1. Peter Zeidler, Grasshoppers

GC macht einen Neuanfang, mit neuen Besitzern, neuem Präsident und neuem Sportchef, hielt aber am «alten» Trainer fest. Wenn der Erfolg ausbleibt, ist dies eine brandgefährliche Konstellation für Zeidler. Und Erfolg auf Anhieb mit der aktuellen Mannschaft hinzukriegen, scheint schwierig. Den Klassenerhalt schaffte GC erst in extremis in der Barrage – und das Kader ist nicht besser geworden.
2. Stephan Lichtsteiner, Basel

Er hat mit 1,05 Punkten pro Spiel nach 19 Partien den schlechtesten Punkteschnitt aller FCB-Trainer seit dem Wiederaufstieg 1994. Zwar sieht der Klub im ehemaligen Nati-Captain ein grosses Trainertalent, doch das Verpassen sämtlicher Ziele im Frühjahr und die vielen kommunikativen Mängel führten dazu, dass Lichtsteiner von den meisten Basler Fans sehr kritisch gesehen wird. Viele personelle Wechsel im Kader erschweren zudem die Arbeit. Bleiben die Resultate aus, könnten David Degen und seine Mitstreiter schnell die Reissleine ziehen.
3. Jocelyn Gourvennec, Servette

Nach der Entlassung von Thomas Häberli durfte er sich fast ein Jahr lang in den hinteren Tabellen-Regionen durchwursteln. Auch wenn sie in Genf nicht gleich vom Titel träumen und reden: Wenn es so weitergeht wie letzte Saison, ist die Geduld mit Gourvennec rasch am Ende.
4. Luka Elsner, Lausanne-Sport

Lausanne will nach einer enttäuschenden Saison wieder in die Top 6. Dazu holte man einen Trainer, der weder Klub noch Liga kennt. Selbst der angesehene Peter Zeidler hatte irgendwann gehen müssen. Die Vermutung liegt nahe: Elsners Kredit wird im Misserfolg sehr schnell aufgebraucht sein.
5. Gerardo Seoane, Young Boys

Seit der Rückkehr Anfang November hat er kaum etwas bewirkt. Erklärt wurde das durch den schwierigen Einstieg während der Saison. Dieser Schutzschild ist jetzt weg. Eine längere (Resultat-)Krise ist mit diesem Team fast nicht möglich, doch nur wenn YB sich als Meisterkandidat bestätigt, beendet Seoane die Saison.
6. Gian-Luca Privitelli, Thun

Als Nachfolger von Meistertrainer Mauro Lustrinelli kann er nur verlieren. Die Thuner Führung ist sich dessen bewusst und wird Privitelli einige heikle Momente zugestehen. Und solche werden mit der Doppelbelastung Meisterschaft/Europacup, mit einem veränderten Team und einer gestiegenen Erwartungshaltung kommen. Aber: Sollte sich Thun plötzlich doch hinten einordnen müssen, verpufft der Glaube ans «Projekt Privitelli» irgendwann trotzdem.
7. Didier Tholot, Sion

Die Trainerbank ist in Sitten kein Schleudersitz mehr. Tholot geht in seine vierte Saison unter Christian Constantin. Die beiden sind eng verbunden, deshalb hat der Trainer in den letzten drei Jahren auch kleiner Stürme überstanden. Die Prognose: Nur wenn der FC Sion tief in eine Krise schlittert, ist Tholot gefährdet. Ausgeschlossen ist eine solche Krise aber nicht.
8. Marc Schneider, Vaduz

Als Aufstiegstrainer hat er einen grossen Kredit. Aber was ist, wenn Vaduz eben doch irgendwann abgeschlagen am Tabellenende steht und die Mannschaft eine Siegesserie startet? Glaubt dann die Mannschaft noch an Schneider? Und wenn die Mannschaft den Glauben an den Trainer verliert, muss die Führung auch in Vaduz reagieren.
9. Marcel Koller, FC Zürich

Wieder einmal sitzt der Wunschtrainer auf der FCZ-Bank. Das hat bisher aber nicht vor Entlassungen geschützt. Koller ist der fünfte (Wunsch-)Trainer im Amt in nur etwas mehr als einem Jahr. Ancillo Canepa kann es sich allein Gründen der Glaubwürdigkeit nicht leisten, den Trainer vorschnell zur Diskussion zu stellen. Auch Kollers Palmarès und seine Erfahrung machen ihn ziemlich lange immun gegen eine Entlassung – aber nicht ewig.
10. Udo Portmann, Luzern

Beim FC Luzern hält man viel vom Mann aus den eigenen Reihen, der sich in den letzten zwei Jahrzehnten von der 3. Liga bis in die Super League hochgearbeitet hat. Entsprechend geht der Neuling mit einem Vertrauensvorschuss in die Saison. Erst wenn der FCL in einen echten Negativstrudel gerät, dürfte Portmanns Position infrage gestellt werden.
11. Mattia Croci-Torti, Lugano

In der letzten Saison startete Lugano miserabel. Trotzdem war Croci-Torti nie in Gefahr. Das sagt alles über sein Standing im Klub. Eigentlich ist es so: Lugano müsste absteigen, damit es zu einem Trainerwechsel kommt. Da ist die Möglichkeit, dass er in die italienische Serie A abwandert, um ein Vielfaches grösser. Aber das wird Croci-Torti während der Saison nicht tun – zu gross ist seine Verbundenheit mit Lugano.
12. Enrico Maassen, St. Gallen

In St. Gallen ist wieder etwas zusammengewachsen. Enrico Maassen war dank Cupsieg und Vizemeistertitel für die beste Saison in der Vereinsgeschichte verantwortlich. Auch wenn die Ostschweizer eine nicht mehr gar so gute Saison abliefern sollten: Am Trainerteam wird in St. Gallen nicht gerüttelt. Wahrscheinlicher ist, dass Maassen dereinst selbst dem Ruf einer grossen Liga folgt.
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