Fast die Hälfte aller alpenquerenden Fahrten im Güter- und Personenverkehr konzentriert sich auf die beiden wichtigen Alpenübergänge Brenner und Gotthard. Tirol und Uri stehen deshalb vor ähnlichen Herausforderungen. Wie aus einer Medienmitteilung des Kantons hervorgeht, trafen sich nun die Urner Regierungsrätin Céline Huber und ihr Kollege Landesrat René Zumtobel aus dem Land Tirol am vergangenen Donnerstag zu einem gemeinsamen Austausch.
Dabei sei die zukünftige grenzüberschreitende Kooperation im Rahmen des Projektes «i-Monitraf» definiert worden. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk von Umweltfachstellen verschiedener Alpenregionen, dem jene aus Uri, Schwyz, Nidwalden, Obwalden, Luzern und Zug angehören. Dieses Netzwerk entwickelt gemeinsam mit Ländern und Partnern aus den Regionen koordinierte Lösungen für einen nachhaltigen Alpentransitverkehr. Aktuell laufen die politischen Kontakte über Céline Huber.
Auf Verlagerung setzen
Beim Treffen wurden der Gotthard-Basistunnel und das Schwerverkehrszentrum Erstfeld vorgestellt. «Statt auf Verkehrsverlagerungen in andere Korridore zu hoffen, sollen die Kräfte gebündelt werden, um noch stärkere Anreize für die Verlagerung von der Strasse auf die Schiene zu setzen», heisst es in der Mitteilung. «Insbesondere im Hinblick auf anstehende Bau- und Sanierungsarbeiten auf den beiden Korridoren ergibt sich hier Handlungsbedarf, um Beeinträchtigungen auf den Verkehrsachsen zu vermeiden.»
Bei der Diskussion eines gemeinsamen Ansatzes zum Kapazitätsmanagement habe Regierungsrätin Céline Huber die regionale Sicht der Zentralschweiz auf den Punkt gebracht: «Schon heute kommt das Verkehrsmanagement vor dem Gotthard-Strassentunnel zu Stosszeiten an seine Grenzen», wird sie zitiert. «Wir brauchen einen integrierten, vorausschauenden Ansatz – mit regional verankerter Umsetzung und europäisch abgestimmter Perspektive. Der Erfahrungsaustausch mit betroffenen Alpenregionen entlang des Brennerkorridors ist hierbei besonders wertvoll. »
Eingebracht wurden beim Treffen auch die Erfahrungen mit dem Gotthard-Basistunnel, der seit 2016 in Betrieb ist. Der Austausch zu Krisenmanagement, Störfällen und Kapazitätssteuerung habe wichtige Impulse für die zukünftige Inbetriebnahme des Brenner-Basistunnels geboten. Landesrat René Zumtobel: «Die Schweiz ist zwar nicht Teil der EU, trotzdem ist sie für mich in vielerlei Hinsicht ein Vorbild. Durch die strengen Schwerverkehrskontrollen, die geltenden Fahrverbote und die höheren Strassengebühren nimmt man nicht nur positiven Einfluss auf die Verkehrssicherheit und das Verkehrsaufkommen, sondern fördert auch die Verlagerung auf die Schiene.»
Eckpfeiler werden definiert
Bei einem «Runden Tisch» wurden Eckpfeiler der weiteren Kooperation gesetzt. Neben der Weiterführung des Netzwerks, dem Monitoringsystem und den verkehrspolitischen Strategien soll zukünftig die operative Perspektive gestärkt werden: Ein effektives Kapazitätsmanagement für Strasse und Schiene, weiterhin klare und transparente Anreize für den Umstieg auf die Schiene und gemeinsame Rahmenbedingungen für die Dekarbonisierung des Strassenverkehrs sollen dabei im Mittelpunkt stehen.
Für die Zentralschweiz als stark betroffene Region ist dabei entscheidend: Nur im Schulterschluss mit den anderen Alpenregionen und unter enger Einbindung der nationalen und europäischen Ebenen kann eine nachhaltige Transitpolitik gelingen. «Die Exkursion in Erstfeld war ein starkes Signal für diese gemeinsame Ausrichtung – mit neuem Schwung für die grenzüberschreitende Kooperation», so das Fazit. (zf)



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