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Demokratie

Anreize schaffen und Autonomie behalten – beim Banquet républicain wurde engagiert diskutiert

Rund 70 Personen – so viele wie noch nie – folgten der Einladung des OK, das sich aus fast allen politischen Parteien Uris und Politcast Uri zusammensetzt.
Kurt Zgraggen (rechts, stehend), Geschäftsführer der Berghilfe Schweiz, stellte sich den Fragen der Moderatorin Julia Trottmann.
Bild: Claudia Naujoks (Altdorf, 13.3. 2026)

Zum sechsten Mal traf man sich am vergangenen Freitag zum demokratischen Austausch zum Thema «Leben und Herausforderungen im Berggebiet». Eingebettet in den Ablauf eines schmackhaften Menüs und umsorgt von der Crew des Restaurants Zum schwarzen Löwen in Altdorf führte Moderatorin Julia Trottmann von Politcast Uri durch die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema des Abends. Im Inputreferat zeigte der Geschäftsführer der Berghilfe Schweiz, Kurt Zgraggen, - selbst gebürtiger Urner – auf, dass das Leben in den Berggebieten schwieriger ist als im Flachland und durch den Bevölkerungsrückgang Arbeitsplätze verloren gehen, Dorfläden aufgegeben werden und Schulen schliessen müssen. Dieser Entwicklung will die Berghilfe, die eine ausschliesslich durch Spenden finanzierte Stiftung ist, entgegenwirken. Seit 1943 setzt sie sich dafür ein, die Existenzgrundlagen und Lebensbedingungen in den Schweizer Bergebieten zu verbessern. Sie unterstützt Projekte, die Arbeitsplätze und Wertschöpfung schaffen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Neben der Bedingung, dass der Projektstandort sich im Berggebiet befinden muss – die Grenze in Uri verläuft mitten durch Erstfeld, den Heimatort des Referenten -, gelten noch weitere Kriterien für Gesuche, wie privatwirtschaftliche Basis, Klein- und Kleinstbetriebe, Investition in Gebäude, Anlagen, Digitalisierung oder Weiterbildung. Geprüft wird auch die finanzielle Notwendigkeit, und zwar von den Personen, die als Initianten der Organisation verstanden werden, den Ehrenamtlichen. Sie sind Experten und Expertinnen, die selbst mit den Bedingungen des Lebens in den Bergen vertraut sind.

Das Motto ist die Hilfe zur Selbsthilfe und füllt finanziell die Lücke auf, die vom Staat oder anderen Quellen nicht abgedeckt wird. So werden Investitionen möglich, die sonst durch die höheren Produktionskosten im Berggebiet und die meist geringe Reservenbildung das sozial und wirtschaftlich intakte Umfeld und damit ein lebendiges Berggebiet ausbremsen würden. In sieben Bereichen werden die von einem Ausschuss des Stiftungsrats zu bewilligenden Gelder eingesetzt: Landwirtschaft, Tourismus, Gewerbe, Wald und Holz, Energie, Bildung und Nothilfe. Damit können Projekte wie die Sanierung der Talstation der Luftseilbahn Gitschenen, auf die Schulkinder wie Pendler angewiesen sind, Erneuerungsinvestitionen im Dorfladen Bristen oder die Erneuerung der Sägerei Walker in Wassen realisiert werden.

Der Geschäftsführer der Berghilfe Schweiz, Kurt Zgraggen, informierte in seinem Referat auch über die Kriterien für Gesuchstellende.
Bild: Claudia Naujoks (Altdorf, 13.3. 2026)

Wirtschaftsförderung und Landschaftsschutz

Zwischen Hauptgang und Dessert diskutierten die Teilnehmenden unter Anleitung Thesen und Fragestellungen. Sorge machte man sich bezüglich des demografischen Wandels, dass viele Junge, die ausserhalb des Kantons studieren oder ausgebildet werden, nicht mehr zurückkommen. Damit gehe wichtiges wirtschaftliches Potenzial verloren und es führe zu einem fast fünf Prozent höheren Altersquotienten in den Berggebieten im Vergleich zum restlichen Gebiet, erklärte der Referent. Eine offen gebliebene Frage ergab sich daraus, ob die Jungen heute weniger mit dem Berggebiet verbunden sind als früher. Ausserdem wurde angeregt, die Abgabe von mehr Land im Baurecht für die Wirtschaftsförderung zu ermöglichen, damit Arbeitsplätze generiert werden können. Darüber hinaus solle durch die Förderung von Wohnbaugenossenschaften mehr günstiger Wohnraum auch für Familien geschaffen werden.

Ein weiteres Plädoyer wurde für die Bewahrung der Autonomie und Selbstbestimmung des Kantons Uri angesichts der Investitionen von aussen gehalten. «Schon im Energiebereich haben wir vor 100 Jahren die Autonomie über die Stromproduktion völlig verloren, das Heimfallrechtsgesetz ist die Chance, diese Entwicklung rückgängig zu machen», sagte ein Teilnehmer. Auch Andermatt sei ein Beispiel dafür, dass Uri nicht mehr sagen könne, was dort geschehe. Zugegebenermassen habe die Bevölkerung diesen Investitionen zugestimmt. Die Menschen im Kanton dürften jedoch nicht nur noch zur Kulisse dieser Investitionen werden, sondern müssten Teil von ihr sein. Es stehe eine grössere Investition auf der Isleten bevor und da stelle sich wieder die Frage nach der Autonomie und Selbstbestimmung neben der des Landschaftsschutzes.

www.berghilfe.ch

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