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Weshalb entschied sich Mohamed Salah ausgerechnet für Trabzonspor?

Mohamed Salah unterschreibt überraschend beim türkischen Klub Trabzonspor. Nun stellt sich die Fussballwelt die Frage: Weshalb hat sich der 34-jährige Ägypter so entschieden? Die Gründe sind vielschichtig.
Mohamed Salah spielt ab der neuen Saison für Trabzonspor.
Bild: Huseyin Yavuz

Es ist ein echter Transferhammer: Mohamed Salah unterschreibt nach neun Jahren beim FC Liverpool, in denen der Ägypter die Reds zu einem Champions-League-Triumph sowie zwei Meistertiteln geführt hat, für zwei Jahre bei Trabzonspor.

Die Überraschung darüber ist in der Fussballwelt gross. Noch vor einem Jahr war Salah der beste Spieler der Premier League, erzielte auf dem Weg zum Meistertitel 29 Tore und wurde bei der Wahl zum Ballon d'Or Vierter. Und jetzt wechselt er zum Dritten der letzten Süper-Lig-Saison?

Saudi-Arabien war plötzlich keine Option mehr

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Allein aus finanzieller Sicht ist der Transfer nicht zu erklären. Sporting Kansas City, dessen Besitzer ägyptische Wurzeln hat, war angeblich bereit, Salahs Liverpool-Gehalt in Höhe von rund 24 Millionen Euro zu stemmen. Ein Angebot gab der US-Klub nie ab, weil der 34-jährige Ägypter in Europa bleiben wollte.

Damit war für Salah auch ein Wechsel nach Saudi-Arabien kein Thema mehr. Im Vorjahr hatte er noch mit einem Transfer in die Wüste geliebäugelt, sich dann aber für eine Vertragsverlängerung bei Liverpool entschieden. Obwohl er danach sagte, dass die Saudi Pro League seine zweite Wahl gewesen wäre, änderte sich seine Meinung in der Folge offensichtlich. Wie «The Atheltic» berichtet, antwortete er schon während der Saison nach dem Duell mit Galatasaray in der Champions League auf die Frage einiger Gegenspieler, wo er nach Liverpool spielen werde, dass er es nicht wisse, aber es nicht Saudi-Arabien sein werde.

Bei Trabzonspor wird Salah ebenfalls sehr gut entlöhnt. 17 Millionen Euro pro Jahr soll sein Gehalt betragen, dazu verdiene er zu 20 Prozent an den Verkäufen seiner Fanartikel mit. Dennoch verzichtete er wohl auf ein höheres Salär, um auf der europäischen Bühne zu bleiben. Mit dem Klub aus Trabzon wird er nun mindestens in der Conference League spielen, kann sich aber auch für die Europa League qualifizieren. Dennoch stellt sich die Frage: Weshalb wechselte er ausgerechnet zu Trabzonspor?

Mangelndes Interesse aus den Topligen

Wie es aussieht, war das Interesse aus den Topligen nicht besonders gross. Gemäss dem «Independent» habe das Umfeld von Salah unter anderem bei dessen Ex-Klub Roma angefragt. Das englische Medium vermutet, dass viele Klubs das Gefühl haben, dass der Rechtsaussen nicht mehr auf dem höchsten Level performen kann. Und das nur ein Jahr nach seiner Wahnsinnssaison auf dem Weg zum Meistertitel.

So waren in Europa wohl nur türkische Klubs in der Lage und bereit dazu, die Forderungen von Mohamed Salah zu erfüllen. Während die beiden Spitzenklubs Galatasaray und Fenerbahce jedoch kein Interesse zeigten, bemühte sich Besiktas lange um eine Verpflichtung des Ex-Baslers. Am Ende seien die Forderungen des Spielers und seines Agenten jedoch zu hoch gewesen für den Klub aus Istanbul, wie die türkische Journalistin Rezan Yetis bei Sky erklärte. Und so witterte Trabzonspor seine Chance.

Tausende Trabzon-Fans empfangen Mo Salah am Flughafen von Istanbul.
Bild: STR

Der Klub habe sich eingeschaltet und innert zehn Tagen eine Einigung mit Mohamed Salah erzielen können. Selbst Yetis zeigte sich davon überrascht, dass ein Fussballer von diesem Format in die osttürkische 800'000-Einwohner-Stadt wechsle, sagte aber voller Stolz: «Wir sind uns gewöhnt, dass Stars in die türkische Liga wechseln, aber das ist Mohamed Salah! Es ist ein grossartiger Transfer für die Süper Lig und auch die anderen Klubs, da es sie motivieren könnte.»

In der Türkei werde Salah als muslimischer Spieler mehr geschätzt

Die Moderatorin vom TV-Sender A Spor glaubt, dass auch die Religion eine Rolle gespielt haben könnte. So ist Salah der wohl berühmteste muslimische Fussballer und spielt nun wieder in einem mehrheitlich muslimischen Land. «Wir schätzen diese Spieler mehr als andere Länder. Er wird sich hier wie zu Hause fühlen», glaubt Yetis.

Bleibt noch die Frage, wie sich Trabzonspor Salah überhaupt leisten kann. Schliesslich qualifizierte sich der Klub nur in der Saison 2011/12 für die Champions League. Ein wichtiger Faktor war natürlich, dass dieser nach der Vertragsauflösung in Liverpool ablösefrei war. Ausserdem habe gemäss der BBC auch die türkische Wirtschaft einen Einfluss.

Während die Klubs die Prämien aus den europäischen Wettbewerben erhalten, werden die Kosten und Schulden in der Heimat in Lira abgerechnet. Da diese Währung aufgrund der anhaltenden Inflation an Wert verliert, werden auch die finanziellen Altlasten im Vergleich kleiner. Somit hätten die türkischen Klubs eine grössere Flexibilität, als es auf den ersten Blick scheinen würde.

Die Fans bezahlen Salah mit

Zudem wurde schon vor Salahs definitiver Unterschrift am gestrigen Donnerstag klar, wie Trabzonspor dessen Gehalt unter anderem finanzieren wolle. Die leidenschaftlichen Fans strömten noch vor der Ankunft des Ägypters in die Läden, um sich das Trikot mit dessen Nummer 10 zu kaufen. Wer die Ankunft Salahs am Flughafen in Istanbul oder dann in Trabzon auf Youtube mitverfolgen wollte, brauchte ein Abo.

Journalistin Rezan Yetis erklärte zudem, dass der Klub durch die Verpflichtung neue Sponsoren finden werde. «Wir sprechen von grossen Unternehmen, die nur wegen Salah interessiert sein werden. Das Gehalt wird kein Problem sein.»

Sein Debüt könnte Mohamed Salah frühestens am 15. August geben. Dann trifft Trabzonspor zum Auftakt der Süper Lig, die nun noch etwas «süperer» ist, auswärts auf Kasimpasa. (watson)

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