Er hat ein Imperium aufgebaut wie ein Jeff Bezos des Hockeys: Marc Lüthi ist in den 1990er Jahren eine populäre Lokalgrösse als Nachrichten-Anchorman von «TeleBärn». 1998 übernimmt er dank eines schlauen Deals das Management beim SC Bern. Der Klub ist sportlich intakt, aber bankrott und muss in die Nachlassstundung. Marc Lüthi, an einer Marketing-Agentur beteiligt, ist zu einem sechsstelligen Forderungsverzicht bereit, wenn er seinen Traumjob «SCB-Manager» bekommt.
Der SCB ist im Laufe seiner 28-jährigen Amtszeit ein Hockey-Konzern geworden, der mit Sport und Gastronomie rund 60 Millionen im Jahr umsetzt und in den 28 Jahren unter Lüthi nur zweimal nicht schwarze Zahlen geschrieben hat. Aus selbst erwirtschafteten Mitteln – also ohne Mäzen – hat der SCB unter Lüthi sechs Titel geholt: 2004, 2010, 2013, 2016, 2017 und 2019.
Sein Erfolg ist ihm ein wenig zum Verhängnis geworden. Nicht, dass ihm der Ruhm zu Kopfe gestiegen wäre. Aber mit der Entwicklung vom Klub zum Konzern war er mehr und mehr auf fähige Mitarbeiter angewiesen. Hatte er einst auch in sportlichen Dingen das letzte Wort, entliess er in den letzten sechs Jahren die Sportabteilung in die Selbständigkeit und mit einer Serie von personellen Fehlbesetzungen – von Alex Chatelain über Florence Schelling bis Patrik Bärtschi und Martin Plüss – ist die SCB-Sportabteilung im Chaos versunken.
Marc Lüthi und das Versprechen für die Zukunft
Marc Lüthi hat wie kein anderer Sportmanager im Land «sein» Sportunternehmen (er ist auch Mitbesitzer) geführt, gemanagt, geprägt und gelebt. SCB-Präsident Carlo Bommes war sich der historischen Bedeutung des Augenblicks bewusst. Für gewöhnlich werden Neuigkeiten im schmucklosen, engen Medienraum im Parterre kommuniziert. Doch zur Verkündung von Marc Lüthis Rücktritt hat er die VIP-Loge im 1. Stock des Hockey-Tempels herrichten lassen.
Marc Lüthi verkündet seinen Rücktritt kurz, prägnant und ohne Emotionen – wie es die Art des streitbaren SCB-Bürogenerals nun mal ist. Er wird am 3. August 65 Jahre alt. Am 30. April wird er alle seine Ämter beim SC Bern niederlegen, also keinerlei Funktion mehr wahrnehmen und nur noch Matchbesucher sein. Weil er nicht mehr der Mann sei, der den SCB in die Zukunft führen wolle und könne. Das ehrt ihn. Nur wenigen Berühmtheiten ist es vergönnt, den Zeitpunkt zum Rücktritt selber wählen zu können und sich erst noch zum richtigen Zeitpunkt zu verabschieden. Er verspricht sogar, sich künftig nicht einzumischen. «Ich werde kein SCB-Vogel», sagt er, als Anspielung auf die ewige graue GC-Eminenz Erich Vogel. Eigentlich schade. Wer sorgt denn nun beim SCB wenigstens neben dem Eis für Unterhaltung? Aber wir können davon ausgehen, dass er sein Versprechen nicht einhalten wird.
Es wird keinen zweiten Marc Lüthi geben. Und wer ihn kopieren möchte, würde zum Clown. Daher ist die Nachfolgeregelung allein vom Persönlichkeitsprofil her perfekt: Nachfolger wird Jürg Fuhrer (53) aus Konolfingen. Ein Emmentaler übernimmt den SCB. Gotthelf erobert Bern.

Kommt es zur Intrige in den SCB-Büros?
Der Gegensatz zwischen Marc Lüthi und seinem Nachfolger könnte grösser nicht sein. Der charismatische, streitbare Macher wird durch einen leisen Teamplayer ersetzt. Freundlich, ohne Charisma. Seit 1999 in leitender Funktion bei einem Logistik-Unternehmen für Tierbedarf. Seit zwei Jahren im SCB-Verwaltungsrat. Um in der blumigen Sprache zu bleiben: Der SCB ersetzt den Bürogeneral durch eine Büroordonanz.
Die Nachfolgeregelung ist intern nicht ganz ohne Brisanz. Eigentlich hatte sich COO Pascal Signer – heute zuständig für den ganzen Kommerz – als Kronprinz gesehen. Nun ist er übergangen worden. Wird Signer loyal bleiben oder zum «SCB-Brutus»?
Carlo Bommes geht davon aus, dass der innere Frieden bewahrt bleibt. Sein Wunsch in Gottes Ohr. Der Keim zu einer kernigen Büro-Intrige ist gelegt. Signer ist seine Herkunft zum Verhängnis geworden: Ein St.Galler, der beim EHC Kloten eine leitende Funktion hatte. Ein Ostschweizer mit dem Stallgeruch eines Zürchers kann nicht «Mister SCB» werden. Punkt.


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