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Fussball

«Sie sind in der Pflicht»: U21-Trainer Alex Frei liefert gleich mal eine Ansage an den FC Basel und YB

Nach knapp zwei Jahren Absenz ist der Nati-Rekordtorschütze zurück im Rampenlicht. Mit grosser Lust auf die neue Aufgabe – und klaren Vorstellungen.

Wil, Winterthur, Basel, Aarau - das waren die Stationen des Profitrainers Alex Frei. Und als er vor knapp zwei Jahren das Brügglifeld nach nicht einmal einer Saison verliess, war es mehr als eine in diesem schnelllebigen Business übliche Trennung. So wie Frei sich damals zurückzog, war es ein Abschied vom Profifussball. Weg aus dem Rampenlicht, hin zu neuen Dingen, die das Leben bereithält. Denn wie der erfolgreichste Torschütze der Schweizer Nationalmannschaft einst sagte: «Ich definiere mich nicht nur über Fussball.» Unter anderem liess sich Frei zum Käsesommelier ausbilden und hält als solcher Vorträge über die Herstellungsprozesse und seine Lieblingssorten. Käsesommelier - symbolisch kann man nicht mehr Distanz schaffen zum Profifussball.

Alex Frei ist der neue Trainer der Schweizer U21-Nationalmannschaft.
Bild: Keystone

So gesehen mag es also überraschen, dass Frei der neue Trainer der U21-Nationalmannschaft ist. Doch wer ihn kennt, wusste: Loseisen vom Fussball wird sich Frei nie komplett können, seine pointierten Auftritte im vergangenen Jahr als Experte belegten dies. Und dass sein eigentlicher Beschluss, nicht mehr als Trainer arbeiten zu wollen, bei zwei Angeboten ins Wanken käme: U21-Nati und FC Winterthur.

Und nun hat also der Verband angerufen, in Person von Diego Benaglio, Koordinator der «Nati der Zukunft». Die beiden kennen und schätzen sich aus gemeinsamen Zeiten beim A-Team. Gemeinsam haben Benaglio und Frei zwei Ziele formuliert: Die in Gefahr geratene Qualifikation für die U21-EM im Sommer 2027 doch noch zu schaffen. Und die enge Begleitung der Talente bei deren ersten Schritten im Profizirkus.

«Anstand und Fleiss sind nicht verhandelbar»

Frei hat, das lässt er die Anwesenden bei seiner Vorstellung spüren, grosse Lust auf die Aufgabe. Und will beim ersten Zusammenzug im März mit den Spielern an deren Mentalität arbeiten: «Nach dem starken 1:1 gegen Frankreich hat das Team drei Tage später in Luxemburg verloren. Das ist Kopfsache und darf nicht sein. Die U21 ist kein Ferienlager. Wollen die Spieler an die Europameisterschaft, müssen sie auch so spielen.»

Die heutige Spielergeneration bewege sich in einer anderen Welt als er zu Aktivzeiten, so Frei: «Bei uns gab es kein Social Media, das Ablenkungspotenzial heute ist riesig. Als Vater einer Teenie-Tochter bin ich vorbereitet. Aber was ich von Tik Tok und Instagram halte, ist nicht wichtig, es wird seinen Platz bekommen. Im Gegenzug sind Fleiss, Leidenschaft und Anstand nicht verhandelbar.»

Nicht nur seinen künftigen Spielern schickt Frei eine Ansage, auch die Bosse der Super League nimmt er in die Pflicht. Seit einigen Jahren bewegt sich die Spielzeit von jungen Schweizern in der Super League auf einem bedenklich tiefen Niveau. Frei sagt: «Ich bin jetzt Angestellter des Verbands - und darum sage ich es diplomatisch: Ich werde einen Termin bei den Sportchefs vom FC Basel und YB machen und bei allen anderen auch. Die Schweizer Klubs versorgen die A-Nationalmannschaft mit Spielern, sie sind in der Pflicht. Andererseits ist klar: Mindestens genauso viel Einfluss auf sein Schicksal hat der Athlet selber.»

Was Frei ebenfalls ein Dorn im Auge ist: Die Tendenz zum schnellen Wechsel ins Ausland. Spielern, die vom lukrativen Vertrag bei einem renommierten Klub träumen oder sogar schon ein Angebot vorliegen haben, will er von seinem eigenen Weg berichten, der ihn via Thun, Luzern und Servette nach Rennes und Dortmund führte: «Mein Credo ist: Zwei Jahre Stammspieler in der Super League, dann ins Ausland. Mit diesem Leistungsausweis wird man beim neuen Klub auch ernst genommen.»

Das erste Mal die richtigen Worte finden muss Frei vor den Qualifikationsspielen Ende März gegen die Färöer Inseln und Estland. Sechs Punkte sind für den Erhalt des EM-Traums Pflicht.

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