Julian Nagelsmann schwebte nach dem WM-Raketenstart «völlig losgelöst» über den Rasen. Houston, wir haben kein Problem! Trotz einer kleinen Fehlzündung hat die deutsche Nationalmannschaft den vom Bundestrainer erhofften Traum-Auftakt hingelegt.
Nach dem 7:1 des viermaligen Weltmeisters gegen den krassen Aussenseiter Curacao in der texanischen Astronauten-Stadt schallte «Tage wie diese» durchs Stadion - ganz «schwerelos», wie es auch im Hit der Toten Hosen heisst, wirkte das DFB-Raumschiff auf seinem Flug Richtung fünfter Stern aber noch nicht.
Bei der Rückkehr von Manuel Neuer, dem mit 40 Jahren nun ältesten deutschen Nationalspieler, liess sich die Auswahl von Julian Nagelsmann aber durch den vorübergehenden Ausgleich nicht beirren. Die Dortmunder Felix Nmecha (6.) und Nico Schlotterbeck (38.), Neuner Kai Havertz (45.+5, Foulelfmeter/88.), der endlich wieder magische Zauberfuss Jamal Musiala (46.), Nathaniel Brown (68.) und Joker Deniz Undav (78.) sorgten für den zehnten Sieg in Folge. Es war der zweithöchste Sieg bei einer WM nach dem 8:0 gegen Saudi-Arabien 2002. Ebenfalls 7:1 hatte das Team von Joachim Löw 2014 in Belo Horizonte im legendären WM-Halbfinal gegen Brasilien gewonnen, 1978 gab es ein 6:0 gegen Mexiko.
«Es ist unbeschreiblich», sagte Brown: «Im ersten WM-Spiel zu treffen, meine Familie ist da, dann mit den Jungs zu jubeln – einfach unglaublich. Das Gegentor war unnötig, aber gehört dazu. Ich bin stolz, dass wir den Kopf nicht haben hängen lassen.»
Livano Comenencia (21.) traf für den kleinsten Teilnehmer der WM-Geschichte zum zwischenzeitlichen 1:1. Vor dem zweiten Gruppenspiel gegen die ungleich stärkere Elfenbeinküste war dies eine Warnung. Allerdings: Der Turniermodus sieht auch acht der zwölf Gruppendritten in der K.o.-Runde vor – dafür könnte der Erfolg gegen die Karibikinsel schon ausreichen.
Curacao ein Fussball-Zwerg? «Von wegen», sagte Bundestrainer Nagelsmann und warnte vor dem Anpfiff eindringlich vor der niederländischen Schule des Gegners. Er fürchtete ein «David-Goliath-Prinzip» – doch die deutsche Elf schrumpfte die Nummer 82 der Weltrangliste bald einmal auf Normalmass. Mit viel Spielwitz und oft durch die Mitte brachte die deutsche Offensive den Underdog immer wieder ins Wanken.


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