Fussball-WM

Schützenfest im Kleinfinal: England gewinnt irres 6:4-Spektakel gegen Frankreich

Zehn Tore, eine 4:0-Pausenführung, eine furiose französische Aufholjagd und ein Schlusspunkt von Jude Bellingham: England gewinnt den WM-Kleinfinal gegen Frankreich 6:4 und sorgt für einen denkwürdigen Abschluss des vorletzten Turniertags.
Englands Jude Bellingham lässt sich nach seinem Treffer zum 6:4-Endstand feiern.
Bild: Marta Lavandier/AP

Wer behauptet, Spiele um Platz drei hätten kaum sportlichen Wert, wurde am Samstagabend eines Besseren belehrt. England und Frankreich lieferten sich einen wilden Schlagabtausch, der mit zehn Toren, unzähligen Chancen und mehreren Wendungen zu den spektakulärsten Partien dieser Weltmeisterschaft gehörte.

Die Mannschaft von Thomas Tuchel legte los, als wollte sie das Halbfinal-Aus gegen Argentinien vergessen machen. Bereits nach drei Minuten marschierte Declan Rice nach einem missglückten französischen Vorstoss durch die gegnerische Hälfte und brachte England in Führung. Was folgte, war ein offenes Spiel. Auch Frankreich kam durch Rayan Cherki und Kylian Mbappé zu guten Möglichkeiten, ehe England in der 18. Minute erneut eiskalt zuschlug. Nach einem Eckball von Rice erhöhte Ezri Konsa auf 2:0.

Danach spielten sich die Engländer in einen Rausch. Bukayo Saka traf zunächst aus einer Abseitsposition, später aber regulär (37.). Nach einem wilden Durcheinander im französischen Strafraum schob er zum 3:0 ein. Kurz vor der Pause setzte Saka noch einen drauf: Ein einziger Pass reichte, die desorientierte französische Defensive abermals auszuhebeln. Der Flügelspieler liess sich nicht zweimal bitten und zirkelte den Ball aus 16 Metern ins lange Eck (45+1.).

Die grosse Aufholjagd beginnt

Didier Deschamps reagierte in seinem letzten Spiel als französischer Nationaltrainer mit einem Vierfachwechsel zum Start der zweiten Halbzeit. Ousmane Dembélé, Dayot Upamecano, Lucas Digne und Bradley Barcola kamen neu ins Spiel – und Frankreich trat danach wie verwandelt auf.

Einer dieser Joker läutete die Wende ein. Upamecano eroberte mit einem robusten Zweikampf den Ball auf Höhe der Mittellinie und leitete einen Konter ein, an dessen Ende Kylian Mbappé zum 1:4 traf (48.). Der Real-Madrid-Star setzte sich mit seinem neunten Turniertor vorläufig an die Spitze der Torschützenliste. Wenig später (54.) verkürzte Bradley Barcola auf 2:4. Diesmal trat Mbappé als Vorlagengeber auf.

England verlor in dieser Phase völlig den Zugriff. Michael Olise, Ousmane Dembélé und erneut Mbappé sorgten mit Angriff um Angriff für höchste Alarmstufe bei Tuchel. Spätestens als Mbappé nach einem Doppelpass mit Olise auf 3:4 verkürzte (66.), schien die spektakuläre Wende tatsächlich möglich.

Chancen gab es auf beiden Seiten beinahe im Minutentakt. Jude Bellingham scheiterte an Mike Maignan, Olise verpasste auf der Gegenseite aus kurzer Distanz den Ausgleich – um nur einige zu nennen.

Die Entscheidung fiel schliesslich in der 88. Minute durch einen Penalty. Malo Gusto brachte Djed Spence im Strafraum zu Fall, Bukayo Saka verwandelte souverän zu seinem dritten Treffer des Abends und stellte den Zwei-Tore-Vorsprung wieder her. Zwar verkürzte Dembélé kurz vor Schluss nochmals (90+6.). Den Schlusspunkt setzte jedoch der eingewechselte Jude Bellingham, der sich im Konter mit Frankreich-Verteidiger Maxime Lacroix vergnügte und zum 6:4 einschob. Ein würdiges Ende für ein aussergewöhnliches Spiel um Platz drei.

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