Green Bay ist eine beschauliche Kleinstadt. Der Ort im Bundesstaat Wisconsin ist wunderbar gelegen an einem Arm des Lake Michigan. Geht es um die Lebensqualität, rangiert Green Bay in den relevanten Rankings seit Jahren in den Top Ten der US-Städte. Berühmt ist die Stadt aber vor allem wegen ihres Football-Teams, der Green Bay Packers. Mit vier Superbowl-Siegen gehört die Franchise zu den Top 5 der NFL.
Am vergangenen Wochenende stand Green Bay, mit knapp 100’000 Einwohnern die kleinste NFL-Stadt, wegen des Footballs wieder im nationalen Fokus. Obwohl die NFL-Saison seit bald drei Monaten zu Ende ist und die nächste erst im September beginnt. Die Stadt war Austragungsort des NFL-Drafts, des zweitgrössten jährlichen «Sport»-Events der USA nach dem Superbowl.
Während dreier Tage wählten hier die 32 NFL-Teams in sieben Runden die besten College-Spieler, um ihre Kader für die kommende Saison aufzustocken und zu verstärken. Das Interesse daran ist enorm. Am Donnerstag, als während der ersten, mehrere Stunden dauernden Draft-Runde die besten NFL-Aspiranten ausgewählt wurden, schauten auf den TV-Sendern ESPN und ABC durchschnittlich fast 14 Millionen Menschen zu.
Und vor Ort? Da wird der Draft in den USA gehypt und als Millionenspektakel und Volksfest inszeniert. Bis vor wenigen Jahren war er eher ein TV-Event. Zunächst fand er in einem New Yorker Konferenzraum statt, danach im «Big Apple» in der «Radio City Music Hall». Seit 2015 macht die NFL aus dem Draft eine Roadshow.
So wurde Green Bay nun während Tagen von Hunderttausenden von Fans geflutet. Nach offiziellen Angaben kamen über 600’000 Menschen nach Green Bay. Sie verteilten sich über den weitläufigen District «Titletown», der neben dem Packers-Stadium Lambeau Field gelegen ist, ähnlich einer «Allmend» mitten in der Stadt. Der Draft selbst fand in einer Eventhalle neben dem Stadion statt.
Ein Hotelzimmer für 1000, ein Haus für 10’000 Dollar
Die Hotels waren im Umkreis von rund 100 Kilometern seit Monaten ausgebucht. Kurzfristig waren nur noch Betten in billigen Motels zu haben – für teilweise über 1000 Dollar pro Nacht. Und eine Anwohnerin in unmittelbarer Nachbarschaft von «Titletown» berichtete dem TV-Sender ESPN, sie habe ihr Reihenhaus für drei Tage zu einem Preis von 32’000 Dollar vermietet. Ja, wie es sich für die USA gehört, ist der Draft vor allem auch «Big Business».
Bei so viel Aufmerksamkeit und «Big Business» darf natürlich Präsident Donald Trump nicht abseits stehen. Zwischen der Teilnahme an der Trauerfeier für den Papst sowie Friedensgesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski in Rom fand er noch Zeit und Musse, über seinen Social-Media-Kanal «Truth Social» den Draft zu kommentieren. Nachdem der hoch gehandelte College-Quarterback Shedeur Sanders auch nach vier Runden nicht gedraftet worden war, schrieb Trump: «Was ist mit den NFL-Besitzern los, sind sie alle dumm?»
Dass Sanders so lange nicht gewählt wurde, hängt wohl damit zusammen, dass er über ein zu gesundes Selbstvertrauen (sprich: allzu grosses Ego) verfügen soll – genau wie sein Vater, der früher zwei Mal den Superbowl gewann und für sein provokantes und lautes Auftreten berühmt-berüchtigt war. Vielleicht ist Trump der Familie deshalb so zugetan.
In der fünften Runde wurde Sanders dann als Nummer 144 von den Cleveland Browns doch noch verpflichtet. Das bringt ihm zwar immer noch einen schönen Batzen von rund vier Mio. Dollar über vier Jahre ein, er ist aber weit von der Gehaltsklasse der Erstgewählten entfernt. Cam Ward erhält bei den Tennessee Titans für die nächsten vier Jahre 48,7 Mio. Dollar. Eben: Big Business.


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