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Fussball

Die Zürcher Super-League-Misere – das steckt dahinter und so geht es weiter

Nach 29 Runden belegen der FC Zürich, die Grasshoppers und Winterthur die letzten drei Plätze – ein Abbild der Zürcher Super-League-Misere. Vom nächsten Neubeginn, einem Rekordmeister im Schwebezustand und dem sympathischen Underdog, den die Realität einholt.

Vorneweg die aktuelle Situation: Vier Runden vor der Zweiteilung der Tabelle ist Winterthur mit 16 Punkten das abgeschlagene Schlusslicht. Acht Punkte weiter vorne belegen die Grasshoppers den Barrageplatz, weitere sieben Zähler davor kann der FC Zürich die eingeplante Meisterrunde nur noch theoretisch erreichen.

Erst dann folgen mit Servette (9./2 Punkte vor dem FCZ), Lausanne-Sport (8./5) und Luzern (7./5) die ersten Nicht-Zürcher. Winterthur ist der designierte direkte Absteiger, so gut wie sicher ist, dass es ein Zürcher Klub sein wird.

Selten war die Zürcher Super-League-Misere so ausgeprägt. Eine Bestandesaufnahme.

FC Zürich

Mit Milos Malenovic sollte ab der Winterpause vor zwei Jahren eine neue Ära eingeläutet werden, ein Philosophiewandel hin zu einer einheitlichen Klub-Strategie, einer Leistungskultur «von den Pampers bis zu den Profis», die dafür sorgt, dass aufrückende Nachwuchsspieler die erste Mannschaft für vergleichsweise wenig Geld nähren nach dem Vorbild von Ajax Amsterdam.

«Hart aber fair» wolle er sein, kündigte Malenovic an. Dann begann der Kahlschlag. In rauen Mengen tauschte Malenovic Spieler und Staff aus, verdiente Angestellte sahen sich vor den Kopf gestossen und gingen von sich aus.

Zwei Jahre und zwei Trainer später hat Malenovic ausgedient. Zu laut war der Unmut von Fans und Sponsoren geworden, zu gross der Imageschaden, für den der frühere Spieleragent mit gewissen Aktionen und Aussagen gesorgt hatte.

Milos Malenovic, ehemaliger Sportchef des FC Zürich.
Bild: Keystone

Nun führt Dennis Hediger die Mannschaft, deren Teamleader Steven Zuber den Notausgang nach Griechenland gewählt hat, durch den nächsten grossen Umbruch inmitten einer Saison. Nur drei Spieler von Hedigers Startelf am letzten Samstag beim 1:2 bei Servette (Lindrit Kamberi, Damienus Reverson und Nelson Palacio) standen schon beim Anpfiff am 1. Spieltag auf dem Platz.

Der nächste Neubeginn soll zugleich das Fundament für eine Machtübergabe legen, die Präsident Ancillo Canepa und seine Frau Heliane Canepa mit dem Verwaltungsrat Claudio Cisullo im Hintergrund vorantreiben. Einem Bericht der Wirtschaftszeitung «Finanz- und Wirtschaft» zufolge soll diese noch 2026 erfolgen. Mit der Ausgabe einer Anleihe über mindestens vier Millionen Franken für einen Coupon von fünf Prozent an «einzelne ausgewählte professionelle Investoren» machten die Canepas kürzlich den nächsten Schritt.

Grasshoppers

Die Verpflichtung von Alain Sutter als neuer Sportchef sorgte im letzten Sommer für Aufbruchstimmung. «Dieser Klub hat mir viel gegeben und ich werde alles daransetzen, dass er wieder erfolgreich wird», sagte Sutter, der als Spieler zwischen 1985 und 1993 mehr als 200-mal für den damals noch erfolgreichen Rekordmeister aufgelaufen war.

Konnte seit seinem Amtsantritt als GC-Sportchef wenig bewegen – zumindest aus sportlicher Sicht: Alain Sutter.
Bild: Severin Bigler

Zehn Monate später ist der Optimismus am Versanden. Auf dem Platz tritt die mit vielen Neuzugängen und Leihspielern modifizierte Mannschaft auf der Stelle, drohen die nächsten Barragespiele gegen den Abstieg. Daneben hat sich unter dem vermeintlichen neuen Aushängeschild Sutter bislang wenig verändert. Der Mit-Architekt des anhaltenden St. Galler Aufschwungs hält sich in der Öffentlichkeit bislang stärker zurück als erwartet und als bei seiner letzten Station in St. Gallen.

Nach wie vor ist GC schwer greifbar und halten sich die US-Besitzer bedeckt. Bezeichnenderweise erfolgte der Wechsel an der Spitze des Präsidiums von Stacy Johns zu John Thorrington mit einer Medienmitteilung an einem späten Montagabend und drückt sich die angestrebte Nähe zur Stadt Zürich vor allem in der hängenden Klubfahne auf dem Balkon des Hauptsitzes am Bellevue aus.

Winterthur

Seit dem überraschenden Aufstieg im Sommer 2022 hat sich der FC Winterthur im Konzert der Grossen dreimal überzeugend behauptet, ohne dass er seine Identität als bodenständiger, in der Stadt verankerter und sich für soziale Werte und Fan-Nähe starkmachender Klub aufgab. In der vierten Saison neigt sich das Winterthurer Super-League-Märchen dem Ende zu.

Die Winterthurer Klubführung zählt nach wie vor auf Trainer Patrick Rahmen, um den scheinbar unmöglichen Klassenerhalt doch noch zu meistern.
Bild: Keystone

Trotz akuter Abstiegsgefahr bewahrt der Klub Ruhe. Das Qualitätsdefizit in der Mannschaft scheint aber so gross, dass der Ligaerhalt kein viertes Mal gelingen wird. Die Phase der Kanterniederlagen (3:19 Tore und 0 Punkte zwischen 11. und 28. Februar) hat das Team des zurückgekehrten Trainers Patrick Rahmen zwar überstanden. Zu oft entgehen aber auch Punkte nach Führungen.

Wie geht es weiter?

Die Zäsur in Meister- und Abstiegsrunde nach der 33. Runde markiert für die Zürcher Klubs keinen Einschnitt mehr. Für den FCZ, der am Samstag Sion empfängt, geht es in den neun Spielen bis zum Saisonende darum, nicht noch in den Abstiegskampf zu geraten.

Die Grasshoppers sollten sich vor dem samstäglichen Gastspiel bei Leader Thun nach hinten und Richtung Barrage orientieren und sich nicht an eine utopische Siegesserie klammern, die noch zum direkten Ligaerhalt verhelfen könnte. Im Cup bietet sich als Halbfinalist die Chance auf einen Moral-Boost, einziger verbliebener Super-League-Konkurrent ist dort St. Gallen. Winterthur darf weiter hoffen und alles geben, ohne sich aber Illusionen hinzugeben. (watson/sda)

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