
Als Sina Frei am Donnerstag im Short Track die Bronzemedaille holte, fühlte sich das doch fast wie eine leichte Enttäuschung an. Die Zürcherin war in den vorherigen vier Rennen jeweils als Siegerin ins Ziel gefahren, und krönte sich so unter anderem zur Europameisterin im Short Track und im olympischen Cross-Country. Nun verpasste sie die nächste Goldmedaille nur um eine Sekunde.
Doch nur wenige Tage danach findet sie zur Siegesstrasse zurück. Sina Frei gewinnt an der Mountainbike-WM in Val di Sole im olympischen Cross-Country die Goldmedaille. Zum ersten Mal in ihrer Karriere darf sich die 29-Jährige in ihrer Königsdisziplin Weltmeisterin nennen.
Dank brüderlicher Unterstützung zum Sieg
«Ich kann es noch gar nicht richtig realisieren», sagt Frei im Anschluss an das Rennen gegenüber SRF. Ein Rennen, das die Zürcherin von Anfang an dominierte. Bereits in der ersten von insgesamt sieben Runden übernahm Frei die Führung – und gab diese bis ins Ziel nicht mehr aus der Hand. Als sie nach 1:27:50 Stunden die Ziellinie überquerte, betrug ihr Vorsprung mehr als eine Minute.

«Ich bin ein super Rennen gefahren», sagt Frei im Interview mit SRF. «Ich habe versucht, in den steilen Anstiegen zu pushen und mich in den Abfahrten zu erholen.» Unterstützt wurde Frei dabei von ihrem Bruder. «Er ist den ganzen letzten Aufstieg mitgerannt. Das hat mich extrem motiviert.»
Dass Frei bereits im Vorfeld des Rennens als Favoritin gehandelt wurde und ihrer Favoritenrolle letztlich auch gerecht wurde, ist alles andere als selbstverständlich. Noch im Winter musste sie sich nach einem Sturz von einem Schlüsselbeinbruch erholen.
Schweizer Doppelsieg nur knapp verhindert
Hinter Frei lieferten sich die Italienerin Martina Berta und die Schweizerin Nicole Koller ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz 2. Berta, die zu Beginn des Rennens noch mit Frei mithalten konnte, dann aber zurückfiel, holte Koller in der Zielgeraden noch ein. Dennoch: Für Koller ist WM-Bronze der grösste Erfolg ihrer Karriere.

Einen deutlich schwierigeren Nachmittag erwischte Alessandra Keller. Der Bronzemedaillengewinnerin des letzten Jahres sprang zwei Mal die Kette raus. Ihren verständlichen Frust machte sie deutlich, indem sie eine Wasserflasche zu Boden warf. Am Ende wurde Keller 13. Die anderen Schweizerinnen belegten Platz 14 (Jolanda Neff), Platz 16 (Gina Caluori), Platz 20 (Ronja Blöchinger) und Platz 39 (Ramona Forchini).
Bei den Männern schaffte es keiner der Schweizer auf das Podest. Dario Lillo, Filippo Colombo und Fabio Püntener fuhren als Siebter, Achter und Neunter ins Ziel. Gold ging an den Briten Thomas Pidcock.
Sina Frei kämpft sich an die Weltspitze zurück
Aber zurück zu Sina Frei: Für sie ist die Goldmedaille die Krönung eines starken Sommers. Zugleich ist sie nach Silvia Fürst (1992) und Jolanda Neff (2017) erst die dritte Schweizerin, die eine WM im Cross-Country gewinnt.
Dieser Triumph ist umso bedeutender, weil er die Schweizerin definitiv zurück an die Weltspitze katapultiert. Ihr grösster Erfolg liegt bereits fünf Jahre zurück, als sie – ebenfalls in Val di Sole – WM-Gold im Short Track und WM-Bronze im Cross-Country holte. Seither gehörte sie zwar stets zu den besten Mountainbikerinnen der Welt, die ganz grossen Erfolge blieben aber aus. Nun hat Frei eindrücklich bewiesen, dass sie wieder ganz oben angekommen ist.


Kommentare
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien, die Kommentare werden von uns moderiert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben.