Robert Knobel
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Die Geschichte der Luzerner Holzbrücken ist auch eine Geschichte der Zerstörung. So musste bekanntlich die Hofbrücke zwischen Schwanenplatz und Hofkirche im 19. Jahrhundert dem neuen Schweizerhofquai weichen. Und der Brand der Kapellbrücke 1993 sorgte weltweit für Schlagzeilen. Doch auch schon vor dem Brand musste das heutige Postkartensujet mehrmals Federn lassen. Gemäss dem Portal «Luzerner Holzbrücken» war die Kapellbrücke ursprünglich 279 Meter lang. Ihr Eingang am linken Ufer befand sich direkt beim Freienhof (dort, wo heute die Theaterbox neben der Jesuitenkirche steht). Wer zur Brücke wollte, konnte dies nur über den Freienhof tun:
Doch im 19. Jahrhundert wurde die Brücke zum Hindernis für die weitere Stadtentwicklung. Beim Bau der Bahnhofstrasse wurde das Teilstück beim Freienhof 1838 abgerissen – der Eingang zur Brücke wurde auf die andere Strassenseite verlegt, wo er sich heute noch befindet:
Am rechten Ufer reichte die Kapellbrücke bis direkt vor die Peterskapelle. Von dieser Kapelle stammt auch der Name der Brücke. Doch auch hier stellte sich dasselbe Problem wie bei der Bahnhofstrasse: Durch die Aufschüttung des Rathausquais verlor die Brücke quasi ihre Funktion zur Überquerung des Flusses und führte nun teilweise über Land:
Um die Jahrhundertwende 1900 beschloss man daher, das 15 Meter lange Teilstück bei der Peterskapelle abzureissen. Die Brücke verlor somit ihre direkte Verbindung zur Kapelle und mass neu nur noch 205 Meter. Das ist auch die heutige Länge der Kapellbrücke:
Der damalige Abriss des Brückenkopfs bei der Peterskapelle sorgte übrigens für internationalen Wirbel. Insbesondere in England entstand das Gerücht, die Stadt wolle die gesamte Kapellbrücke abreissen. Diese Angst war nicht völlig unbegründet. Tatsächlich hatten die Stadtbehörden gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit diesem Gedanken gespielt – neben der Kapellbrücke sollte mit der Museggmauer gleich noch ein weiteres «Hindernis» beseitigt werden. Nicht zuletzt auf Betreiben des englischen Kunstkritikers und Luzern-Liebhabers John Ruskin wurden die Pläne aber fallengelassen. Dies zur Erleichterung der zahlreichen englischen Touristen, für welche die Holzbrücke schon damals die Hauptattraktion Luzerns war.
Kleine Ironie der Geschichte: Wenige Jahre nach dem Abriss des Brückenteils wurde der Rathausquai von einem Hochwasser heimgesucht. Hätte die Brücke 1910 noch bis zur Peterskapelle geführt, hätte sich die Stadt die Einrichtung dieses Notstegs wohl sparen können:






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