SCB-Präsident Carlo Bommes ist sich der historischen Bedeutung des Augenblicks bewusst. Zur Medienkonferenz hat er die VIP-Loge im 1. Stock des Berner Hockey-Tempels herrichten lassen. Für gewöhnlich werden Neuigkeiten im schmucklosen, engen Medienraum im Parterre verkündet.
Der Vorsitzende beginnt die Medienkonferenz mit leiser Stimme. Er übergibt das Wort an Marc Lüthi. Und eine Ära ist zu Ende. Marc Lüthi verkündet kurz, prägnant und ohne Emotionen – wie es die Art des streitbaren SCB-Bürogenerals nun mal ist – seinen Rücktritt. Er wird am 3. August 65 Jahre alt.
Am 30. April wird er alle seine Ämter beim SC Bern niederlegen. Also keinerlei Funktion mehr wahrnehmen und nur noch Matchbesucher sein. Nach 28 Jahren. Weil er nicht mehr der Mann sei, der den SCB in die Zukunft führen wolle und könne. Das ehrt ihn. Nur wenigen Berühmtheiten ist es vergönnt, den Zeitpunkt zum Rücktritt selber wählen zu können und sich erst noch zum richtigen Zeitpunkt zu verabschieden.
Marc Lüthi und das Versprechen für die Zukunft
Der Mann, der wie kein anderer den SC Bern gemanagt und geprägt hat, verspricht, er werde sich nicht einmischen. «Ich werde kein SCB-Vogel». Als Anspielung auf die ewige graue GC-Eminenz Erich Vogel. Eigentlich schade. Wer sorgt denn nun beim SCB wenigstens neben dem Eis für Unterhaltung?

Es wird keinen zweiten Marc Lüthi geben. Und wer ihn kopieren möchte, würde zum Clown. Daher ist die Nachfolgeregelung allein vom Persönlichkeitsprofil her perfekt: Nachfolger wird Jürg Fuhrer (53) aus dem emmentalischen Konolfingen. Ein Emmentaler übernimmt den SCB. Gotthelf erobert Bern. Und der Gegensatz zwischen Marc Lüthi und seinem Nachfolger könnte grösser nicht sein. Der charismatische, streitbare Macher wird durch einen leisen Teamplayer ersetzt. Freundlich, ohne Charisma. Seit 1999 in leitender Funktion bei einem Logistik-Unternehmen für Tierbedarf. Seit zwei Jahren im SCB-Verwaltungsrat. Um in der blumigen Sprache zu bleiben: Der SCB ersetzt den Bürogeneral durch eine Büroordonanz.
Das sind die SCB-Herausforderungen
Der neue SCB-Chef steht vor einer historischen Herausforderung. Fast – aber nur fast – wie damals Marc Lüthi bei seinem Amtsantritt 1998. Der Unterschied: Marc Lüthi musste den SCB nach einer Nachlassstundung wirtschaftlich neu aufbauen. Jürg Fuhrer übernimmt ein finanziell stabiles, gut organisiertes Unternehmen, das viel zu viel «Speck» angesetzt hat, und vor allem im sportlichen Bereich eine Schlankheitskur – einen Bürokratie-Abbau – dringend benötigt. Er kann sich auf die SCB-Führung konzentrieren. Um die Stadionfrage kümmert sich Präsident Carlo Bommes.
Die Nachfolgeregelung ist intern nicht ganz ohne Brisanz. Eigentlich hatte sich COO Pascal Signer – heute zuständig für den ganzen Kommerz - als Kronprinz gesehen. Nun ist er übergangen worden. Wird er loyal bleiben oder zum «SCB-Brutus»? Carlo Bommes geht davon aus, dass der innere Frieden bewahrt bleibt. Sein Wunsch in Gottes Ohr. Der Keim zu einer kernigen Büro-Intrige ist gelegt. Pascal Signer ist seine Herkunft zum Verhängnis geworden: Ein St. Galler, der beim EHC Kloten eine leitende Funktion hatte. Ein Ostschweizer mit dem Stallgeruch eines Zürchers kann nicht «Mister SCB» werden. Punkt.
In der 28-jährigen «Ära Marc Lüthi» holte der Schlittschuhclub Bern sechs Meistertitel plus zwei Cupsiege mit dem Fanionteam. Die Frauen des SCB holten ebenfalls zwei Titel. Lüthi ist auch nicht der Meinung, dass der SCB in seiner Entwicklung etwas verpasst hat. «Verpasst haben wir einzig den Anschluss in der Tabelle. Aber auch da bin ich der Meinung, dass in dieser Saison durchaus noch etwas möglich ist.»


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