Wenn ein WM-Spiel in Houston stattfindet, dann liegt eine Reminiszenz an den über 30 Jahre alten Blockbuster «Apollo 13» eigentlich auf der Hand. Und ja: Portugal hatte mit der Demokratischen Republik Kongo ein Problem. 1:1 hiess es am Ende für Cristiano Ronaldo & Co. Nach Brasilien und Spanien konnte ein dritter grosser Titel-Favorit gegen einen Aussenseiter aus Afrika nicht gewinnen.

Für die Portugiesen ist das Resultat noch kein Beinbruch. Doch für Ronaldo schmeckte dieses 1:1 bitter wie eine Niederlage. Eine persönliche Niederlage. Anders als in den Stunden vor ihm die weiteren Superstars Kylian Mbappé, Erling Haaland und Lionel Messi ist ihm der Auftakt ins Turnier nicht gelungen. Weder mit dem Kollektiv noch individuell.
Zweimal hatte Ronaldo nach der Pause einen Treffer auf dem Fuss. Immerhin zweimal kam er doch noch zum Abschluss, nachdem er in der ersten Halbzeit weniger Ballkontakte gehabt hatte als sein eigener Torhüter Diogo Costa. Aber eben: Nachdem sein Rivale Lionel Messi 16 Stunden zuvor mit einem Hattrick geglänzt hatte, ging Ronaldo leer aus.
Dabei wollte er ausgerechnet in Houston – Achtung: wieder eine Reminiszenz, diesmal an die Heimatstadt der Nasa – die Sterne vom Himmel holen. Es wäre ja zu schön gewesen, hätte Ronaldo an diesem 17. Juni seinen neunten WM-Treffer erzielt. Sich als erster Spieler an einer sechsten WM-Endrunde in Folge in die Torschützenliste eingetragen. Auf den Tag exakt 20 Jahre nach seinem ersten WM-Tor am 17. Juni 2006 an der WM in Deutschland in Frankfurt gegen den Iran. Damals war er noch CR17, weil die Nummer 7 im Team Portugals an den legendären Luís Figo vergeben war.
Lionel Messi zieht mit Miroslav Klose gleich
Aber zurück zur Gegenwart und zur WM 2026. Es wird Ronaldo wurmen, dass er bei der Rekordjagd der «Granden» dieses Sports zumindest vorerst nicht mitmachen konnte. Messi erzielte nämlich beim 3:0 von Weltmeister Argentinien gegen Vladimir Petkovics Algerien seine WM-Tore 14 bis 16 und zog damit mit dem Deutschen Miroslav Klose gleich.
Wie Ronaldo hat nun auch Messi an fünf verschiedenen WM-Turnieren mindestens ein Tor erzielt – in der Summe aber eben doppelt so viele wie der Portugiese, welcher interessanterweise an Europameisterschaften schon 14 Tore schoss, aber mit seinen acht Treffern bei Weltmeisterschaften im WM-Ranking sogar noch hinter seinem Landsmann Eusebio steht.
Im Wettschiessen um den erfolgreichsten WM-Torschützen droht da Messi schon deutlich mehr Gefahr vom Franzosen Kylian Mbappé. Der Superstar von Real Madrid hatte am späten Dienstagabend Frankreich mit zwei Treffern zum 3:1-Sieg gegen den Senegal geführt. Einmal traf er flach mit einem Diagonalschuss in die weite Ecke, einmal mit einem herrlichen Distanzschuss unter die Latte.
Für seine nunmehr 14 WM-Tore brauchte Mbappé bloss drei Endrunden-Teilnahmen. Er ist dank des Doppelpacks der neue Rekordtorschütze der französischen Nationalmannschaft. Mit nun 58 Toren hat er Olivier Giroud überholt.
Ronaldo ist jetzt der älteste WM-Feldspieler
Und dann wäre da auch noch der WM-Neuling Erling Haaland. Gegen den Irak schoss der Norweger auf dem Weg zum 4:1-Sieg die ersten beiden Tore der Nordeuropäer. Nur zwei Tore, ist man geneigt zu sagen. Denn wir erinnern uns: In seinem ersten Champions-League-Spiel traf Haaland im Dress von Red Bull Salzburg dreimal und bei seinem Debüt in der Bundesliga gelang ihm für Borussia Dortmund ebenfalls ein Hattrick.
Von solchen Bestleistungen ist Ronaldo derzeit weit weg. Drei Tore oder mehr erzielte er für Portugal in einem Spiel schon zehnmal. Doch das letzte Mal schoss er vor bald fünf Jahren einen Hattrick. Nach dem Spiel gegen DR Kongo wartet Ronaldo im Nationalteam seit 306 Minuten auf einen Treffer.
Da wird es ihn wenig trösten, dass auch er noch einen Rekord verbuchen konnte: Mit 41 Jahren und 132 Tagen ist er nun der älteste Feldspieler, der je an einer WM-Endrunde auf dem Platz gestanden hat. Aber das ist gewiss nicht die Art von Rekord, die Ronaldo jagt. Er definiert sich in erster Linie über die Anzahl geschossener Tore.



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