Schwinger

Samuel Giger gewinnt den Kilchberger Schwinget – mit der Titelverteidigung schreibt er Geschichte

Der Sieger des Kilchberger Schwingets heisst Samuel Giger. Im Schlussgang besiegt der Nordostschweizer Marcel Bieri. Giger gelingt damit die Titelverteidigung. Und das direkt nach einer Verletzung.

Der eine kam aus den Flitterwochen, der andere aus einer monatelangen Verletzungspause. Ja – dieser Schlussgang am Kilchberger Schwinget zwischen Marcel Bieri und Samuel Giger war in mehrfacher Hinsicht speziell. Und dann schrieb Giger mit seinem Sieg auch noch Geschichte.

Als erster und einziger Schwinger seit Karl Meli gelang Giger in Kilchberg die Titelverteidigung. Der Zürcher Meli gewann das nur alle sechs Jahre stattfindende Fest 1967 und 1973. Giger war schon vor fünf Jahren (das Fest musste damals aufgrund der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben werden) an gleicher Stelle erfolgreich. 2021 teilte sich Giger den Sieg mit Damian Ott und Fabian Staudenmann. Jetzt ist er alleiniger Gewinner.

Dabei haben sich vor Festbeginn viele die Frage gestellt, wie fit Giger ist. Der 28-Jährige hatte sich Anfang Juni im Training an der Schulter verletzt und konnte kein Schwingfest mehr bestreiten. In Kilchberg gab er am Samstag sein Comeback. Weil sich der Thurgauer zuletzt konsequent aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, konnte über seine Form nur spekuliert werden. Zwar war aus seinem Umfeld zu vernehmen, dass der Fahrplan stimme. Doch ein genaues Bild hatten Aussenstehende nicht.

Die Berner als grosse Geschlagene

In Kilchberg beantwortet er schliesslich alle Fragen im Sägemehl. «Es ist fantastisch», sagt er nach seinem Triumph im Schlussgang. «Ich konnte so lange kein Schwingfest mehr machen. Dass ich jetzt gewinne – das sind Emotionen, die ich gar nicht beschreiben kann.» Giger zeigte über den ganzen Tag verteilt ein starkes Fest. Den Einzug in den Schlussgang zum Beispiel verdiente er sich mit einem Sieg gegen den Berner Michael Moser.

Überhaupt waren die Berner die grossen Verlierer. Mit Topfavorit Fabian Staudenmann und Kronprinz Michael Moser verfügten sie über die zwei meistgenannten Favoriten auf den Festsieg. Auch in Bezug auf die Breite an starken Schwingern waren die Berner mit der besten Mannschaft in Kilchberg angetreten. In den Schlussgang schaffte es schliesslich keiner.

Dafür stand dort ein Mann, von dem man es nicht zwingend erwartet hätte. Die Zeit zwischen dem Ende der Kranzfestsaison und dem Fest in Kilchberg verbrachte Marcel Bieri in den Flitterwochen. Gemeinsam mit seiner Ehefrau reiste der 31-jährige Zuger für drei Wochen nach Kanada. Diese Auszeit hat dem Innerschweizer offensichtlich gutgetan. Zwar hat Bieri in seiner Karriere schon sechs Kranzfeste gewonnen. Zu den ganz grossen Favoriten hat ihn vor dem Kilchberger aber niemand gezählt.

Doch Bieri war am Tag x bereit. Den Schlussgang-Einzug verdiente er sich mit einem Sieg gegen Schwingerkönig Armon Orlik im fünften Gang. Im Schlussgang gegen Giger war er dann aber chancenlos. Der Thurgauer übernahm sofort die Initiative und setzte sich am Ende verdient durch.

Für Giger ist es der dritte Triumph bei einem Fest mit eidgenössischem Charakter. Neben seinen zwei Siegen in Kilchberg gewann er 2023 auch den Unspunnen-Schwinget. Nur der Königstitel fehlt Giger jetzt noch.

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