Swiss Indoors

Vom Spätzünder zum Champion: Valentin Vacherot bestätigt in Basel, dass sein Coup vor einem Jahr kein Zufall war

Die Swiss-Indoors-Siegerwand ist um einen Namen reicher: Als erster Monegasse überhaupt gewinnt Valentin Vacherot ein ATP-500 Turnier. Nach seinem märchenhaften Aufstieg im vergangenen Jahr setzt er seine Erfolgsgeschichte nun in Basel fort.

Vor einem Jahr war Valentin Vacherot noch auf eine Wildcard angewiesen, um im Hauptfeld der Swiss Indoors anzutreten. Sein Debüt in Basel endete in der ersten Runde mit einer Dreisatzniederlage gegen Taylor Fritz. Zwölf Monate später revanchiert sich der 27-Jährige im Halbfinal am US-Amerikaner und krönt seine Turnierwoche mit dem Titelgewinn. Im Final schlägt er Jiri Lehecka (ATP 21) nach einem Fehlstart mit 2:6, 6:3 und 6:3. Als erster Monegasse überhaupt gewinnt er damit ein ATP-500-Turnier.

Dabei verlief Vacherots Weg an die Weltspitze alles andere als geradlinig. Während zahlreiche Tennistalente früh intensiv gefördert werden, besucht er bis kurz vor seinem 18. Geburtstag eine gewöhnliche Schule und trainiert nur in seiner Freizeit. In der Juniorenweltrangliste kommt er nie über Rang 440 hinaus.

College-Tennis statt ATP-Tour

Mit 18 hält ihn seine tennisverrückte Familie körperlich und mental noch nicht für bereit für die ATP-Tour. Stattdessen wählt Vacherot den Umweg über die USA: Ab 2017 studiert er an der Texas A&M University Betriebswirtschaft und spielt College-Tennis. Erst vier Jahre später konzentriert er sich vollständig auf seine Profikarriere.

Der Exploit in Shanghai

Im Juni 2024 scheint die Weltspitze zum Greifen nah: Vacherot klettert auf Rang 110. Doch eine Schulterverletzung setzt ihn mehrere Monate ausser Gefecht und wirft ihn auf Platz 267 zurück. Umso erstaunlicher ist, welche Wendung Vacherots Karriere nur wenige Monate später nimmt.  Im Oktober 2025 reist Vacherot als Nummer 204 der Welt zum Masters-Turnier nach Shanghai.

Zu diesem Zeitpunkt hat er gerade einmal einen einzigen Sieg auf der ATP-Tour vorzuweisen. Doch der Monegasse wächst über sich hinaus: Er kämpft sich als Nachrücker durch die Qualifikation, schlägt auf dem Weg in den Final unter anderem Holger Rune und Novak Djokovic und trifft im Endspiel ausgerechnet auf seinen Cousin Arthur Rinderknech. Vacherot gewinnt in drei Sätzen und schreibt Tennisgeschichte: Noch nie zuvor hat ein so tief klassierter Spieler ein Masters-1000-Turnier gewonnen.

Ein gutes Jahr später steht Vacherot nun auch in Basel ganz oben. An der Pressekonferenz zeigt sich der Monegasse befreit. Sein erklärtes Ziel für diese Saison sei es gewesen, einen weiteren Titel zu gewinnen und damit zu beweisen, dass sein Triumph in Shanghai keine Eintagsfliege war.

Vacherot betont immer wieder, wie sehr ihm sein gewachsenes Selbstvertrauen inzwischen auch mental auf dem Platz zugutekommt: «Vor Shanghai war praktisch jeder einzelne Sieg für mich schon fast wie ein Titel. Heute weiss ich nach ein oder zwei gewonnenen Matches, dass ich das ganze Turnier gewinnen kann.»

Zu Beginn sah es im Final noch düster aus

Wie sehr ihm dieses gewachsene Selbstvertrauen inzwischen hilft, zeigt sich auch im Final gegen Lehecka. Vacherot findet im Auftaktsatz kaum ein Mittel gegen den Tschechen, muss gleich dreimal seinen Aufschlag abgeben und verliert den ersten Durchgang nach nur 33 Minuten mit 2:6: «Ich hatte das Gefühl, gegen eine Ballmaschine zu spielen. Egal, was ich versuchte, es funktionierte einfach nicht.»

Doch Vacherot lässt sich davon nicht beirren und findet zunehmend besser ins Spiel. Mit einer taktischen Umstellung gelingt ihm im zweiten Satz die Wende. Der Monegasse serviert nun deutlich besser, während sich bei Lehecka vermehrt Fehler einschleichen. Vacherot gewinnt die beiden folgenden Sätze mit jeweils 6:3 und sichert sich damit seinen zweiten ATP-Titel.

Viel Zeit, seinen Triumph zu geniessen, bleibt Vacherot allerdings nicht. Bereits in zwei Tagen trifft er beim ATP-1000-Turnier in Paris auf Novak Djokovic. Ausgerechnet jenen Spieler, den er vor einem Jahr im Halbfinal von Shanghai sensationell bezwang. Für Vacherot bietet sich damit die nächste Gelegenheit, zu beweisen, dass sein Aufstieg kein Zufall ist.

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