Obwalden

Zum zwanzigsten Mal Lager-Plausch im Mittelpunkt der Schweiz

«Typisch schwiizerisch» lautet das Motto des Jubiläums-Lagers im Älggi. Ein Besuch zeigt: Teilnehmende wie Helfende sind begeistert wie eh und je.

Nach Herzenslust im Schlamm matschen, andern eine Ganz-Körper-Fango-Packung verabreichen, unter der Rinne im eiskalten Bachwasser duschen oder den Bach zwischen den Felsblöcken mit dem eigenen Körper stauen. Der Nachmittag am Bach am dritten Tag des Älggi-Lagers ist eine Erfrischung für Teilnehmende und Leiter und passt zum diesjährigen Motto «Typisch schwiizerisch».

Zvieri-Pause mit Stängeli-Glace im 20. Älggilager.
Bild: Marion Wannemacher (Älggi, 7. 7. 2026)

Wie viele Sommerlager hat das Älggi-Lager Tradition. Dieses Jahr verbringen Kinder und Erwachsene bereits zum 20. Mal im Lagerhaus die erste Woche der Schulferien am Mittelpunkt der Schweiz. Dahinter steht keine Institution und auch kein Verein. Zwischen zehn und zwölf Eltern aus Sachseln und Flüeli-Ranft stemmen die Organisation in Eigeninitiative.

Über Stock und Stein am Bach.
Bild: Marion Wannemacher (Älggi, 7. 7. 2026)

«Ursprünglich haben die Lehrer Monika Kathriner, Klaus Halter und Bruno Probst das allererste Lager 1975 für die Erst-, Zweit- und Drittklässler der Primarstufe in Sachseln und Flüeli-Ranft initiiert», hat die ehemalige Hauptleiterin Andrea Omlin recherchiert. «Ex-Teilnehmer Lukas Bucher erinnerte sich dann später als Vater an das schöne Lager und stiess die Organisation erneut an.»

Im Matsch spielt es sich besonders gut.
Bild: Marion Wannemacher (Älggi, 7. 7. 2026)

Seitdem gibt es wieder jährlich die begehrten Lager, die am jeweiligen Stichtag der Anmeldung zur gesetzten Zeit innert einer Minute ausgebucht sind. 30 Kinder der ersten beiden Primarklassen dürfen jeweils mit, dieses Jahr sogar 35. Und viele ehemalige Teilnehmende sind später als Hilfsleiterinnen und -leiter dabei. «Sie sind einmalig und das Grösste für die Kinder», findet Leiterin Daniela Della Torre.

Abenteuerspielplatz Bach unterhalb der Älggi-Alp im Herzen der Schweiz.
Bild: Marion Wannemacher (Älggi, 7. 7. 2026)
Noah Spichtig (links) und Ruedi Fricker, seit 11 und 10 Jahren im Älggilager dabei.
Bild: Marion Wannemacher (Älggi, 7. 7. 2026)

Wie zum Beispiel Ruedi Fricker. Der 15-Jährige ist dieses Jahr zum zehnten Mal im Lager dabei. In Sachseln kennen ihn viele und sprechen ihn auf Erlebnisse im Lager an. Ihm fällt noch immer etwas Spezielles ein für die Abendunterhaltung mit Comedy-Sketchen. «Letztes Jahr habe ich einen ganzen Pool mitgenommen und ihn mit 500 Litern warmem Wasser gefüllt», erzählt er. «Bis wir keins mehr hatten», ergänzen die Leiterinnen lachend.

Ein Teil des Lager-Teams: (von links vorne) Daniela Tella Dorre mit Sohn Colin, (hinten von links) Irene Gauch, Andrea Omlin, Rita Spichtig und Melanie Röösli.
Bild: Marion Wannemacher (Älggi, 7. 7. 2026)

Und Familie Spichtig ist fürs Älggilager eine echte Instanz. Rita Spichtig kocht gemeinsam mit Melanie Ming die Lieblingsessen der Kinder von Ghackets mit Hörnli über Älplermagronä bis zu Chässchnittä. Ihr Mann mache die «Männersachen», erzählt sie: Er sei Grillmeister, schnitze Stecken mit den Kindern, spalte Holz und sei sehr gut im Reparieren und Autoladen. Auch zwei von Spichtigs vier Kindern sind dieses Jahr mit.

Warum setzen sich Spichtigs so für das Lager ein? «Gugg’s a», sagt die Freiburgerin in ihrer Mundart und weist mit einer ausladenden Geste auf den bunten Haufen am Wasser. «Dasch üsä Lohn.»

Lagerhündin Mimi mit ihren Fans Paula und Noelia. Bild: Marion Wannemacher (7. 7. 2026)
Bild: Marion Wannemacher (Älggi, 7. 7. 2026)

Anekdoten, die Lagergeschichte schrieben

Und natürlich gibt es sie, die legendären Anekdoten, die Lagergeschichte schrieben, wie die Rettungsaktion eines neugeborenen Kalbes auf der Älggistrasse, der Besuch von weidenden Geissen im Lagerhaus oder das Grillieren, das bei strömendem Regen im Schlammbad endete.

Die Stängeli-Glace, die Rita Spichtig und ihre Helfer-Crew zum Zvieri aus der Küche bringen, ist für alle ein Highlight. Das Team vom Älggilager weiss aber auch sonst, was die Kinder begeistert, und gestaltet das Programm mit bewährten Aktivitäten wie Klettern, Postenlauf, Lager-T-Shirt kreieren und Postkarte mit dem Lager-Gruppenbild schreiben sowie den Kinoabend mit Popcorn zum Abschluss. Als Überraschung dürfen sich dieses Jahr alle auf die Kutschfahrt ab Zollhaus bis zum grandiosen Empfang auf dem Sachsler Dorfplatz freuen. Dabei wird gemeinsam das über die Woche einstudierte Lagerlied gesungen.

Zum obligatorischen Ablauf sonntags am ersten Lagertag gehört immer auch die Wanderung ab Zollhaus übers Kleine Melchtal, das Rindenhüttlii, übers Rufi und Ifangers Schwendli bis ans Gruppenhaus. Für die Primarschulkinder ist die mit Mittagspause viereinhalbstündige Wanderung eine Herausforderung, die sie stolz macht.

Aber auch sonst profitieren sie vom Älggi-Lager, ist sich das Leitungsteam einig. «Sie können hier Lagererfahrung sammeln», findet Daniela Della Torre. «Sie lernen, das Gefühl von Heimweh auszuhalten», ergänzt Melanie Röösli «und sammeln hier Erinnerungen und Erlebnisse fürs Leben».

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