Wahres Glück

Scheitern schafft Identität: Der FC Aarau lehrt uns etwas fürs Leben

Je ungerechter die Niederlage, umso grösser die Kraft der Hoffnung auf das nächste Mal. Ein Kommentar.
Eingeschworenes Team: Der FC Aarau verpasste den Aufstieg gegen GC erneut, die Fans feierten ihn trotzdem (oder auch deswegen?).
Bild: Philipp Kresnik

7000 Anhänger des kleinen FC Aarau reisten ins grosse Zürich, in der Hoffnung, es klappe diesmal, beim elften Anlauf, mit dem Aufstieg in die oberste Fussballliga. Nach 124 Minuten stand die 1:2-Niederlage gegen GC fest. In der Verlängerung gehörten eine fragwürdige rote Karte und ein umstrittener Penalty zur unübertrefflichen Dramaturgie.

Danach feierten die Fans ihren Klub einfach weiter, als hätte er gewonnen. Im Verhältnis zur Grösse seines Einzugsgebiets ist der FC Aarau einer der populärsten Klubs der Schweiz. Die Zuschauerzahlen steigen und seine Identität schärft sich mit jedem Jahr, in dem er den Aufstieg verpasst – «veraarauert». Je unglücklicher, unverdienter und ungerechter, umso stärker dieser Effekt.

Es sind Vorgänge, die viele aus ihrem Leben kennen. Die Schülerin, die sich sorgfältig auf eine Prüfung vorbereitet und dann ein Blackout hat. Der Arbeitnehmer, der sich verausgabt und bei der Beförderung einem Blender unterliegt.

Wenn dann nach einer Ewigkeit mal ein Erfolg resultiert, ist die Eruption der Freude umso grösser. Man sah es jüngst im Hockey bei Fribourg-Gottéron: 80’000 Menschen feierten den ersten Meistertitel in der Vereinsgeschichte. Am Sonntag könnte auch der FC St. Gallen eine lange Ära des Scheiterns – im Cup – beenden. Holt er den Pokal, werden in St. Gallen Zehntausende ausgelassener feiern, als es beim wiederholten Titelgewinn des FC Bayern der Fall war.

Wahre Identität entsteht, im Sport wie im richtigen Leben, nicht durch serielles Gewinnen. Sondern durch den Umgang mit dem Verlieren. Nichts gibt mehr Kraft als die Hoffnung: Nächstes Mal klappt’s!

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