
Grosser Sport? Vielleicht nicht ganz immer. Aber Spannung und Spektakel sind allgegenwärtig bei Kanada gegen Bosnien und Herzegowina. Es ist eine mitreissende Partie. Hin und her. Nie langweilig. Viele Torszenen und Aufreger. Ganz anders als noch das Eröffnungsspiel Mexiko-Südafrika am Donnerstag. Und am Ende steht ein 1:1, mit dem beide Teams leben können.
76 Minuten sind gespielt, als Cyle Larin den Platz betritt. Der bullige kanadische Stürmer soll das bosnische Bollwerk irgendwie doch noch knacken. Und wie er das tut! Nur drei Minuten nach seiner Einwechslung trifft Larin zum 1:1. Die meisten der 45'000 Fans in Toronto jubeln. Derweil ist der Ausgleich ein Stich ins Herz für die Bosnier. Sie sind nahe am Sieg, müssen sich am Ende aber vorwerfen lassen, dass sie zu sehr auf das Verwalten des knappen Vorsprungs bedacht sind.

Am nächsten Donnerstag trifft die Schweizer Nati auf Bosnien. Am 24. Juni dann auf Kanada. Welche Erkenntnisse können Murat Yakin und sein Team aus der Partie der Kontrahenten ziehen?
Bosnien und Herzegowina, das Team von Sergej Barbarez, ist eine Auswahl von talentierten Fussballern, die sich für nichts zu schade sind. Unbändiger Wille. Laufbereitschaft. Zweikampfstärke – auch in der Luft. Das alles ist in jeder Sekunde des Spiels zu sehen. Der Wille zum Leiden ist herausragend. Die Organisation in der Defensive ebenfalls. Jedes Tackling, überhaupt jede gelungene Abwehraktion wird gefeiert.
Allein, ein bisschen mehr Lust an der Offensive hätte es schon sein dürfen. Nach 21 Minuten trifft Jovo Lukic per Kopf im Anschluss an einen Eckball zum 1:0. Der 27-Jährige absolviert an diesem Nachmittag in Toronto sein erst viertes Länderspiel. Ein Tor für Bosnien? Hat er noch nie erzielt – er hat sich den perfekten Zeitpunkt für die Premiere ausgesucht.

Und die Kanadier? Sie warten auch bei ihrer dritten WM-Teilnahme weiter auf einen Sieg. Sowohl 1986 wie auch 2022 verloren sie alle drei Partien. Das süsse Gefühl des Gewinnens will und will einfach nicht aufkommen.
Die Kanadier rennen und rackern unermüdlich. Sie flanken Bälle in den Strafraum ohne Ende. Aber sie kämpfen lange etwas unglücklich. Und vermissen Alphonso Davies merklich. Der Bayern-Star ist noch angeschlagen, für das Duell mit der Schweiz könnte es jedoch reichen.
Den späten Ausgleich verdienen sie sich gleichwohl. Und damit die Aussicht, die Gruppenphase zu überstehen. Dank des Modus mit acht von zwölf Gruppendritten, die ebenfalls weiterkommen. Ein Sieg gegen Katar dürfte schon reichen. Es ist dieser Fakt, an dem sich auch die Bosnier festhalten.
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