Tour de Suisse

Pogacar und Reusser gewinnen die Tour de Suisse – der Weltmeister wird zum Glücksfall für das neue Konzept

Tadej Pogacar dominiert und Marlen Reusser jubelt über den dritten Gesamtsieg an der Tour de Suisse. Die Organisatoren sehen sich nach der Premiere des neuen Konzepts bestätigt – auch dank des Slowenen.

Tadej Pogacar gewinnt die 89. Ausgabe der Tour de Suisse mit 6:32 Minuten Vorsprung auf Richard Carapaz aus Ecuador. Pogacar entschied am Sonntag auch die Schlussetappe rund um Villars-sur-Ollon für sich und feierte damit seinen dritten Etappensieg an der diesjährigen Rundfahrt. Nachdem der Slowene neun Kilometer vor Schluss die Konkurrenz hinter sich gelassen hatte, holte er schliesslich auf dem Schlusskilometer Lenny Martinez ein, der sieben Sekunden hinter Pogacar ins Ziel kam.

Tadej Pogacar gewinnt die Tour de Suisse der Männer.
Bild: Pascal Muller / freshfocus

Mit seinem Auftritt schrieb Pogacar auch ein Stück Tour-de-Suisse-Geschichte. Seit 1959 gewann kein Fahrer die Rundfahrt mit einem derart grossen Vorsprung.

Dritter Tour-de-Suisse-Sieg für Marlen Reusser

Für den Schweizer Höhepunkt sorgte Marlen Reusser. Die Bernerin gewann die Tour de Suisse der Frauen zum dritten Mal nach 2023 und 2025. Auf der anspruchsvollen Schlussetappe nach Villars-sur-Ollon liess sie keine Zweifel mehr aufkommen und sicherte sich den Gesamtsieg vor der Französin Cédrine Kerbaol. «Ich bin nicht mit dem grössten Selbstvertrauen angereist», sagte Reusser nach dem Triumph. Die 34-Jährige war nach mehreren Stürzen und Verletzungen alles andere als optimal in die Saison gestartet. Umso grösser war also die Freude über den Erfolg. «Ich bin glücklich, dass ich so zurückkommen konnte.»

Marlen Reusser gewinnt die Tour de Suisse zum dritten Mal.
Bild: Gian Ehrenzeller

Während sportlich Pogacar und Reusser die Schlagzeilen bestimmten, stand die diesjährige Austragung auch organisatorisch unter besonderer Beobachtung. Die Tour de Suisse trat zum ersten Mal in einem neuen Gewand auf: So wurden die Frauen- und Männerrennen erstmals parallel ausgetragen, die Rundfahrt auf fünf Tage verkürzt und die Etappen mit Start und Ziel am selben Ort organisiert.

Pogacars Teilnahme sorgte für einen Boost

Nach der Premiere fällt das Fazit positiv aus. Tour-Direktor Olivier Senn sprach von einer erfolgreichen Bewährungsprobe. Die Rückmeldungen von Zuschauenden, Sponsoren und Teams seien überwiegend positiv ausgefallen.

Ein Glücksfall für die Organisation war die Teilnahme von Pogacar. Der Weltmeister lockte zahlreiche Fans an die Strecke und sorgte für internationale Aufmerksamkeit. Senn ist überzeugt, dass Pogacars Teilnahme half, das neue Format einem breiten Publikum bekannt zu machen.

Auch bei der Gleichstellung wollen die Verantwortlichen einen Schritt vorwärts gemacht haben. Erstmals wurden Frauen und Männer gemeinsam präsentiert. Zudem erhielten beide Rennen gleich viel Sendezeit im Fernsehen. CEO Gabriela Buchs sprach in diesem Zusammenhang von einem weiteren Meilenstein. «Es gibt noch kein anderes World-Tour-Etappenrennen, das das so umsetzt.»

Zum ersten Mal fuhren Frauen und Männer parallel an einer Rundfahrt.
Bild: Pascal Muller / freshfocus

Kürzere Transfer-Distanzen in Zukunft

Doch nicht alles lief reibungslos. Als grösste Herausforderung galten die langen Transfers zwischen den Etappenorten. Fahrerinnen und Fahrer, Teams sowie Organisation hätten teilweise weite Wege zurücklegen müssen. Künftig sollen die Strecken kompakter geplant werden.

Die Konsequenzen daraus sind klar: Künftig sollen die Distanzen zwischen den Etappenorten kleiner werden. Ausserdem will die Tour de Suisse nicht mehr zwingend alle drei Sprachregionen in einer Austragung verbinden. Denkbar seien aber Kombinationen aus Deutschschweiz und Romandie oder Deutschschweiz und Tessin.

Grundsätzlich wollen die Verantwortlichen aber am eingeschlagenen Weg festhalten. In den kommenden Monaten sollen die Erfahrungen ausgewertet und Anpassungen vorgenommen werden. Trotz einzelner Baustellen ziehen die Verantwortlichen darum eine gute Bilanz. «Die positive Resonanz hat gezeigt, dass unser Mut belohnt wurde», sagte Buchs.

Kommentare (0)