Zwei Probleme mit einem Streich lösen: Das möchte das brisante Reformprojekt der National League (NL). Einerseits das Niveau der Nachwuchsmeisterschaft erhöhen, damit die besten Talente – inzwischen rund 50 pro Saison - nicht mehr in ausländische Juniorenligen wechseln und andererseits der Swiss League (SL), einer Liga ohne Perspektiven, wieder eine Zukunft bieten.
Der Plan: Zu den bestehenden elf eigenständigen Swiss-League-Klubs kommen 13 U23-Teams der National-League-Klubs (nur Ajoie ist auf höchster Juniorenstufe nicht vertreten). Die heutige U21-Liga wird aufgelöst. In der neuen U23-Meisterschaft, nun die höchste Junioren-Liga, dürfen Spieler unter 23 plus zwei Verstärkungen (dürfen auch Ausländer sein) eingesetzt werden. Die neue zweithöchste Liga mit 24 Teams wird in eine Ost- und West-Gruppe aufgeteilt und der Spielplan so ausgeknobelt, dass die eigenständigen SL-Klubs mehr Spiele untereinander austragen können. Der Auf-/Abstieg über die Liga-Qualifikation und die MyHockey League als höchste Amateurliga sollen bleiben.
Der Vorstoss ist nicht unumstritten - Widerstand bildet sich bereits
Es ist die grösste Revolution seit Einführung der Playoffs im Jahr 1986. Ist eine Umsetzung bereits ab der Saison 2027/28 möglich? Die Gegner gruppieren sich um Visp-Manager Sébastien Pico. Er lehnt diese Reform rundweg ab: «Es kann nicht sein, dass das Nachwuchsproblem auf Kosten der Swiss League gelöst wird.» Er sieht eine Chance, die ganze Reform mit Hilfe des Verbandes politisch und notfalls juristisch zu bodigen.
Die NL-Klubs sind allerdings gewillt, diese Reform notfalls im Alleingang durchzusetzen und auch mehrere SL-Klubs – allen voran Kevin Schläpfers EHC Basel – sehen die Notwendigkeit einer Veränderung. Noch keine Meinung hat Oltens Präsident und Defizit-Garant Marc Thommen: «Ich muss mich noch ins Dossier einarbeiten.»

Für HCD-Geschäftsführer Marc Gianola ist klar, dass jetzt gehandelt werden muss. Die angestrebte Lösung helfe der Swiss League und er sagt unmissverständlich: «Wenn die Swiss League nicht mitzieht, dann macht die National League die U23-Meisterschaft allein.» So sehen es praktisch alle NL-Klubs und Langnaus Sportchef Pascal Müller sagt beispielsweise, die Reform sei auch für sein SL-Partnerteam Chur kein Problem. Die National League ist juristisch vom Verband unabhängig und kann die höchste Junioren-Liga tatsächlich im Alleingang durchführen. Das kann der Verband juristisch nicht verhindern. Und die Drohung, den NL-Klubs dann die Fördergelder für den Nachwuchs zu entziehen, läuft ins Leere: Dann wird die National League von den rund 30 Millionen, die sie jährlich aus den TV-Geldern kassiert, weniger an den Verband weiterleiten und das Geld direkt in die neue U 23-Liga investieren. Es ist die grosse Chance für den neuen Verbands-Obmann Urs Kessler, sich als Reform-Präsident zu profilieren. Er hat wiederholt erklärt, die Reform der Swiss League habe bei ihm höchste Priorität.

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