen: Songwriter, Musiklehrerinnen, Hobbymusiker. Initiiert von Joel Michel, Gründer der Musikagentur Michel Music, und Middle of Switzerland, fanden am vergangenen Wochenende erstmals die Brünig-Sessions statt, um die Zentralschweizer Musikszene zusammenzubringen, weiterzuentwickeln und Kooperationen anzustossen.
Middle of Switzerland sind Bujar Berisha und Liliane Bürli, die in verschiedenen musikalischen und künstlerischen Projekten aktiv sind und vor einigen Jahren das Naturfreundehaus zu einem kreativen Treffpunkt inklusive Musikstudio ausgebaut haben. Gastgeber Berisha beleuchtete zur Einstimmung die gesellschaftlichen und ökonomischen Seiten der Musik, wobei er aus seinen Erfahrungen als Gründer der Band Who’s Elektra und Musikproduzent schöpfte. Seine Impulse führten schnell zu Gesprächen über die grossen Fragen der Zeit: Der Einfluss von Digitalisierung und KI auf Gesellschaft, Konsum und Erleben oder die Frage, wie Live-Musik in Zeiten des digitalen Rückzugs Zusammengehörigkeit und Begegnung ermöglichen kann.
Dass Musik mehr ist als ein Diskussionsthema, zeigte sich am späteren Abend. In der Kellerstube spielten Annalena Müller und Elias Balmer, beide Teil der Luzerner Indie-Pop-Band Velvet, eigene Songs. Begleitet von der Sängerin und Komponistin Valeria Schneuwly, die spontan Salzspender und Besteck zu Perkussionsinstrumenten umwandelte, berührte Mittelstürmer-Frontmann Matthias Jurt mit seiner Komposition «Mis Härz». Spätestens mit den intimen Songs der Alpnacherin Fiona Busse-Gravitz von Fringe of Cilia zeigte sich, was Musik im Kern vermag: Menschen tragen, berühren und zusammenbringen.
Heidi Happy wird mit Fragen durchlöchert
Am Samstagmorgen stiess Heidi Happy zur Runde, die derzeit mit ihrem Jubiläumsprogramm durch die Schweiz tourt. In einem rund zweistündigen Gespräch gab die Musikerin Einblicke in ihre bewegte Karriere, die in Luzern startete und sie in die ganze Welt führte. Der Drang, Geschichten zu erzählen und Erlebtes zu verarbeiten, sei Kern ihres Musizierens, wobei Risikobereitschaft, Durchhaltevermögen und der eine oder andere Zufall sie immer weitergetragen hätten.
Von der neugierigen Runde mit Fragen durchlöchert, betonte sie die gesellschaftliche Bedeutung von Live-Musik und dass sie immer mehr dem Ungeplanten, Authentischen und Spontanen Raum gäbe – das, was das Leben und die Musik erst lebendig mache. Während für den Jazzpianisten Nico Hirzel die Brünig-Sessions den Abschluss seiner einmonatigen Kompositions-Residenz auf dem Brünig bildeten, gewann der Hobbymusiker Urban Bieri erstmals Einblicke in die Musikindustrie. Die Willisauerin Sara Lustenberger wiederum konnte mit Heidi Happy ihre ersten Songskizzen weiterentwickeln. Gerade die verschiedenen Hintergründe und musikalischen Zugänge zeigten, wie sehr Musik von Zusammenarbeit, gegenseitiger Unterstützung und mutigen Ideen lebt.
Informationen über weitere Ausgaben werden online publiziert: middleofswitzerland.ch/sessions/


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