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Obwalden

«Auf gutem Weg, alle weissen Flecken im Kanton abzudecken»: First-Responderin ist bei Notfällen sofort zur Stelle

Mit 16 wurde sie Samariterin. Mit 45 sorgt sie dafür, dass bald im ganzen Kanton Ersthelfer im Einsatz sind.
Sandra Schallberger vom Vorstand Härz fir Obwaldä.  (Bild: Marion Wannemacher (Lungern, 9. Dezember 2021))
Sandra Schallberger vom Vorstand Härz fir Obwaldä.  (Bild: Marion Wannemacher (Lungern, 9. Dezember 2021))

Marion Wannemacher

Marion Wannemacher

Die neongelbe Weste hängt griffbereit an der Garderobe, der rote Notfall-Rucksack liegt im Kofferraum des braunen VW-Familienbusses. Gerade mal zwei Minuten braucht Sandra Schallberger nach dem Eintreffen des Alarmrufs, bis sie hinterm Steuer sitzt und ausrückt. Als sogenannte First Responderin in ihrer Ortsgruppe. Aber auch ohne die Alarmierung der Einsatzrettungszentrale ist sie in ihrem Dorf immer mal wieder unterwegs.

Sandra Schallberger stammt aus Lungern, die Lungerer kennen sie und vertrauen ihr. Ob sie mal schnell schauen soll, ob sich jemand das Bein gebrochen, den Finger verrenkt hat oder sie gar einen Zugang zur Gabe von Medikamenten legen soll. «Wenn jemand Hilfe braucht, kann er mich anrufen», sagt die ausgebildete Rettungssanitäterin HF. Wer sie kennt, weiss, dass sie es ernst meint.

Unermüdlicher Einsatz für den Aufbau der Ersthilfe überall im Kanton

Mit 16 machte Sandra den obligatorischen Nothilfekurs. Damals brauchten die Leiter des Samaritervereins nicht lange, um sie zu überreden, auch Samariterin zu werden wie ihre Mutter. Gut zehn Jahre später gründete sie die erste Help-Jugendgruppe von Obwalden und gab bald selber Kurse. Bald wurde die ausgebildete Servicefachangestellte Transportsanitäterin FA und später Rettungssanitäterin HF. Heute, mit 45 Jahren, sorgt sie im Vorstand des Vereins Härz fir Obwaldä gemeinsam mit Lebenspartner Rolf Langenbacher dafür, dass bald in allen Gemeinden im Kanton Ersthelfer vor dem Eintreffen der Ambulanz bei medizinischen Notfällen sind.

Seit 14 Jahren werden beide nicht müde zu betonen, wie wichtig die ersten drei bis sechs Minuten für Patienten mit Herznotfällen sind. Jährlich sterben rund 10'000 Menschen in der Schweiz an einem Herznotfall, nur fünf Prozent überleben. Ein früher Einsatz erhöht die Überlebenschancen um das Drei- bis Zehnfache. In elf Jahren retteten die First Responder im Kanton zehn Menschen das Leben.

«Ich gehe davon aus, dass wir auf gutem Weg sind, nächstes Jahr alle weissen Flecken abzudecken», gibt sich Sandra Schallberger optimistisch. Damit meint sie Sarnen mit Wilen, Kägiswil, Ramersberg und Stalden, Alpnachstad, Grafenort und Engelberg. Dafür hat die Powerfrau 2021 besonders gekämpft. Sie ist Mutter einer Patchworkfamilie mit den beiden Teenagertöchtern Sereina (16) und Soraya (14) sowie Nachzüglerli Sofia, die sie vor drei Jahren mit Rolf Langenbacher bekam. Ausserdem ist sie Mitglied der Sozialkommission und gehört dem Gemeinde-Führungsstab Lungern an. In einer 50-Prozent-Stelle arbeitet sie als Rettungssanitäterin HF in Schwyz. Demnächst beginnt sie ein Fernstudium CAS zur betrieblichen Gesundheitsförderung.

Notfalltheater motivierte zum Eingreifen

Ein Crowdfunding für Material wie Einsatzrucksäcke mit Defibrillator und Tresore sowie für die Standortausbildung brachte 30'000 Franken ein. Mit Livevorführungen per Notfalltheater in den Dörfern überzeugten die First Responder Plus derart, dass Passanten ins Geschehen eingreifen wollten, weil sie tatsächlich meinten, jemand habe einen Herzanfall erlitten. «Das ist es ja, was wir uns von jedem wünschen», freut sich Sandra Schallberger. Natürlich habe man die Situation immer gleich erklärt.

Nicht alles klappt einfach so. Von den First Respondern Plus, den bisherigen Ersthelfern, sind 50 Prozent nach dem Zusammenschluss der Zentralschweizer Rettungssysteme im Juli 2019 abgesprungen. Seit März funktioniert die neue App in Obwalden. Gerade die Älteren unter den Erstrettern habe der Systemwechsel verunsichert, weiss Sandra Schallberger. Man bleibt dran, neue Mitglieder zu rekrutieren, Kontakte innerhalb der Ortsgruppen zu intensivieren. Privat unterstützt sie ihre Tochter im Kampf gegen die Magersucht.

Pragmatische Sicht auf 2021

Aufgeben ist nicht ihre Sache. «2021 war das Jahr der Veränderung», zieht Sandra Schallberger ihr persönliches Fazit. «Es ging darum, Prioritäten zu setzen, auch im Bekanntenkreis. Wir haben den Fokus darauf gesetzt, Leben zu retten. Das ist gelungen.»

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