Wir hatten vor ein paar Jahren einen Hamster. Das war nicht meine Idee. Ich liess dieses Tier nur widerwillig in unsere Wohnung, und in den zwei Jahren unserer gemeinsamen Zeit entwickelte ich auch keine sehr enge Beziehung zu ihm. Aber als der Hamster dann starb, da war ich doch sehr traurig. Sicher genauso sehr wie meine Frau und mein Sohn. Weil der Hamster Teil unserer Familie geworden war. Und dann plötzlich etwas fehlte.
Ähnliche Gefühle wie beim Hamster hatte ich letzte Nacht gegen 4.30 Uhr, als der überraschend klare Sieg der Philadelphia Eagles gegen Titelverteidiger Kansas City Chiefs offiziell war. Der Superbowl war zu Ende – und mit ihm die NFL-Saison. Und damit etwas, das in den letzten Monaten zum Teil unserer Familie geworden war.
Man muss dazu wissen: Die NFL am Sonntagabend in unserer Stube zu haben, war nicht meine Idee. Ich liess das Thema nur widerwillig in die Wohnung. Und ich entwickelte auch nie eine enge Beziehung zu diesem Sport. Ich überliess die Initiative meiner Frau und meinem Sohn. Die Emotionen am Spiel ebenfalls.
Meine Welt dagegen ist der richtige, unser europäischer Fussball. Mich irritiert nur schon, dass die Amerikaner ihre Version des Fussballs auch Football nennen, obwohl bei ihnen der Ball nicht rund, sondern oval ist und ausser in ganz wenigen Regel-Ausnahmefällen noch nicht mal mit dem Fuss getreten wird. (Ja, ich weiss, es gibt die Theorie, dass er so heisst, weil er in etwa die Länge eines Fusses hat, «ein Fuss», eine im angelsächsischen Raum verwendete Masseinheit.)
Und ich kenne auch nach vielen Sonntagabenden mit der NFL-Show auf RTL noch immer erst einen Bruchteil der Regeln dieses komplexen Sports. Ganz zu schweigen von den vielen Angriffs- und Verteidigungsstrategien. Für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Ich bin ja auch ein miserabler Schachspieler.
Aber eben: Die NFL hat in den letzten Monaten dank meiner Frau und meines Sohnes am Sonntagabend unser Wohnzimmer eingenommen. Und irgendwann mochte ich es, wenn die Fieberkurve auf dem Sofa stieg, weil es aus dem TV hiess: «2nd & Goal». Oder: «Two Point Conversion».
Zuletzt ertappte ich mich sogar dabei, dass ich mich nach Super-League- und Serie-A-Fussball am Nachmittag auf das sonntägliche Abendessen vor dem Fernseher freute. Schliesslich lautet der Slogan der NFL: «Football is Family». Ich zählte plötzlich die Stunden, bis mich die sympathische RTL-Crew um Moderatorin Jana Wosnitza auf eine imaginäre Reise in die USA mitnahm.
Apropos Jana Wosnitza: Als ehemalige Mitarbeiterin bei Bayern München kommt sie vom Fussball, dem für mich richtigen. Doch anders als ich wurde sie schneller zur Expertin des American Footballs. Denn längst vermischt sie nicht mehr die Begriffe aus den beiden so unterschiedlichen Sportarten, diskutiert entschieden mit und stellt spannende Fragen.
Vor ein paar Wochen brachte Jana Wosnitza ihren Zwergpudel mit ins TV-Studio. Er heisst «Fumble». Das ist ein Begriff aus dem Football-Regelwerk. Ihr Zwergpudel ist nicht viel grösser als ein Hamster. Und ja, jetzt ahnen Sie es: Vielleicht gibt es bei uns bald doch wieder Familienzuwachs. Ein hübscher und passender Name für den Hamster wäre dann vielleicht: «Running Back».

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