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Rücktritt Federer

Roger Federer steht die ganze Welt offen

Roger Federer sagt es in seiner Rücktritts-Botschaft selber: Er wird weiter Tennis spielen und dem Sport erhalten bleiben. Optionen gibt es für den Superstar im baldigen Ruhestand viele.
Die naheliegendste erste neue Aufgabe für Federer wäre der Laver Cup - er könnte zum Beispiel das Captainamt des europäischen Teams von Björn Borg übernehmen
Bild: KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI

Roger Federer ist nicht Serena Williams, die Schweiz ist nicht Amerika. Eine schlichte Botschaft auf Instagram musste genügen, um das Ende einer einmaligen Karriere zu verkünden. Völlig von der Bildfläche verschwinden wird er allerdings auch nach dem letzten Wettkampf kommende Woche am Laver Cup in London nicht.

"Das Tennis war sehr gut zu mir", bedankt sich Federer bei dem Sport, der ihm so viel gegeben und ihm umgekehrt auch so viel zu verdanken hat. Es ist deshalb undenkbar, dass seine Zukunft ohne Tennis auskommen wird. Er hat zwar nicht mit dem Aufbau einer Investmentfirma vorgesorgt wie Williams, doch einer so prägenden Figur wie Federer stehen fast alle Möglichkeiten offen.

Klar scheint, dass er nun - noch mehr als in den verletzungsgeplagten letzten zwei Jahren - der Familie den Vorrang geben wird. Damit scheint ausgeschlossen, dass Federer kurz- und wohl auch mittelfristig einen Vollzeit-Coachingjob auf der Tour mit den damit verbundenen vielen Reisen übernehmen wird. Viel wahrscheinlicher ist eine der folgenden Optionen.

Laver Cup

Die naheliegendste erste neue Aufgabe für Federer wäre der Laver Cup. Er hat den Kontinente-Wettkampf zwischen Europa und dem Rest der Welt zu Ehren des grossen Rod Laver mitentworfen und ist sein grösster Promoter, Dafür verschiebt er sogar seinen endgültigen Rücktritt noch einmal um eine Woche. Die Prognose sei erlaubt, dass Federer eher früher als später Björn Borg als Captain des europäischen Teams ablösen wird. Welcher Star könnte in Zukunft schon Nein sagen, wenn die Legende ruft.

Davis-Cup-Captain

Mit dem Ende seiner Aktivkarriere ist Federers Coach Severin Lüthi frei für neue Aufgaben. Der 42-jährige Berner hat sich in den letzten Jahrzehnten beste Kontakte und Referenzen im internationalen Tenniszirkus aufgebaut. Sollte er Vollzeit-Coach werden, dürfte das Amt des Davis-Cup-Captains frei werden. Lüthi steht seit 17 Jahren an der Spitze der Mannschaft, mit der er 2014 den wichtigsten Team-Wettkampf im Tennis gewann. Federer wäre ein logischer Nachfolger. Der Davis Cup lag ihm immer am Herzen, auch wenn er in den letzten Jahren nie mehr in seinen zunehmend schrumpfenden Terminplan passte. Auch die Perspektiven sind mit einigen aufstrebenden Jungen nicht so schlecht. Ein Haken könnten allerdings die zum Teil recht beschwerlichen Reisen an Auswärtsspiele (wie dieses Wochenende in Ecuador) sein. Ein Aufstieg in die Elite würde diese Gefahr deutlich vermindern.

Mentor

Federer könnte auch einen der jungen Schweizer Spieler unter seine Fittiche nehmen. Als Mentor und Berater bei Trainings in der Schweiz, nicht als Vollzeit-Coach. Dass er andere Menschen inspirieren kann, hat er im Lauf seiner Karriere noch und noch bewiesen. Der Rummel und der öffentliche Druck, erfolgreich zu sein, wäre für den betreffenden Spieler allerdings beträchtlich.

Turnierdirektor

Die Swiss Indoors und Roger Federer - das ist eine fast schon lebenslange Liebesgeschichte. 1992 und 1993 war Federer am Basler Turnier Ballkind, seine Mutter arbeitete in der Turnierorganisation bei der Badge-Ausgabe mit. Mit zehn Titeln ist der in der Stadt Basel geborene Münchensteiner natürlich der Rekordhalter, hier gewann er im Oktober 2019 sein 103. und, wie man nun weiss, letztes ATP-Turnier. Und bereits vor zwölf Jahren hatte Federer durchblicken lassen, dass er Interesse hätte, falls Turniergründer und -direktor Roger Brennwald einmal verkaufen will. Damals kam das Angebot beim anderen grossen "Roger aus Basel" nicht gut an. Auch mit 76 Jahren macht Brennwald keinerlei Anstalten aufzuhören. Doch Federer wäre ein idealer Nachfolger - oder während einer gewissen Zeit Assistent. und "Lehrling". Er ist bei seinen (Ex-)Kollegen beliebt und könnte mithelfen, dass auch weiterhin die besten Spieler der Welt gerne in der St. Jakobshalle Halt machen - wie dieses Jahr die neue Nummer 1 Carlos Alcaraz. Federer hätte auch das nötige Kleingeld, um das Turnier zu kaufen, falls Brennwald doch einmal kürzer treten möchte.

Wohltäter

Die Kinder in Afrika werden auch in Zukunft Unterstützung und Geld benötigen. Federer wird weiter - oder erst recht - für seine Stiftung aktiv sein. Und wer weiss: Wenn Rafael Nadal in nicht allzu ferner Zukunft ebenfalls seinen Schläger an den Nagel hängt, würde nichts gegen einen weiteren "Match for Africa" der beiden mittlerweile guten Freunde sprechen.

TV-Experte

Sein Jugendfreund Marco Chiudinelli hat es schon vorgemacht. Jede TV-Station würde Federer natürlich mit Handkuss nehmen. Es könnte dem Interesse der Zuschauer in der grundsätzlich anspruchsvollen Nach-Federer-Fernseh-Zeit nur gut tun.

ATP-Präsident

Federer fühlt sich auf jedem Parkett wohl. Neun Jahre vertrat er die Tennisprofis im Spielerrat der ATP, einige Zeit auch als Präsident. Vielleicht geht er in Zukunft ja noch einen Schritt weiter und wird einst Präsident der ATP. So könnte er die Geschicke seines geliebten Sports an vorderster Front mitbestimmen. (sda)

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