Kolumne «Landauf, landab»

Beat Feuz ist auch ein Ortsschild

Der Autor fragt sich, wann man ein Gratulationsplakat abhängen sollte und ob aus einer sportlichen Ehrung irgendwann ein Stück Dorfidentität wird.

Wann soll man ein Gratulationsplakat abhängen? Diese Frage beschäftigt mich schon seit Längerem. Also eigentlich jedes Mal, wenn ich durch die Gemeinde Schangnau fahre. Die Berner 1000-Seelen-Gemeinde ist nicht nur für ihre «Merängge» bekannt, sondern auch für Skistar Beat Feuz.

Inzwischen begeistert «Beätu» das Schweizer Sportpublikum nicht mehr mit seinen Höllenritten die Streif hinunter, sondern mit seinen treffenden Fachanalysen im Fernsehen. Der Erfolg von Feuz ist unbestritten: Er ist einer der besten Schweizer Skifahrer aller Zeiten. Kein Wunder, dass man in der Gemeinde, die an Escholzmatt-Marbach im Entlebuch angrenzt, stolz auf ihn ist. Zu Recht hängen am Ortseingang viele Plakate zu Ehren des Athleten, der 50 Meter neben dem Skilift aufgewachsen ist.

Aber wäre es denn langsam nicht an der Zeit, diese Plakate einmal runterzunehmen? «Beätu» selbst wäre seinen Mitmenschen in seiner Heimatgemeinde wohl kaum böse. Vielleicht würde er sogar dankbar sein. Schliesslich ist das Leben eines Gratulationsplakats kein einfaches. Es wird aufgehängt in einem Moment der Euphorie, wenn die ganze Schweiz kollektiv ausrastet. Dann hängt es da: Wochen, Monate, Jahre. Irgendwann wird aus der Würdigung des sportlichen Erfolgsmoments eine Art Dauerzustand.

Zwei der vielen Plakate, welche in der Gemeinde Schangnau zu Ehren von Beat Feuz hängen.
Bild: Screenshot: Google Maps

Andererseits: Wer bin ich, darüber zu urteilen? Vielleicht liegt es einfach in der Natur der Sache, solche Würdigungen hängen zu lassen. Schliesslich benennen wir auch Kreisel und Strassen nach lokalen Persönlichkeiten. Vielleicht sind die Feuz-Plakate also gar keine Gratulationsplakate mehr. Vielmehr sind sie längst Ortsschilder geworden. Ein Stück Identität. So wie die «Merängge», der Gasthof Löwen, das Kemmeriboden Bad oder die Aussicht auf die Schrattenfluh.

Und was meint Feuz selbst? «Ich empfinde die Plakate als Wertschätzung von Menschen, die über all die Jahre mit mir mitgefiebert haben», lässt der Schangnauer ausrichten.

Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redaktorinnen unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.

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