Livia Fischer
Livia Fischer
Livia Fischer
Nervöses Getuschel, hektisches Blättern in den Schulbüchern, Dutzende Schüler, die vor dem Prüfungszimmer auf dem Boden sitzen und warten. Dieses Bild zeigt sich üblicherweise kurz vor den Abschlussprüfungen der Kantons- und Berufsschulen. In der Fachmittelschule Sursee fanden diese Woche die letzten Prüfungen statt – ohne Corona hätte die Situation dort bestimmt ähnlich ausgesehen. Am vorletzten Prüfungstag ist es aber still in den Gängen, Schüleransammlungen gibt es keine.
«Zutritt nur für FMS» steht auf der Eingangstüre eines Ergänzungsbaus der Kantonsschule Sursee. Diese wiederum steht offen; die Schülerinnen und Schüler sollen keine Türgriffe anfassen. Die schriftlichen und praktischen Prüfungen haben die Fachmittelschüler schon hinter sich, nur die mündlichen stehen noch an. Im Gegensatz zu den Maturanden müssen Fachmatura-Absolventen diese nämlich bestreiten. Das hat die Luzerner Regierung Ende April entschieden.
Ruhigere Atmosphäre für bessere Konzentration
Neben dem Prüfungszimmer hängt ein weiterer Zettel. Ein Hinweis, dass maximal zwei Prüflinge gleichzeitig im Raum sein dürfen – jemand zum Vorbereiten, jemand für die Prüfung. Diese Begrenzung gilt übrigens auch für den Eingangsbereich. Die Tür öffnet sich, Giulia Bedin kommt raus. Soeben wurde sie von ihrer Lehrerin und einer Expertin in Wirtschaft und Recht geprüft. «Ich habe ein gutes Gefühl», meint sie. Dass die Lehrerin und die Expertin zwei Meter von ihr entfernt hinter Plexiglasscheiben sassen, machte ihr nichts aus. «Es war auch nicht schwieriger, einander zu verstehen.»
Generell hat sie die letzten Wochen sowohl während der Lernphase wie auch während der Prüfungen in guter Erinnerung. «Es blieb mehr Zeit zum Vorbereiten. Allein schon, weil der Schulweg wegfiel», sagt die Schülerin aus Sarnen. Dass die schriftlichen und praktischen Prüfungen in ungewohnt kleinen Gruppen stattgefunden haben, sei ebenfalls von Vorteil gewesen:
«Die Atmosphäre war viel angenehmer.»
Lockere Stimmung trotz Hygienemassnahmen
Zwei der vier mündlichen Prüfungen wurden gestrichen, was Bedin lerntechnisch entgegenkommt. Trotzdem ist sie froh, dass sie nicht gänzlich abgesagt wurden. «Erfahrungsgemäss bin ich bei mündlichen Prüfungen immer besser», erklärt sie. Bedin verabschiedet sich; sie gehe jetzt nach Hause, Schlaf nachholen.
15 Minuten später geht die Tür wieder auf, Svenja Huwiler verlässt das Schulzimmer. Ihre Prüfung lief gut, teilt sie mit. Genau wie ihre Kollegin hat auch die Neuenkircherin die Prüfungssituation nicht als komisch empfunden. Im Gegenteil: Sie findet es wichtig, dass die Sicherheitsregeln strikt eingehalten werden – «als Kantonsschule haben wir eine Vorbildfunktion» – und beschreibt die Stimmung im Zimmer sogar als «sehr toll». «Die Lehrerin und Expertin waren relativ locker und haben dafür gesorgt, dass wir uns wohlfühlten», begründet Huwiler.
Leiter blickt auf eine lehrreiche Zeit zurück
Das war auch Markus Zihlmanns oberstes Anliegen. Als Leiter der Fachmittelschule hat er die Schutzkonzepte für die Prüfungen erstellt – eine Aufgabe, die mit viel Mehraufwand verbunden war. Um die Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten, musste Zihlmann den gesamten mündlichen Prüfungsplan umkrempeln. «Ich fing wieder von null an, musste die Zeitfenster neu planen und alle Expertinnen und Experten erneut anfragen», erzählt der Prorektor. Letztlich habe aber alles geklappt. Zumindest fast – für zwei Expertinnen musste ein Ersatz gefunden werden, da sie zur Risikogruppe gehören.
Zihlmann ist erleichtert, zu hören, dass die beiden Schülerinnen den ausserordentlichen Prüfungssituationen durchaus etwas Positives abgewinnen konnten. Vor allem aber ist er dankbar, dass sowohl die Schüler als auch die Lehrpersonen, Experten und Reinigungskräfte so gut kooperiert haben.
«Rückblickend waren die vergangenen Monate eine interessante Zeit. Sollten in Zukunft wieder solche Massnahmen erforderlich sein, wären wir gewappnet.»



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