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Fussball

Das schnelle Ende des Wunderkindes – warum Real Madrid seinen Trainer Xabi Alonso rausschmeisst

Im Sommer gekommen als grosser Hoffnungsträger. Nach einem halben Jahr bereits gescheitert. Warum ist Xabi Alonso, 44, bei Real Madrid gescheitert?
Die 2:3-Niederlage im Supercup gegen Barcelona am Sonntagabend in Dschidda ist das letzte Spiel für Xabi Alonso als Real-Trainer.
Bild: Altaf Qadri

«Ein Erdbeben», «eine Bombe» - oder das Ende «eines Albtraums»: Der tiefe Fall von Xabi Alonso bei Real Madrid hat für eine Erschütterung im europäischen Fussball gesorgt. Nur 232 Tage dauerte die Amtszeit des Basken, der den Job im Sommer mit hohen Erwartungen angetreten hatte. Die spanische Zeitung AS schrieb nun aber von einer «qualvollen Zeit für fast alle Beteiligten».

Der Abschied erfolgte laut einer Vereinsmitteilung in «gegenseitigem Einvernehmen». Der Marca zufolge sei von der Klubführung vorgeschlagen worden, dass eine Trennung das Beste sei. Alonso habe die Situation daraufhin verstanden, hiess es. Das Blatt warf dem 44-Jährigen vor, dass er sein «Rock'n'Roll»-Versprechen nicht eingehalten habe. Und: «Dem Team fehlte es fast immer an Elan und Energie.» In einem anderen Kommentar warf die Marca den Verantwortlichen jedoch vor, «eine goldene Chance» mit Alonso leichtfertig vergeben zu haben.

Tenor der internationalen Analysen war, dass Alonso es nicht gelungen sei, den Spielstil, mit dem er einst Bayer Leverkusen zum Double geführt hatte, in Madrid zu implementieren. Zudem wurde das angeblich angespannte Verhältnis zu Teilen seiner Mannschaft thematisiert. Die Entscheidung fiel etwas überraschend nach der Clásico-Pleite im Supercup gegen den FC Barcelona (2:3) am Sonntagabend, zuvor hatte Real fünf Siege in Folge geholt.

Im Mai 2025 als Hoffnungsträger präsentiert: Xabi Alonso.
Bild: IMAGO/Gokhan Taner/Shutterstock

Auch Alonsos Zukunft rückte schnell in den Vordergrund. Sein Status als verfügbarer Coach falle «in eine Phase grosser Bewegung auf dem Trainermarkt», schrieb die britische Sun. Manchester United sei auf der Suche, auch Manchester City komme infrage, sollte Teammanager Pep Guardiola den Klub im Sommer verlassen. «Die interessanteste Trainerstation könnte jedoch eine Rückkehr zu einem weiteren ehemaligen Klub nach Liverpool sein, was den Druck auf Arne Slot erhöhen würde», schrieb das Boulevardblatt.

In Madrid übernimmt Álvaro Arbeloa, zuletzt Trainer der zweiten Mannschaft. Alonsos früherer Mitspieler bei Real wird am Dienstag vorgestellt und soll einen Tag später im Achtelfinale der Copa del Rey beim Zweitligisten Albacete Balompié erstmals auf der Bank sitzen.

Mbappé verabschiedet Alonso mit salbungsvollen Worten

Seit Wochen hatten sich Berichte über Alonsos angeblich angespanntes Verhältnis zu Teilen seiner Mannschaft gehäuft. In der Kabine herrsche ein «kalter Krieg», hiess es beispielsweise, Superstars wie Vinicius Júnior oder Jude Bellingham sollen mächtig unzufrieden gewesen sein. Zuletzt deuteten kleine Indizien aber daraufhin, dass die Kabine wieder hinter dem 44-Jährigen stehen könnte.

Kylian Mbappé verabschiedete ihn jedenfalls respektvoll. «Es war eine kurze Zeit, aber es war mir eine Freude, für dich zu spielen und von dir zu lernen», schrieb der Starangreifer bei Instagram. Er werde den Basken «als einen Trainer in Erinnerung behalten, der klare Ideen hatte und viel über Fussball weiss».

Kylian Mbappé und Xabi Alonso: Wie war die Beziehung der beiden wirklich?
Bild: IMAGO/Ismael Adnan Yaqoob

Erster grosser Rückschlag in Alonsos Trainerkarriere

Die Auflösung des Vertrags ist ein erster Rückschlag in der Trainerkarriere von Alonso. Zuvor war er von 2022 bis 2025 Trainer von Bundesligist Bayer Leverkusen gewesen. Dort hatte er grosse Erfolge gefeiert.

In der Saison 2023/2024 coachte Alonso Leverkusen zum ersten Meistertitel in der Geschichte des Vereins. In derselben Spielzeit wurde Leverkusen zudem DFB-Pokalsieger.

Mit dementsprechend grossen Erwartungen hatten die Madrilenen ihren Ex-Profi als Coach verpflichtet. Und zunächst sah auch alles nach einer Erfolgsgeschichte aus: Nach dem Halbfinale bei der Klub-WM im Sommer konnte Alonso zu Beginn dieser Saison in den ersten 14 Pflichtspielen 13 Siege bejubeln. Es war der beste Saisonstart, den die Königlichen jemals hatten.

Doch ausgerechnet bei seinem früheren Verein, dem FC Liverpool (0:1), Anfang November in der Champions League startete die Talfahrt für den Spanier mit dem Starensemble. Die Wende gelang ihm nicht mehr.

Als Spieler hatte Alonso zwischen 2009 und 2014 zahlreiche Erfolge mit Real gefeiert. Er gewann die Champions League, einen Meistertitel sowie zweimal den spanischen Pokal. In seiner Profikarriere war er auch für den FC Liverpool und Bayern München aktiv. (sid/sda)

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