Luzern

«Bären» und «Linde» sind verkauft: Ruswiler Dorfbeizen machen dicht

Mit dem «Bären» und der «Linde» verliert das Dorf zwei Traditionslokale. Sie gehören nun einer Genossenschaft, die Wohnungen realisieren will.
Die Restaurants Bären (links) und Linde im Zentrum von Ruswil. (Bild: Google Maps)

Hannes Bucher

Gut nachbarlich stehen «Linde» und «Bären» nebeneinander im Ruswiler Dorfkern. Generationen von Ruswilern sind in den beiden Wirtschaften über die Schwelle getreten; in den Sälen haben Anlässe stattgefunden, an den Stammtischen ist geplaudert und manch politisches Thema abgehandelt worden.

Speziell im «Bären» gerade auch Lokal- und Parteipolitisches. Für die einstigen «Schwarzen», die Liberalen, war der «Bären» über lange Zeit das politische Stammlokal. Dort fanden bis zuletzt die FDP-Parteianlässe statt. Seit dem 1. Juli nun ist diese Geschichte definitiv zu Ende. Das Besitzerehepaar Markus und Agnes Felder verkaufte die beiden Liegenschaften an die Ruswiler Genossenschaft für sozialen Wohnungsbau Schönblick (GSWS). Über vier Jahrzehnte hat das Paar in der «Linde» gewirtet, die Markus Felder von seinem Vater übernommen hat. Das Lokal wurde zwischenzeitlich zum «Füürwehrpub» umgestaltet und später haben Felders auch den «Bären» erworben. Dieser wurde als traditionelles Restaurant geführt.

Nach der Schliessung wegen der Coronapandemie im März warteten die Gäste vergebens auf die Wiedereröffnung im Mai. Die Betriebe blieben und bleiben geschlossen. Felders haben sich nach 46-jähriger Tätigkeit in den Ruhestand zurückgezogen.

Fassaden sollen renoviert werden

Die Genossenschaft für sozialen Wohnungsbau Schönblick wurde 1966 gegründet und besitzt bisher insgesamt 106 Mietwohnungen. Jetzt kommen mit der «Linde» und dem «Bären» neue Einheiten dazu. Die Mietverhältnisse der bereits bestehenden Wohnungen in der «Linde» werden nach den Worten von Stefan Dubach, Präsident der GSWS, weitergeführt. Es gelte jetzt, ein Gesamtkonzept für die beiden Liegenschaften zu erstellen. Dieses dürfte auch für den «Bären» den Einbau von Wohnungen vorsehen. «Wohnraum zur Verfügung zu stellen, das ist auch Sinn und Zweck der GSWS», sagt Dubach. Die Fassaden der Liegenschaften dürfen auf eine sanfte Renovierung hoffen.

Was geschieht mit den Restaurationsbetrieben in den Erdgeschossen? «Die Genossenschaft will sich bestimmt nicht selber als Beizerin positionieren», sagt Dubach. Sie wäre aber offen für gastronomische Lösungsvorschläge – allenfalls könnten dies auch temporäre Varianten sein. Die Zeiten dafür dürften aber schwierig sein, wegen Corona zusätzlich verschärft, sagt Dubach.

Gemeindepräsident spricht von «Glücksfall»

Die zentrale Lage im Dorfkern ruft aber nach weiterer gewerblicher Nutzung – Praxisräume, Büros, Therapieräume, Ladenlokal oder Ähnliches könnte sich die GSWS sehr gut in den Erdgeschossen vorstellen. «Etwas Gescheites machen, für alle eine gute Lösung finden» sei das Hauptanliegen der GSWS mit dem Erwerb der beiden Objekte. «Es muss nicht rentieren. Mit einer schwarzen Null sind wir zufrieden», so Dubach. Das weitere Vorgehen soll etappenweise geschehen. Auf zeitliche Prognosen will sich Dubach nicht einlassen, aber er sichert zu, es solle vorwärtsgehen. Es gelte nun, Kontakte mit den Behörden, den Nachbarn und auch mit der Denkmalpflege wegen des Dorfplatzes aufzunehmen. Dieser ist als «von nationaler Bedeutung» eingestuft.

Von einem «Glücksfall» spricht Gemeindepräsident Franzsepp Erni. Dies auch, weil nicht ein ortsfremder Investor die beiden «altehrwürdigen Gebäude» erworben habe. Natürlich sei es schade, dass zwei traditionsreiche Dorfwirtschaften nun geschlossen seien. Dass es für die Gastrobranche schwierig sei, das sei bekannt. Das Gute an der getroffenen Lösung ist für den Ruswiler Gemeindepräsidenten: Die Verantwortlichen der GSWS wüssten um die Situation und Gegebenheiten vor Ort.

Auch den vormaligen Besitzern war es ein grosses Anliegen, die Liegenschaften an jemanden zu veräussern, der mit Ruswil verbunden ist. «Wir sind sicher, dass der Entscheid richtig war», so Markus und Agnes Felder.

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