Fussball-Nationalmannschaft

Startelf-Ambitionen und ein breites Kader wie nie: Die Erkenntnisse aus dem Test gegen Jordanien

Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft gewinnt 4:1 gegen Jordanien und kann wichtige Schlüsse ziehen, bevor sie am Dienstag in die USA fliegt, wo in knapp zwei Wochen das erste WM-Spiel ansteht.
Breel Embolo (links) und Michel Aebischer beweisen gegen Jordanien ihre Bedeutung für das Nationalteam.
Bild: Philipp Kresnik/freshfocus

Es ist der letzte Auftritt auf heimischem Boden für die Schweizer Nationalmannschaft. Und als wollte man sich gebührend verabschieden, bevor es für die Mannschaft am Dienstag in Richtung USA und Weltmeisterschaft geht, erzielt die Nati dank einer guten ersten Halbzeit beim Sieg gegen Jordanien vier Tore und holt den ersten Sieg dieses Kalenderjahres.

Das Spiel endet jedoch absurd: Nachdem schwerer Regenfall und ein Gewitter dafür sorgen, dass die Partie vermeintlich in der 87. Minute abgebrochen wird, müssen die Teams tatsächlich noch einmal auf den Rasen, um die verbleibenden drei Minuten bis zur 90. nachzuholen. Ansonsten hätte der Match nicht gewertet werden können. Eine absurde Regelauslegung, so das Votum der Spieler, die teilweise schon die Schuhe und die durchnässte Kleidung ausgezogen hatten in der Kabine. Was sonst noch zu reden gab.

Auf Mvogo ist Verlass – sollte es ihn brauchen

30 Minuten lang hat er so gut wie gar nichts zu tun, doch dann ist Yvon Mvogo da. Ganz stark, wie er nach einem katastrophalen Rückpass von Granit Xhaka reagiert und den Abschluss des alleine auf ihn zulaufenden Musa Al-Tamari vereitelt. Der Lorient-Keeper beweist so seinen Wert und demonstriert, dass auf ihn Verlass wäre, sollte Nummer-1-Goalie Gregor Kobel – der geschont wurde, nachdem er unter der Woche krank war – an der WM ausfallen. Etwas sinnbildlich, dass das einzige Gegentor des Tages fällt, als Mvogo schon ausgewechselt ist – auch wenn Marvin Keller bei seiner Premiere im Nati-Goal nichts anzukreiden ist.

Manzambi ist eine Augenweide – egal auf welcher Position

Während er bei Freiburg jeweils im defensiven Mittelfeld aufläuft, kam Johan Manzambi in der Nati bislang meist über die Seite. Nun rückt er ein, kommt als Spielmacher zum Zug – und beeindruckt. Im Kampf um einen Stammplatz macht er Werbung für sich selbst. Er ist gefühlt überall anzutreffen, zerpflückt die massierte Abwehr Jordaniens mit starken Zuspielen in die Tiefe und strotzt nur so vor Spielwitz und -Eleganz. Genau solche Lösungsansätze werden die Schweizer wohl gegen all ihre drei Gruppengegner (Katar, Bosnien, Kanada) benötigen. So macht es nicht nur unfassbar viel Freude, ihm zuzuschauen. Er dürfte Coach Murat Yakin zum Nachdenken bringen, wenn es darum geht, ob Fabian Rieder als Spielmacher an der WM spielen wird – oder doch der wertvollste Schweizer im ganzen Kader. «Johan ist ein sehr starker Spieler, der mit einem guten Selbstvertrauen eingerückt ist. Und er ist eine weitere, gute Option», sagt Yakin über ihn.

Die offensive Flexibilität ist beeindruckend

Offensive Variabilität – immer wieder wird sie von Yakin propagiert. Wahrscheinlich war sie aber wirklich nie grösser als im aktuellen Kader. Manzambi ist sowieso überall anzutreffen. Die Entdeckung der EM 2024, Michel Aebischer, ist bereits in WM-Form. Yakin streicht sein Timing und sein Positionsspiel heraus sowie «die überraschenden Elemente, die er immer wieder im Spiel hat». Passend dazu kommt Aebischers Assist auf Dan Ndoye vor dem 2:0 von der rechten Seite, obschon er nominell als linker Schienenspieler aufgestellt ist.

Auch Remo Freuler ist ein gutes Beispiel: Er taucht immer wieder im Strafraum auf, holt so den ersten Penalty raus. Diese Freiheiten für die Spieler macht die Schweizer Nati sofort sehr viel unberechenbarer und schwerer zu verteidigen. Und sie zeugt von einer Breite im Kader. Gefragt, ob er an seinen beiden Endrunden-Teilnahmen noch nie ein derart breites Kader hatte, sagt Yakin: «Man kann es so sehen, ja. Wir haben viele Spieler, die im Rhythmus sind und in guten Ligen spielen. »

Amdouni zeigt, wieso er trotz langer Verletzungspause im Kader ist

Fast die komplette Saison hat Zeki Amdouni nach seinem Kreuzbandriss im Juli letzten Jahres verpasst. Gerade einmal zu vier Teileinsätzen am Ende der Spielzeit kam der 25-Jährige. Dennoch war ihm ein Platz im Kader von Murat Yakin gewiss. Weil Yakin vom Zocker Amdouni verzückt ist. Der Spieler selbst nutzt seine 45 Einsatzminuten dann, um zu unterstreichen, dass der Nationaltrainer ihn zurecht aufgeboten hat: Er ist ein belebendes, kreatives Element in einer Mannschaft, die nach diversen Wechseln nach der Pause nicht mehr so recht überzeugen mag.

Embolo unterstreicht, dass er unverzichtbar ist

Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber es wird immer deutlicher: Breel Embolo ist unverzichtbar. Nicht nur, weil er ein Tor erzielt und einen Penalty herausholt. Sondern weil er vorangeht, auch hervorragende Pässe spielen kann (bevor Freuler den Elfer rausholt) und eine perfekte Balance gefunden hat zwischen Leader und Lausbub.

Kybunpark. — SR Saggi. — 13'380 Zuschauende. — Tore: 28. Embolo 1:0 (Penalty), 33. Ndoye 2:0, 45+10. Xhaka 3:0 (Penalty), 52. Fakhoury 3:1, 79. Fassnacht 4:1.
Schweiz 1. Halbzeit: Mvogo; Zakaria, Akanji, Elvedi; Ndoye, Freuler, Xhaka, Aebischer; Manzambi, Embolo, Vargas.
Schweiz 2. Halbzeit: Keller; Jaquez, Akanji (60. Cömert), Rodriguez; Widmer, Jashari, Xhaka (60. Sow), Aebischer (60. Muheim); Fassnacht, Embolo (72. Itten), Amdouni.

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