Darf das wirklich wahr sein? Um 23:05 Uhr platzt der Schweizer Traum. Der Puck liegt im Tor hinter Leonardo Genoni. Finnland jubelt über den fünften Weltmeister-Titel der Geschichte. Die Schweiz verliert auch den fünften WM-Final. Konsta Helenius ist es, der die gesamte Schweiz ins Tal der Tränen stürzt.

Im Stadion von Zürich herrscht Schockstarre. Ungläubige Blicke. Es fehlen die Worte, um zu beschreiben, was gerade geschehen ist. Silber - nur schon der Gedanke daran schmerzt. Der Abend hätte mit der Vollendung einer ganzen Generation enden sollen. Es sollte nicht sein. Die Schweiz muss weiter warten, bis der Gold-Traum in Erfüllung geht. Dieser Schmerz wird noch lange andauern.
Andächtige Stille im Stadion
Es dauert einige Momente, dann rappelt sich das Publikum auf. Und feiert die Schweizer noch einmal. Denn eines darf bei allem Schmerz über die finale Niederlage nicht vergessen gehen. Diese WM war nicht einfach ein Turnier. Diese WM war ein Gefühl. Wer mit dabei sein durfte, wird das Erlebnis noch lange mit sich tragen. Und irgendwann werden die Momente der Euphorie während 16 von 17 WM-Tagen auch wieder ins Bewusstsein drängen.
Es ist eine Symbiose entstanden zwischen Spielern und Fans, die man vielleicht erhofft, aber bestimmt nicht erwartet hat. Die Wochen, in denen die Entlassung von Patrick Fischer das einzige Thema war, verflogen innert Kürze. Der ehemalige Nati-Trainer wurde gestern von einigen Fans mit einem Plakat «Danke Fischi» geehrt. Wer ihn kennt, der weiss: Die Niederlage gegen Finnland tut ihm genauso weh wie jene im Olympia-Viertelfinal gegen denselben Gegner oder jene in den vergangenen WM-Finals – auch wenn er nicht mehr an der Bande steht.
Die Worte von Marco Odermatt in der Garderobe
Es hat sich während der WM zur Tradition entwickelt, einen Gast in die Schweizer Garderobe einzuladen und diesen die Starting Six verlesen zu lassen. Roger Federer tat es gegen die Schweden im Viertelfinal. Nun fällt die Ehre Ski-Star Marco Odermatt zu. Er schickt die Schweizer mit diesen Worten in den Final: «Jungs, es war absolut genial, was ihr die letzten neun Spiele gezeigt habt. Die Finalteilnahme ist mehr als verdient. Geniesst jede Minute. Geht mit einem Lachen aufs Eis. Gebt Vollgas.» Und er schliesst: «Ihr habt die Finnen schon mal bezwungen – jetzt so richtig!»
Doch als das Spiel beginnt, wird schnell klar: So locker flockig, wie sich das Odermatt vorstellt, wird der Abend nicht. Im Gegenteil. Die Schweizer müssen so richtig leiden. Sind werden dominiert wie noch nie an dieser WM. Im ersten Drittel spielen nur die Finnen. Es braucht einen Leonardo Genoni in seiner bekannten Final-Form. Es braucht Glück (bei einem Lattenschuss). Und es braucht erneut die Hilfe des Videoschiedsrichters. Wie schon gegen die Schweden wird ein Gegentreffer zurückgenommen. Weil Lundell den Puck über der Höhe der Latte trifft, ist sein Tor ungültig.
Akt 2: Final-Nervosität und Warten auf Erlösung
Was aber muss passieren, damit die Schweiz endlich, endlich, endlich ein Tor schiesst in einem WM-Final? Sowohl 2024 gegen Tschechien (0:2), wie auch 2025 gegen die USA (0:1, n.V.) geht die Nati leer aus. Und auch jetzt scheinen die Schweizer durch die Affiche gehemmt. Eine doppelte Überzahl zu Beginn des zweiten Drittels, fast zwei Minuten lang, verläuft ereignislos.
Die gute Nachricht: Je länger die Partie dauert, desto mehr kämpft sich die Nati in diese Partie. Getragen in jeder Sekunde vom sensationellen Publikum. Die Fans spüren früh, dass es jede einzelne der 10'000 Kehlen in der Halle braucht. So langsam verschwindet die Nervosität. Bis zum Ende des Mitteldrittels ist die statistische Unterlegenheit der Schweizer fast eliminiert (15:16 Schüsse). Aber ein Tor will gleichwohl nicht fallen. Suter ist dem Erfolg am nächsten.
Dritter Nati-WM-Final ohne Tor nach 60 Minuten
Welche Farbe trägt der Held des Abends? Rot? Weiss-Blau? Es ist die grosse Frage. Und je länger die Torlosigkeit andauert, desto deutlicher wird: Eine einzige Aktion wird reichen, um eine Nation und sich selbst in den Olymp zu katapultieren. Eine einzige Aktion, die darüber richten wird, ob die Schweiz den grössten Sieg oder die schlimmste Niederlage der Geschichte erleben wird.
Auch im dritten Drittel fällt kein Tor. Suter, wieder er, kommt ihm am nächsten. Und weil auch Genoni makellos bleibt, muss wie vor einem Jahr die Verlängerung entscheiden. Zu diesem Zeitpunkt haben die Schweizer während 249:49 Final-Minuten nicht mehr getroffen. Dreimal in Serie kein WM-Final-Tor - darf das wahr sein?
Das Unheil kündet sich an. Und kommt bald in der Person von Konsta Helenius.
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