Der frühere FIFA-Präsident Sepp Blatter (89) befürwortet eine Rückkehr von Russland auf die globale Fussball-Bühne. «Ich bin kein Richter. Meine Meinung zu Russland: Man sollte die Politik vom Sport, vom Fussball trennen. Wir können nicht jedes Land, das sich mit einem anderen im Krieg befindet, ausschliessen, sonst dürfte nicht nur Russland betroffen sein», sagte Blatter der «Sport Bild».

Blatters Nachfolger Gianni Infantino hatte sich zuletzt offen für eine Aufhebung des Banns gegen Russland gezeigt, «zumindest im Jugendbereich», betonte dieser.
Seinerseits führt Blatter aus: «Es gibt bereits mehrere Verbände, die russische Sportler teilnehmen lassen. Etwa beim Tennis oder in Kürze bei den Paralympischen Winterspielen in Italien.» Das stimmt. Sechs russische und vier belarussische Athletinnen und Athleten dürfen per Wildcard bei den Winterspielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo (6. bis 15. März) antreten.
Im Fussball ist Russland seit dem Beginn des Angriffskriegs in der Ukraine im Jahr 2022 ausgeschlossen. Das letzte Turnier mit russischer Beteiligung war dementsprechend die EM 2021, das letzte unter FIFA-Regie war die Heim-WM 2018.
Blatter kritisiert Sicherheit in den USA, ist aber gegen einen Boykott der WM
In Bezug auf die anstehende Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) kritisierte Blatter derweil Infantino und dessen Beziehung zum US-Präsidenten Donald Trump erneut scharf.
«Man muss dieses Turnier aufgrund der politisch instabilen Situation und der Sicherheitslage in den USA kritisch hinterfragen. Was in Minneapolis passiert ist, ist schlimmer als alles, was je in Katar passiert ist, das die WM 2022 ausgerichtet hat. Ich hoffe, dass König Fussball stärker ist als Politik und Ruhe einkehrt, sobald der Ball in den USA rollt», sagte Blatter. Unter anderem nach zwei tödlichen Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE im Januar in Minneapolis war eine Debatte um die Sicherheitslage in den USA entbrannt.
Über den 55-jährigen Infantino aus Brig sagte der aus dem nahe gelegenen Visp stammende Blatter bereits vor einigen Wochen, er führe sich auf wie ein Sonnenkönig: «Einige wirkliche Könige, die in Europa leben, verhalten sich demokratischer als er.»

Derweil stellte sich Blatter jedoch klar gegen einen Boykott, der aufgrund Trumps aggressiver Politik rund um Grönland und der ICE-Einsätze zuletzt öffentlich diskutiert worden war: «Ich bin gegen einen Boykott. Die wichtigsten Akteure im Fussball sind die Spieler, und die möchten unbedingt an der WM teilnehmen. Wenn Verbände entscheiden würden, wir fahren nicht, würde das einen Aufstand geben, auch unter den mehr als zwei Milliarden Fussballfans weltweit.» (dpa)


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