Fangewalt

Streit um Fanzüge geht weiter: FCZ attackiert SBB

Droht ein Bahnchaos rund um das Spiel Sion-FCZ vom kommenden Samstag? Die SBB befürchten überfüllte Züge. Der FCZ wirft den Bundesbahnen «Eskalation» vor. Das sind die Hintergründe.

Der Streit um Extrazüge für Fussballfans geht in die nächste Runde. Gut möglich, dass es nun sogar zur Eskalation kommt. Was ist passiert?

Am Samstag findet das Super-League-Spiel Sion-FCZ statt. Anpfiff: 20.30 Uhr. SRF überträgt live. Wie schon in der letzten Runde bei Lugano-YB organisieren die SBB keinen Extrazug für die Fans. Diesmal indes nicht nur wegen ihrer neuen Praxis, keine Extrazüge nach Betriebsschluss mehr anzubieten. Sondern auch wegen Bauarbeiten auf den Strecken Visp-Brig und Bex-Villeneuve.

Im Unterschied zu Lugano-YB am letzten Samstag wird das Spiel Sion-FCZ von der Swiss Football League nicht vorverschoben. Die Zürcher Südkurve hat schon anfangs September das Motto «Sion eifach» ausgerufen. Die Fans werden am Samstag gleichwohl nach Sion reisen – nicht im Extrazug, sondern in Regelzügen. Wie sie nach Hause kommen? Völlig unklar.

SBB: «Spiel findet statt trotz frühzeitiger Information»

Diese Ausgangslage versetzt die SBB in Aufruhr. Am Montag verschicken die Bundesbahnen eine Medienmitteilung mit dem Titel in roter Schrift: «Wegen Baustellen kein Fanzug FC Sion – FC Zürich möglich». Darin steht unter anderem: «Die SBB hat die Swiss Football League bereits frühzeitig im Rahmen der Spielplangestaltung auf die Baustellensituation im Wallis hingewiesen. Nach der Veröffentlichung des Spielplans informierte sie die Liga, den FC Zürich sowie die Fangruppen zudem ausdrücklich darüber, dass für das Spiel FC Sion – FC Zürich am 19. September 2026 kein Fanzug angeboten werden kann.»

Und weiter: «Seit Bekanntwerden des Spielplans steht die SBB mit Behörden, Polizeikorps, Liga und Clubs im Austausch. Die frühzeitige Information hätte den zuständigen Stellen die Möglichkeit gegeben, alternative Anreiseformen – etwa mit Reisecars – zu planen und umzusetzen.» Schlussfolgerung der SBB: «Obwohl die SBB bereits frühzeitig darauf hingewiesen hat, findet das Spiel statt.»

FCZ: «Eskalationsstrategie der SBB ist falsch»

Die Mitteilung der SBB ist in ungewöhnlichem Ton verfasst. Sie malt ein Schreckensszenario. Garniert mit Vorwürfen an Liga und FC Zürich. Beim Zürcher Fussballklub ist die Stimmung entsprechend. Die Verantwortlichen sind erbost über die Vorgehensweise der SBB. Am Dienstagabend um 21 Uhr verschickt der FCZ eine Stellungnahme. Und attackiert dabei die SBB.

Die Anschuldigung, dass der FCZ und die Swiss Football League (SFL) rechtzeitig über die Baustellen informiert worden seien und keine alternativen Massnahmen geprüft hätten, sei «falsch und wird vom FC Zürich zurückgewiesen». Und der FCZ fügt an: «Weiter verschweigt die SBB den Fakt, dass sie seit dieser Saison 2026/27 keine Extrazüge ausserhalb des Regelbetriebs mehr anbietet. Dieser Entscheid wurde dem FC Zürich, der SFL sowie den Fanvertretungen vor Saisonbeginn als vollendete Tatsache kommuniziert. Sämtliche Bemühungen, diesen Entscheid rückgängig zu machen, waren bisher erfolglos.»

Pikant: Aufgrund der Ausgangslage beantragte der FCZ bei der Liga am 8. September, das Spiel auf 18.00 Uhr zu verschieben. Offenbar also kurz nachdem die Fans der Südkurve angekündigt hatten, auch ohne Extrazug mit der Bahn nach Sion zu reisen. Der Antrag sei jedoch mit dem Verweis abgelehnt worden, dass nur eine Anordnung der Behörden eine Verschiebung möglich mache. Und eine solche liege gemäss FCZ «Stand heute» nicht vor.

Zum Ende seiner Stellungnahme schlägt der FCZ mit ebenso scharfen Worten zurück: «Die kommunikative Eskalationsstrategie der SBB hält der FC Zürich für falsch und ruft alle beteiligten Akteure dazu auf, sich in einem lösungsorientierten Dialog für den Erhalt des heutigen Extrazugsystems einzusetzen.»

Auf Anfrage von «Schweiz heute» möchte sich der FCZ nicht weiter äussern.

Wie reagiert die Liga?

Die Frage ist nun: Wie reagiert die Swiss Football League? Bleibt es bei der Anspielzeit 20.30 Uhr? Oder hat sich die Ausgangslage so sehr verschärft, dass sich die Liga zusammen mit den Walliser Behörden doch noch eine Vorverschiebung durchdrückt?

Fortsetzung folgt.

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