Dominik Weingartner
Im Tropenhaus Wolhusen soll es bald kreuchen und fleuchen. Bald soll dort die Insektenausstellung der Firma Expovivo zu sehen sein, wie «20 Minuten» berichtet. Die Ausstellung beinhaltet rund 1000 exotische Insekten. Seit 30 Jahren ist Expovivo mit der Ausstellung durch Messen und Einkaufszentren getingelt. In Zeiten von Corona blieben die Auftrittsmöglichkeiten aber aus, weshalb die Firma in finanzielle Bedrängnis geraten ist.
Käufer der Ausstellung wäre der Verein Insectorum, der vom Tropenhaus-Geschäftsleiter Beat Mumenthaler geführt wird. Insectorum würde sie dann dem Tropenhaus als Dauerausstellung vermieten. Der Insektenforscher Christian Schweizer, der Besitzer von Expovivo, sei auf ihn zugekommen mit der Frage, ob das Tropenhaus Interesse an seiner Ausstellung habe, sagt Mumenthaler auf Anfrage.
Mittels Crowdfunding sammelt Insectorum nun Geld. Das Ziel liegt bei 90'000 Franken. 30'000 Franken werden gebraucht, um die Ausstellung zu kaufen. Die restlichen 60'000 Franken würden in die Einbettung der Ausstellung in das Konzept des Tropenhauses fliessen. «Dazu gehören pädagogische Aufarbeitung, Präsentation, Texte, Beschriftung, Erweiterung, Anpassung an das Kreislaufkonzept und ein für das Publikum aufgearbeitetes Nachzuchtkonzept», sagt Mumenthaler. Seit dem 5. Oktober wurden über 12'500 Franken gesammelt, das Crowdfunding läuft bis zum 14. November.
Europaweit einzigartige Ausstellung
Laut Beat Mumenthaler wäre die Insektenausstellung in dieser Form europaweit einzigartig. «Die Ausstellung beinhaltet 40 verschiedene Arten. Es sind vor allem tropische Arten, die perfekt zum Tropenhaus passen», sagt er. Bereits seit mehr als einem Jahr verfügt das Tropenhaus über ein Konzept für wirbellose Tiere. Wegen der Herausforderungen der Coronapandemie sei die Umsetzung aber bisher aufgeschoben worden, so Mumenthaler. «Die Möglichkeit, nun eine fixfertige Insektenausstellung zu erwerben, ist die perfekte Gelegenheit, das Konzept umzusetzen», sagt Mumenthaler.
Der Geschäftsleiter des Tropenhauses stellt aber auch klar: «Wir wollen kein Zoo sein.» Vielmehr sollen sich die Insekten in das Tropenhaus einfügen. Da im Tropenhaus neu auch selber kompostiert wird, sind zum Beispiel auch Destruenten wie Würmer und Asseln ein Thema, so Mumenthaler. Destruenten sind Organismen, die organische Substanzen abbauen und in einfache anorganische Verbindungen zerlegen. Zudem sind im Tropenhaus seit kurzem Palmendiebe zu Hause, das grösste an Land lebende Krebstier der Welt.
«Wir wollen im Tropenhaus Nachhaltigkeit zeigen und leben», sagt er. «Die wirbellosen Tiere sind extrem wichtig für unsere Kreisläufe. Diese Relevanz wollen wir aufzeigen.»
Insekten selber züchten
Dazu gehört ein Konzept, wie dieses Thema vermittelt werden kann. Das mit dem Crowdfunding generierte Geld soll deshalb auch für die Umsetzung eines pädagogischen Konzepts verwendet werden. Zielgruppen sind laut Mumenthaler Schulklassen und Familien, aber auch Firmen, die im Tropenhaus Anlässe durchführen können.
Zur Nachhaltigkeit gehört auch die Zucht der Insekten. Das Tropenhaus will dazu das Zuchtkonzept von Expovivo übernehmen. «Es sollen möglichst wenig Tiere aus der Natur entnommen werden», sagt Mumenthaler. Das Zuchtkonzept soll auch den Besucherinnen und Besuchern zugänglich gemacht werden. Das Know-how dafür sei vorhanden, so Mumenthaler. Er selber beschäftigt sich schon lange mit Insekten und war früher Biologielehrer.




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