Vera Chiquet, Leiterin des Agrarmuseums Burgrain in Alberswil, tritt zurück. Die Baslerin hatte die Leitung erst Anfang Jahr übernommen. Wie das Agrarmuseum am Donnerstag mitteilte, ist eine Nachfolge nicht vorgesehen. Stattdessen übernehmen die Stiftungsräte Daniel Geissmann und Rahel Wunderli zentrale Aufgaben in Kuratierung und Konzeptarbeit. Die Sammlung betreut künftig Beatrice Limacher, die frühere Museumsleiterin. Die inhaltliche Weiterentwicklung liege künftig beim Stiftungsrat.

Doch warum kommt es zur Trennung nach weniger als einem Jahr? Der Entscheid habe nichts mit der Person Vera Chiquet zu tun, betont Stiftungsratspräsident Jakob Lütolf auf Anfrage. «Im Gegenteil, wir sind sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. Die äusseren Umstände haben uns dazu gezwungen.» Konkret hat das Bundesamt für Kultur (BAK) im Sommer nicht wie erhofft Unterstützungsbeiträge ab 2027 gesprochen. Lütolf spricht von rund 150'000 bis 200'000 Franken jährlich. Da die Bundesgelder jeweils für eine Periode von vier Jahren gesprochen werden, hätte dies dem finanziell gebeutelten Museum Stabilität gebracht. Der Kanton Luzern musste dem Agrarmuseum vor zwei Jahren finanziell unter die Arme greifen, um die Schliessung abzuwenden. 2024 und 2025 erhielt es Gelder aus dem kantonalen Lotteriefonds in der Höhe von insgesamt einer halben Million Franken.
Partnerschaften, um Kosten zu sparen
Laut Lütolf hat der Kanton für das kommende Jahr erneut einen Beitrag in Aussicht gestellt. Dieser ist wie die ersten beiden Tranchen mit Auflagen verbunden. So ist das Museum vermehrt Partnerschaften eingegangen und konnte so Beiträge für den Betrieb und die Weiterentwicklung generieren. Eine vertiefte Kooperation sei mit der benachbarten Agrovision geplant, zu der unter anderem ein Hofladen und ein Restaurant gehören. Zudem muss der Stiftungsrat verhindern, dass das Agrarmuseum erneut in finanzielle Schieflage gerät. «Deshalb mussten wir auf der Kostenseite proaktiv handeln und Vera Chiquet leider die Kündigung aussprechen», so Lütolf.
Ein Glücksfall sei, dass man im Stiftungsrat Personen mit den nötigen Ressourcen und Fähigkeiten habe, um den Betrieb weiterzuführen, zumindest für eine gewisse Zeit. So war Daniel Geissmann bis zur Pensionierung in diesem Jahr Leiter Ausstellung und Sammlung im Verkehrshaus in Luzern. Rahel Wunderli ist Agrarhistorikerin und bringe Erfahrung in der Wissensvermittlung mit. Das nächste Jahr werde dennoch herausfordernd. Lütolf hofft, dass das Museum im Rahmen des neuen Kulturfördergesetzes ab 2027 vom Kanton einen fixen Beitrag erhält.
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen würden sich erste Früchte der Neuausrichtung im Museumsalltag zeigen. Wie es in der Medienmitteilung heisst, bereichern seit Anfang November Elemente der Luzerner Ausstellung «Schwein-zigartig» das Erdgeschoss des Museums. Diese würden besonders das Café für Familien mit Kindern zum Erlebnisort machen.
Am 14. November um 18 Uhr findet im Museum Burgrain ein Podiumsgespräch statt zur Entwicklung der schweizerischen Bergregionen seit den 1970er Jahren, unter anderem mit Nationalrat Pius Kaufmann.




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