
Geradezu begeistert ist man beim Eidgenössischen Schwingerverband ESV nicht, dass jetzt auch ein Wettanbieter von der anhaltenden Beliebtheit des Schwingens profitieren will. Trotzdem geschieht es. Swisslos hat über die Wettplattform Sporttip das Angebot im Schwingen deutlich ausgebaut.
Während bis anhin nur die Sieger des Eidgenössischen Schwingfestes und des Unspunnen-Schwingets getippt werden konnten, stehen seit diesem Jahr weitere Schwingfeste und teils auch ausgewählte Spitzenpaarungen im Wettprogramm. Das zahlt sich aus. Rund 310'000 Franken Umsatz machte Swisslos mit Wetten im Bereich des Schwingens in diesem Jahr. Der Kilchberger Schwinget am Samstag noch nicht einmal eingerechnet.
Swisslos betont zwar, dass dies im Vergleich mit grossen Wettsportarten wie Fussball oder Tennis ein «vergleichsweise kleines Volumen» sei, sagt aber auch: «Für eine Sportart wie Schwingen ist dieses Ergebnis durchaus beachtlich und zeigt, dass ein entsprechendes Interesse vorhanden ist.»
Mit Schwingen lässt sich also Geld verdienen – und verlieren. Passt das überhaupt zu den Werten, die das Schwingen vermittelt? Der ESV schreibt auf Anfrage, er nehme «zur Kenntnis, dass Swisslos im Rahmen seines Sportwettenangebots Wetten auf ausgewählte Schwingfeste anbietet». Und der Verband ergänzt: «Für den ESV steht die Integrität an erster Stelle.»
Für die Schwinger gelten klare Regeln
Ist diese Integrität durch das Wettangebot gefährdet? Wie in den meisten Kampfsportarten, liesse sich im Schwingen vermutlich relativ einfach betrügen. Überraschende Siege kommen immer mal wieder vor. Also würden auch sensationelle Niederlagen nicht gleich Zweifel wecken.
Wie verhindern der ESV und Swisslos Betrug? Der Schwingerverband schreibt: «Eine absichtliche Beeinflussung eines Ganges oder eines Wettkampfes aus finanziellen oder anderen sachfremden Motiven wäre mit den Grundwerten des Schwingsports nicht vereinbar.» Anfang der Saison wurden zudem sämtliche Schwinger und Funktionäre per Mail an die Regeln erinnert, wie sie das Ethik-Statut von Swiss Olympic festlegt.
Der ESV hält zudem fest: «Ein Schwinger darf nicht wetten, wenn er den Ausgang der Wette selbst beeinflussen kann.» Und auch Drittpersonen dürfen nicht im Auftrag eines Schwingers auf seine Kämpfe wetten, oder von ihm Informationen zum möglichen Ausgang eines Kampfes erhalten.
Die Wettquoten
Auf Sporttip werden folgende Quoten für den Festsieg angeboten:
Fabian Staudenmann, 2.60
Michael Moser, 3.80
Armon Orlik, 5.50
Werner Schlegel, 5.50
Samuel Giger, 6.00
Nick Alpiger, 10.00
Damian Ott, 15.00
* Stand: Freitag, 4. September, 12 Uhr
Auch Swisslos verweist auf diese Punkte und schreibt: «Die Integrität des Wettangebots hat für Swisslos und Sporttip Priorität. Die Auswahl der Wettmärkte erfolgt sorgfältig und innerhalb des von der Interkantonalen Geldspielaufsicht Gespa bewilligten Rahmens.» Und der Wettanbieter ergänzt: «Darüber hinaus überwacht Swisslos die Wettaktivitäten fortlaufend auf auffällige Muster oder ungewöhnliche Entwicklungen.»
Indirekt profitiert auch das Schwingen
Der Kilchberger Schwinget vom Samstag dürfte die Wettumsätze von Swisslos nochmals befeuert haben. Wer am Freitag bei Sporttip 100 Franken auf Fabian Staudenmann als Kilchberg-Sieger setzte, wird 260 Franken zurückbekommen, falls der Topfavorit tatsächlich gewinnt. Maximal das 150‑Fache wird ausbezahlt, wenn ein Aussenseiter siegt.
Im bisherigen Saisonverlauf stiess das Bergfest auf der Rigi sowohl gemessen am Umsatz als auch bei der Anzahl Wetten auf das grösste Interesse. Der Kilchberger Schwinget könnte dies aber noch toppen.

Das führt zur Frage, wohin dieser Weg führen wird. Am Eidgenössischen Schwingfest 2025 in Mollis war Swisslos mit einem Wettstand präsent. Wird dieses Angebot weiter ausgebaut? Swisslos schreibt: «Eine Präsenz an kantonalen oder regionalen Schwingfesten ist grundsätzlich eine interessante Überlegung.» Aktuell gäbe es aber keine konkreten Pläne.
Der Ausbau des Wettangebots sei derzeit kein Thema. Auch Live-Wetten, wie sie von Sporttip in anderen Sportarten angeboten werden, sind nicht in Planung. Swisslos schreibt dazu: «Mit dem heutigen Angebot können wir die wichtigsten Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden gut abdecken.»
Trotz der eher nüchternen Betrachtungsweise des Eidgenössischen Schwingverbands profitiert der Schwingsport indirekt vom Wettumsatz. Diverse Schwingfeste erhalten finanzielle Unterstützung aus dem Swisslos-Sportfonds. Wie hoch der Betrag ist, der zurück ins Schwingen fliesst, kann nicht beziffert werden. Die Ausschüttungen sind kantonal geregelt.


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