WM-Perspektiven

Noch nie. Jetzt oder nie. Nie mehr.

Hunderttausende werden den Wecker auf drei Uhr stellen. Weil sie spüren: Vom Nati-Märchen an der WM 2026 werden wir noch unseren Enkelkindern erzählen.
Sein Penalty bedeutete die Viertelfinalqualifikation: Ruben Vargas.
Bild: Toto Marti/Blick/freshfocus

Noch nie hat eine Schweizer Fussball-Nationalmannschaft an einer WM zwei K.-o.-Runden überstanden. Bei früheren Weltmeisterschaften wäre es bestenfalls naiver Zweckoptimismus gewesen, hätten Prominente verkündet: «Alles ist möglich.» Diesmal wirkt der Satz, der in unserer Umfrage mehrfach fiel, nicht vermessen, sondern
erstaunlich realistisch.

Noch-nie-Momente entfalten ihre ganz eigene Magie. Vieles in unserem Leben ist Wiederholung. Wir feiern routiniert Geburtstage, die Sommerferien führen uns an vertraute Orte, Filme werden neu verfilmt, politische Debatten drehen sich im Kreis. Aber die Chance, beim grössten Anlass der Welt in den Halbfinal einzuziehen und dies live zu erleben, ist für die kleine Schweiz einzigartig.

Aus dem «Noch nie» wird ein «Jetzt oder nie». Wenn es mit dem ganz grossen Ding je einmal klappen sollte, dann an diesem Turnier. Die goldene Generation ist im besten Alter. Kobel ist 28, Rodriguez 33, Akanji 30, Elvedi 29, Xhaka 33, Freuler 34, Embolo 29. Murat Yakin hat seiner Mannschaft Identität gegeben, der Penalty-Fluch ist besiegt, der Turnierbaum öffnet seltene Möglichkeiten. Solche Konstellationen lassen sich nicht planen. Ob je wieder einmal alles so zusammenstimmt?

Daraus ergibt sich das leise Gefühl des «Nie mehr»: Die Ahnung, dass wir zum ersten und letzten Mal Zeugen eines solchen Märchens werden und noch wehmütig unseren Enkelkindern davon erzählen werden.

Noch nie. Jetzt oder nie. Nie mehr: Deshalb werden heute Nacht um drei Uhr Hunderttausende in der ganzen Schweiz wach sein, um zuzuschauen, falls Geschichte geschrieben wird.

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