
Die Sports Awards sind das jährliche Treffen der Schweizer Sportfamilie. Es ist ein heiterer Anlass, bei dem gelacht, in Erinnerungen geschwelgt und gefeiert wird. Es ist eine Nacht der Siegerinnen und Sieger. Sie kommen in Lackschuhen und Glitzerkleidern, am Ende stehen sie im Konfettiregen.
Für Sonntagabend war die erste grosse Sendung des Schweizer Fernsehens im neuen Jahr angesetzt - nur drei Tage nach der Brandkatastrophe im Walliser Skiort Crans-Montana, wo in etwas mehr als einem Jahr auch die Ski-Weltmeisterschaften stattfinden werden. Doch zu feiern ist niemandem zumute, auch im Sport nicht. Die Sendung werde verschoben und zu einem «späteren Zeitpunkt im Frühjahr 2026» durchgeführt, teilt die Schweizer Radio- und Fernsehgesellschaft SRG mit.

SRG-Direktorin Susanne Wille tief betroffen
Der Schritt erfolge aus Respekt vor den Opfern der Brandkatastrophe in der Neujahrsnacht in Crans-Montana. Zudem solle der dafür vorgesehene Sendeplatz für eine mögliche Sondersendung freigehalten werden. «Wir verfolgen die tragischen Ereignisse mit grosser Betroffenheit», lässt sich SRG-Generaldirektorin Susanne Wille zitieren. «Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei den Opfern und deren Angehörigen.»
Mit der kurzfristigen Verschiebung verbunden sind für das Schweizer Fernsehen organisatorische Herausforderungen. Viele Sportlerinnen und Sportler befinden sich mitten in der Saison, in etwas mehr als einem Monat beginnen die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo. Im Anschluss an die Saison verabschieden sich die Wintersportler in die Ferien.

Sports Awards sind ein Quotenrenner
Als Studiogäste angekündigt waren in diesem Jahr unter anderem die erste Schweizer Leichtathletik-Weltmeisterin, Ditaji Kambundji, und die derzeit verletzte Vorjahressiegerin Lara Gut-Behrami. Für das Rahmenprogramm der rund dreistündigen Sendung waren musikalische Auftritte von Kings Elliot und Anna Rossinelli geplant, vorgesehen war auch ein Beitrag des Zürcher Filmorchesters. Es besteht aus bis zu 60 Musikerinnen und Musikern.
Für das Schweizer Fernsehen ist die 1950 erstmals durchgeführte Wahl der Sportlerinnen und Sportler des Jahres ein Quotenrenner. 2023 verfolgten 450'000 Menschen die von Rainer Maria Salzgeber und Fabienne Gyr moderierte Livesendung, die auf SRF 1, RTS 2 und RSI 2 ausgestrahlt wird. Die Sports Awards erreichten damit einen Marktanteil von etwas mehr als 30 Prozent, was sie zu einer der meistgesehenen Sendungen machte.

350 Gäste aus Sport, Politik und Wirtschaft
Erwartet wurden rund 350 geladene Gäste aus Sport, Politik, Wirtschaft und Medien, die den Sports Awards nach einem üppigen Flying Dinner beigewohnt hätten.
Vergeben werden Preise in sieben Kategorien: Sportler des Jahres, Sportlerin des Jahres (seit 1971 in eigener Kategorie), Behindertensportler:in, Team des Jahres, Trainer des Jahres, Newcomer des Jahres und Most Valuable Player (seit 2019). Sporadisch werden auch Ehrenpreise vergeben. 2024 wurde diese Ehre Heinz Frei zuteil, dem Pionier des Schweizer Parasports.

Fokus der Sports Awards auf Heiterkeit
Die Sports Awards sind ein heiterer Anlass. Der Sport spricht die Sprache des Lebens: Er ist ein ständiges Ringen zwischen Scheitern und Erfolg, zwischen Höhepunkten und Tiefschlägen, zwischen Schmerz und Triumph, Selbstbewusstsein und Zweifel, vor allem zwischen Sieg und Niederlage. Und manchmal eben auch: zwischen Leben und Tod.
Die Sports Awards bilden dieses emotionale Wellenbad allerdings nur sehr bedingt ab. Natürlich sieht man in den Einspielern auch hängende Köpfe, leere Blicke, Tränen der Enttäuschung und zuweilen auch Kurioses.

Das Schweizer Fernsehen zeigt in der Sendung allerdings nur die mit dem Sport am stärksten verbundenen Emotionen und beschränkt sich auf das Kontinuum zwischen Sieg und Niederlage, Freude und Enttäuschung. Es wählt diesen Fokus ganz bewusst. Raum für das Andenken an verstorbene Sportlerinnen und Sportler gab es in den vergangenen Jahren keinen.
Weder für die tödlich verunglückten Gino Mäder oder Muriel Furrer, noch für andere verstorbene Sportgrössen wie Josef «Sepp» Haas, der bei den Winterspielen 1968 in Grenoble für die erste olympische Langlaufmedaille für die Schweiz gesorgt hatte und im gleichen Jahr Sportler des Jahres geworden war. Oder für Robert Dill-Bundi (†65), der bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau in der Einzelverfolgung über 4000 Meter Gold gewann und bis heute einziger Schweizer Olympiasieger auf der Bahn ist.
«Die Sendungsverantwortlichen waren zum Schluss gekommen, dass das Format nicht den richtigen Rahmen biete», schrieb Susan Schwaller, Chefredaktorin Sport bei SRF, damals auf Anfrage von CH Media.
Die Brandkatastrophe von Crans-Montana aber stürzt auch den Sport in eine kollektive Trauer, die alles mitreisst. In diesem Moment wird deutlich, dass selbst der Sport, der so oft vom Triumph lebt, der Trauer nicht ausweichen kann. Der Konfettiregen kann warten – die Trauer nicht.
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