Stadt Luzern

Apotheken in der Stadt Luzern: Diese Familienbetriebe trotzen der Konkurrenz

Mehrere inhabergeführte Apotheken sind in der Stadt Luzern verschwunden. Doch einige können sich erfolgreich behaupten.

«Rigi», «Tell», «Hirschmatt» oder «City»: In den letzten Jahren sind in Luzern mehrere Apotheken, die keiner grösseren Kette angehören, verschwunden. Es gibt aber noch einige, die sich nach wie vor halten, etwa die See-, Cysat-, die alte Suidtersche- oder die Neustadt-Apotheke. Bei der Letztgenannten ist es zuletzt zu einigen Veränderungen gekommen. Sie wird seit rund einem Jahr nicht mehr vom Familienunternehmen Schaffhauser geführt. Neu hat das Familienunternehmen Stutz übernommen.

Seither ist die Neustadt-Apotheke an der Moosstrasse für rund eine halbe Million Franken umgebaut worden. Man habe die Räumlichkeiten den gesetzlichen Normen gemäss Heilmittelkontrolle anpassen müssen, das Lager, das Labor, die sanitären Anlagen erneuert, den Verkaufsraum modernisiert und zwei Beratungsräume erstellt, wie Inhaber Daniel Stutz sagt.

Individuelle Beratungen als Trumpf

Auch wenn es kleine Apotheken nicht leicht hätten, gebe es für diese nach wie vor einen Markt, sagt Stutz. «Wir sehen uns als erste Anlaufstelle für gesundheitliche Fragen im Quartier.» Man könne individuelle Beratungen anbieten und das Sortiment auf die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung anpassen – etwas, das bei grossen Ketten nicht möglich sei. «Unser Fokus dürfte in Zukunft noch stärker in Richtung Gesundheitsberatung und -Coaching rücken.»

Der Nachteil kleiner Apotheken sei, dass sie weniger grosse Mengen bestellen können, was sich auf den Preis auswirke, sagt Stutz. Hinzu kämen die komplexen Anforderungen, die wohl auch eine Ursache dafür seien, dass einige Läden zugegangen sind. «Man muss nicht nur fachliches Wissen im Gesundheitsbereich haben, sondern sich auch mit IT, Buchhaltung, rechtlichen Fragen oder Marketing beschäftigen.» Da Stutz schweizweit insgesamt fünf Apotheken führt, darunter auch jene in Littau-Fanghöfli, könne man im Backoffice aber Synergien nutzen und so das Personal in den Verkaufslokalen entlasten.

Unterstützung dank Genossenschaft

Eine Veränderung hat es kürzlich bei einer weiteren Luzerner Apotheke gegeben: Die Dr. Schmid’s See-Apotheke am Kapellplatz wird seit einigen Monaten von Thomas Schmid geleitet, der den Betrieb von seinen Eltern Balthasar und Kristina Schmid übernommen hat. Dieser Betrieb ist voll selbstständig. «Wir sind aber Mitglied der Genossenschaft Toppharm, einer strategischen Vereinigung unabhängiger Apotheken, die sich gegenseitig unterstützen», sagt Thomas Schmid. Diesem gehören in der Region auch die Apotheken Fanghöfli, Ruopigen und Emmen an.

Via Toppharm gestalte es sich einfacher, mit grossen Firmen im Pharma-Bereich auf Augenhöhe zu sein und zum Beispiel Medikamentenbestellungen effizient umzusetzen. Weiter biete die Genossenschaft offiziell anerkannte fachliche Weiterbildungen an. Und im Bereich Marketing liefere sie zum Beispiel die Bausteine für die Website der Mitgliedsapotheken. «Wir haben auch einen Onlineshop, was als Einzelbetrieb ohne Unterstützung kaum zu stemmen wäre», sagt Schmid.

Apropos online: Die Konkurrenz durch den Onlinehandel mit Medikamenten sei für Schweizer Apotheken zwar vorhanden, insgesamt aber weniger stark ausgeprägt als in anderen europäischen Ländern. «Der Markt mit Medikamenten ist reglementiert und der Onlineversand von Medikamenten ist ohne ärztliche Verschreibung nicht möglich», so Schmid. «Ein Kontakt mit einer Gesundheitsfachperson wie in der Apotheke wird für die sichere Anwendung des Arzneimittels in der Schweiz als zwingend erachtet. Unsere Stärke gegenüber dem Onlinehandel ist die individuelle Beratung, hier müssen wir punkten.»

Der zentrale Standort hilft

Die See-Apotheke setze generell stark auf individuelle Beratungen. «Wir können unsere Kundschaft persönlich betreuen und auf ihre Bedürfnisse eingehen», sagt Schmid. Dies werde von der Stammkundschaft sehr geschätzt und dank des Standorts profitiere man auch von Laufkundschaft. Ausserdem könne man als erste Anlaufstelle einen Beitrag dazu leisten, die Abläufe im Gesundheitswesen effizienter zu gestalten. Dies insbesondere in Zeiten, in denen Hausarztpraxen und Notfallstellen stark ausgelastet seien. «Wir bieten einen einfachen Zugang zu medizinischer Versorgung und können bei Bedarf eine erste Triage vornehmen.»

Weiter bietet die See-Apotheke diverse Impfungen an: reguläre Grundimpfungen sowie reisemedizinische Impfungen. Für Beachtung sorgte während der Coronazeit die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche, als in der Peterskapelle gegen Corona geimpft wurde. «Gerade die Pandemie hat gezeigt, dass Apotheken einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung des Gesundheitswesens leisten», sagt Schmid. Die See-Apotheke bot neben Impfungen auch Coronatests an.

See-Apotheke soll vergrössert werden

Thomas Schmid ist mit dem aktuellen Geschäftsgang zufrieden. Die Selbstständigkeit biete den Vorteil, dass man mehr Gestaltungsspielraum habe und eigene Entscheidungen treffen könne. «Dafür haben wir niemals die finanziellen Möglichkeiten wie grosse Ketten», sagt er. Dadurch sei es etwa schwierig, eine andere Apotheke zu übernehmen, wenn ein Inhaberwechsel ansteht. Die See-Apotheke plant nun aber einen Ausbau. «Wir beabsichtigen, das Lokal zu erweitern, denn wir sind platzmässig stark ausgelastet.» Man habe die Möglichkeit erhalten, die Räumlichkeiten des benachbarten, ehemaligen Uhrenladens zu übernehmen. «Das wird eine grosse Herausforderung, aber wir wollen uns weiterentwickeln. Auch in Zukunft möchten wir unsere Kundschaft mit unserem persönlichen Engagement proaktiv erreichen!»

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