Super League

Nicht nur bei Cupsieger St. Gallen: In diesen Klubs rumort es ebenfalls gewaltig

Der FC St. Gallen ist gerade in aller Munde. Nicht nur wegen des Cupsiegs – fast mehr noch aufgrund des Machtkampfs und des bevorstehenden Führungswechsels. Andere Vereine machten in den letzten Monaten abseits des Rasens ebenfalls von sich reden.

Der FC St. Gallen ist kein Einzelfall. Machtkämpfe auf Führungsebene gehören zum Schweizer Fussball wie Tore, Schiedsrichterdiskussionen und finanzielle Probleme. Einer der grossen Brennpunkte war vor ein paar Jahren der FC Basel und der Machtkampf, welcher der Übernahme von Bernhard Burgeners Aktienmehrheit durch David Degen vorangegangen war. In Basel ist es auf dieser Ebene nun ruhig – nicht so in anderen Klubs. Eine Übersicht.

FC Luzern

Swisspor-Patron Bernhard Alpstaeg
Bild: Boris Bürgisser/LZ

Mit einem Frontalangriff von Bernhard Alpstaeg gegen die Führung eskaliert im Oktober 2022 ein Machtkampf, der den Klub bis heute belastet. Primär geht es um den Aktionärsstreit zwischen Swisspor-Patron Alpstaeg und dem Verwaltungsrat. Im Zentrum steht die Frage, ob der Verwaltungsrat Bernhard Alpstaeg zu Recht ein Aktienpaket aus dem Aktienbuch gestrichen hat. Durch die Streichung dieser Aktien hält Alpstaeg derzeit nur noch 27 statt 52 Prozent der FCL-Aktien. Alpstaeg reichte Zivilklage gegen den FCL ein. Bei einem Sieg würde er die Aktienmehrheit zurückerhalten. Das Urteil des Luzerner Bezirksgerichts steht noch aus. Im Strafrechtsprozess sprach das Luzerner Kriminalgericht Alpstaeg von Vorwürfen der Nötigung und versuchten ungetreuen Geschäftsbesorgung in beiden Anklagepunkten frei. (dw)

FC Zürich

Das Ehepaar Heliane und Ancillo Canepa mit Ex-Sportchef Milos Malenovic (rechts).
Bild: Ennio Leanza/Keystone

Präsident Ancillo Canepas Amtszeit ist geprägt von vielen Kontroversen. In dieser Saison sorgte die Causa des Sportchefs Milos Malenovic für Aufsehen: Vor allem dessen regelmässige Präsenz auf der Trainerbank und zuweilen sogar Einmischung in Spielerwechsel stiessen vielen Fans sauer auf. Quasi gleichzeitig mit Malenovics Entlassung im letzten Winter stellten die Zürcher Claudio Cisullo als neuen Verwaltungsrat vor. Spätestens seit einer von Cisullo eingefädelten, undurchsichtigen Anleihe von 4 Millionen Franken Anfang März verstärkten sich die Spekulationen, dass die Canepas den Verein in neue Hände legen und sich zurückziehen wollen. Die Zukunft bleibt offen. (ank)

Grasshoppers

Die GC-Fans stellen sich gegen die Besitzer aus Los Angeles.
Bild: Andreas Becker/Keystone

«Watching GC Zürich today is painful» – GC zuzuschauen ist schmerzhaft, heisst es zu Beginn einer Stellungnahme des Los Angeles Football Club (LAFC) Ende April. Drei Tage zuvor, hatten GC-Fans in einem Heimspiel ihrem Ärger über die Klubführung auf einem Banner Luft gemacht. Der Los Angeles FC ist seit Januar 2024 Besitzer der Grasshopper Fussball AG und hat seither keine Erfolge aufzuweisen. Der LAFC betont in der Stellungnahme, dass er offen sei für Gespräche über einen Teil- oder sogar Vollverkauf der Grasshoppers Fussball AG, «sofern die langfristige Nachhaltigkeit des Clubs sichergestellt ist». Dies sei bei der Suche nach Investoren bisher nicht der Fall gewesen. (dal)

FC Thun

Beat Fahrni ist nur noch Aktionär, aber nicht mehr operativer Leiter.
Bild: zvg

Mitten im Meisterflow überraschte diese Mitteilung: Im März gab Beat Fahrni bekannt, dass er das operative Geschäft abgibt. Fahrni war während drei Jahren Verwaltungsrat, Geldgeber und CEO. Als Aktionär soll er dem Klub erhalten bleiben. Es ist aber auch möglich, dass er auf die nächste GV hin ganz ausscheidet. Aussagen von Präsident Andres Gerber deuten darauf hin, dass auf Führungsebene trotz sportlichem Erfolg nicht alles reibungslos lief. Es gab Gerüchte über finanzielle Probleme von Fahrni, welche dieser jedoch dementierte. Dennoch: Fast gleichzeitig wie über den Rückzug von Fahrni wurde darüber informiert, dass der Klub einen Überbrückungskredit von 4 Millionen Franken aufnehmen musste. (stw)

Young Boys

Hans-Ueli Rihs (links) und der damalige YB-Trainer Raphael Wicky mit der Cup- und der Meistertrophäe 2022/23.
Bild: Urs Lindt/freshfocus

Sechs Meistertitel, zwei Cupsiege, drei Teilnahmen an der Champions League: YB ist der erfolgreichste Schweizer Verein des vergangenen Jahrzehnts. Nach dem Tod des Mäzens Andy Rihs 2018 wollten dessen Söhne Tobias und Oliver ihre Anteile verkaufen. 2023 übernahm Rihs’ Bruder und Willensvollstrecker Hans-Ueli «Jöggi» Rihs die 53-Prozent-Beteiligung seiner Neffen für 18 Millionen Franken – ohne deren Wissen und Zustimmung und weit unter dem kolportierten Marktwert von 100 Millionen. Dagegen gehen die Brüder Tobias und Oliver gerichtlich vor. (sih)

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