Autofrei und begrünt soll die Luzerner Innenstadt werden. So zumindest fordert es eine Volksinitiative der Jungen Grünen. Doch dem Stadtrat geht dieser Vorschlag zu weit (wir berichteten) . Als Kompromiss schlägt er in einem Gegenvorschlag ein teilweise autofreies Bruch-Quartier vor. Konkret bedeutet dies ein Fahrverbot auf der Zähringer- und Dufourstrasse sowie auf einem Abschnitt der Bruchstrasse. Dabei sollen auch die Hälfte alle Strassenparkplätze aufgehoben werden.
Nun regt sich Widerstand aus dem betroffenen Quartier: Der Quartierverein Säli Bruch Obergütsch kritisiert in einer Mitteilung vom Donnerstag, dass «weder für die Volksinitiative der Jungen Grünen noch für den Gegenvorschlag des Stadtrates die Bedürfnisse der Bewohnenden bisher ausreichend gehört wurden». Der Stadtrat habe ausgerechnet die umstrittensten Massnahmen – ein Fahrverbot und die Streichung von Parkplätzen als Sofortmassnahmen festgelegt, sollte der Gegenvorschlag an der Urne angenommen werden. Und dies ohne vorherige Mitsprache des Quartiers. «Dass hier kein Dialog mit den Betroffenen gesucht wurde, sorgt im Quartier für Unmut», wird Co-Präsident Tobias König zitiert.
Massnahmen wie die Reduktion des Durchgangsverkehrs und die Begrünung hitzebelasteter Strassen wie der Zähringerstrasse würden zwar wichtige Herausforderungen des Quartiers aufgreifen und könnten einen echten Fortschritt bringen. Doch König sagt auch: «Gewerbetreibende und medizinische Praxen im Quartier sind zum Teil sehr skeptisch, ob Kunden und Patienten ohne Parkplätze noch kommen werden. Auch die Idee, das eigene Fahrzeug nicht mehr in Wohnortnähe zu parkieren, wird im Quartier kontrovers diskutiert».
Wie König auf Anfrage ergänzt, seien Anwohnende, Gewerbetreibende und auch der Quartierverein selber von den Plänen der Stadt überrumpelt worden. «Viele haben sich besorgt bei uns gemeldet», sagt er und nennt als Beispiel eine Arztpraxis, deren Patienten teils nicht gut zu Fuss und deshalb auf das Auto angewiesen sind. «Diese Fragen müssen im engen Dialog mit dem Quartier geklärt werden», sagt er.
Über die Autofrei-Initiative und den Gegenvorschlag wird das Stadtparlament am nächsten Donnerstag behandeln. Der Quartierverein fordert das Parlament auf, den Gegenvorschlag zur Überarbeitung an den Stadtrat zurückzuweisen. Dem Stadtrat empfiehlt der Quartierverein, zügig den Austausch mit den Anwohnenden und Gewerbetreibenden im Bruch-Quartier zu suchen.
Baukommission lehnt beides ab
Allerdings dürfte es den Gegenvorschlag sowieso nicht mehr lange geben. Denn die vorberatende Baukommission lehnt ihn deutlich ab, wie sie kürzlich mitteilte. Sie will ihn auch nicht an den Stadtrat zur Überarbeitung zurückweisen. Falls das Parlament am 12. Juni der Kommission folgt, ist der Gegenvorschlag vom Tisch – das Volk könnte dann nur über die Initiative der Jungen Grünen abstimmen. Auch die Initiative wird von der Kommission zur Ablehnung empfohlen.


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