Stirbt ein Kind noch während der Schwangerschaft, ist der Schmerz gross. Die Grünen-Kantonsrätin Laura Spring findet: «Eltern befinden sich in einer Ausnahmesituation. Sie sollen nicht noch darum kämpfen müssen, von ihrem Kind würdig Abschied nehmen zu können.» Darum fordert die Stadtluzernerin, dass bei Fehlgeburten künftig alle Gemeinden eine Bestattung ermöglichen müssen. Auch die Regierung unterstützt das Anliegen, das jede Fraktion mitträgt.
An der kommenden Session im März beschliesst das Parlament wohl also eine Anpassung der kantonalen Verordnung über das Bestattungswesen. Eine spezifische Regelung zur Beerdigung von sogenannten Sternenkindern gibt es bisher nicht. Ob ein ungeborenes Kind bestattet werden kann, hängt aktuell von den einzelnen Gemeinden ab. National ist es so geregelt, dass nur diejenigen ein Recht auf Bestattung haben, die im Personenregister eingetragen sind. Nicht erfasst sind Fehlgeburten vor der 23. Schwangerschaftswoche, die weniger als 500 Gramm wiegen – sie fallen darum meist durch das Raster.
«Wichtiges Zeichen aus der Politik»
Im Kanton Luzern bieten derzeit nur sieben Gemeinden die Bestattung von früh verstorbenen Kindern explizit an: Luzern, Kriens, Rothenburg, Hochdorf, Aesch, Geuensee und Nottwil. Andernorts herrscht oft Unklarheit. Die Regierung schreibt gar: «Es kann vorkommen, dass Eltern in bestimmten Gemeinden die Bestattung ihres Fehlgeborenen trotz ausdrücklichem Wunsch verwehrt bleibt.» Das stelle für diese eine zusätzliche Belastung dar. Konkrete Fälle kann das Gesundheits- und Sozialdepartement auf Nachfrage nicht nennen. Der Kanton erhalte aber «sporadisch Anfragen von interessierten Eltern», die nach alternativen Bestattungsmöglichkeiten suchen, weil in deren Wohngemeinde ein entsprechendes Angebot fehlt.
Ihre Haltung bringt die Regierung in der Stellungnahme klar zum Ausdruck: «Eine würdevolle Verabschiedung im Rahmen einer Bestattung kann Betroffene im Trauer- und Abschiedsprozess unterstützen. Die Bestattung von Fehlgeborenen sollte deshalb in allen Gemeinden des Kantons Luzern möglich sein.» Laura Spring ist froh, anerkennt dies die Regierung. «Eigentlich gibt es keinen Grund, warum es nicht möglich sein soll, dass alle Eltern ihr verstorbenes Baby in ihrer Gemeinde bestatten können – unabhängig vom Gewicht oder von der Schwangerschaftswoche, in der das Baby verstorben ist», schreibt sie.
Spring betont: «So viele Frauen erleben eine Fehlgeburt, oft auch mehrmals in ihrem Leben.» Wie sehr das Thema bewegt, zeigt sich allein daran, dass Kantonsrätinnen aus allen Fraktionen das Postulat unterschrieben haben. Zuspruch erhielt Spring von Betroffenen. «Ich erhielt einige Rückmeldungen von Eltern, die sich gefreut haben über dieses kleine, aber wichtige Zeichen aus der Politik, dass ihre Situation gesehen wird.»
300 Angehörige nahmen an Abschiedsfeiern teil
Mit der Bestattung von Sternenkindern soll nicht nur der Abschied für Angehörige erleichtert werden. «Viele Frauen wünschen sich, dass sie offener mit dem Schicksalsschlag umgehen können. Da helfen auch Rituale wie eine offizielle Bestattungsmöglichkeit in der eigenen Gemeinde», schreibt Spring.
Für Eltern, deren Kind im Luzerner Kantonsspital (Luks) verstirbt, bietet das Luks in Zusammenarbeit mit dem Friedhof Friedental Luzern schon seit 22 Jahren die Möglichkeit einer Abschiedsfeier und Bestattung an. Jährlich werden so zwischen 50 und 80 Sternenkinder beerdigt. Abschiedsfeiern finden einmal im Monat statt, im vergangenen Jahr nahmen total rund 300 Angehörige daran teil. Susann Schüepp-Brunner, Leiterin Seelsorge/Care-Team beim Luks, schreibt: «Eltern sind dankbar für das Angebot. In dieser schwierigen Situation sind sie froh, dass sie nichts organisieren müssen und keine Kosten für sie anfallen.» Letztere übernimmt das Luks, jährlich sind es unter 5000 Franken.
«Die Erfahrung zeigt, dass das Angebot häufiger in Anspruch genommen wird, wenn ein solches in der Wohngemeinde fehlt», so Schüepp. Auch wenn Sternenkinder-Bestattungen künftig überall möglich sind, hält das Luks am Angebot fest. Erst wenn die Nachfrage markant sänke, befasse sich das Spital mit möglichen Anpassungen.


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