
«Dieses Projekt wird meiner Überzeugung nach alle Dimensionen der Aufmerksamkeit für Volleyball sprengen, insofern wir unseren Job gut machen.» Peer Harksen schwärmt von Eintracht Spontent, dem er seit Sommer 2024 angehört. Der 30-jährige Steinhauser, der davor während drei Saisons für Volley Luzern in der NLA performte, spielt beim Regionalligisten aus Düsseldorf als Passeur und zählt zu den Leistungsträgern. Das ist an und für sich kaum eine Schlagzeile wert, sportlich ist der Schweizer Nationalspieler unterfordert.
Viel bemerkenswerter ist die Aufmerksamkeit, die der Leader der vierthöchsten Liga Deutschlands in den sozialen Medien auf sich zieht. Während sich bei Heimspielen in der Regel nur etwa 50 Fans in die Halle verlieren, schauen auf den digitalen Plattformen Zehntausende zu. Die Abonnemente bei TikTok und Twitch haben mittlerweile die 100’000er-Marke überschritten, auch auf YouTube (62’400) und Instagram (55’600) steigt die Anzahl der Follower kontinuierlich. «Authentisch, ehrlich und neu», betitelt Mitbegründer und Vorstand Dirk Funk das Erfolgsrezept.
Ziel: aus der Bezirksliga in die 1. Bundesliga
Entstanden ist die Idee aus einer Betriebsmannschaft der Spontent GmbH, die in den sozialen Medien Sportinhalte interaktiv aufbereitet. Drei Aufstiege haben die Düsseldorfer, die in der Bezirksliga starteten, bereits hinter sich, doch mit dem Essen kam der Appetit: Eintracht Spontent will in den nächsten Jahren bis in die 1. Bundesliga voranmarschieren und nicht weniger als der nahbarste, interaktivste und modernste Profi-Verein aller Zeiten werden. «Dieses Ziel ist aus unserer Sicht realistisch», versichert Funk.
Doch wie generieren Amateursportler ein solches Aufsehen? Mit einem Mix aus Sport und Spass. Auf Twitch werden die Spiele live und mit Kommentar übertragen, während etwa auf TikTok oder Instagram Spielszenen und Schiedsrichter-Entscheidungen mit Soundeffekten in Kurzvideos gezeigt werden. Auch Spielzüge und Trainingsübungen werden regelmässig erklärt. «Vor der Gründung unseres Vereins haben wir die Volleyball-Bundesliga medial betreut und sahen sehr genau, was fehlt. Das war und ist vor allem der Wille, sich einfach mal was zu trauen und etwas neu zu machen», erklärt Funk. Entweder hänge man in alten Strukturen fest oder habe Angst vor einem Shitstorm.
Im Volleyball ist die Diskrepanz zwischen Aktiven und jenen, die sich Partien auf Topniveau anschauen, riesig. «Reiner Profisport oder zumindest wie er übertragen wird, nicht reicht, um die Menschen dafür zu begeistern. Ich denke, unser Ansatz und der Fokus auf Witziges, Ausraster oder weiteren authentischen Momenten auf und neben dem Court bilden eine Brücke für diese Menschen.» Mittlerweile generiert man auch ausserhalb der Community Interesse. «Es soll eben Unterhaltung sein, kein reiner Content für Volleyball-Fans.»
Ein Verein, der als Marketingprojekt quasi aus dem Nichts an die Spitze kommt, weckt Assoziationen zum Fussball. «Tatsächlich war RB Leipzig das Vorbild», sagt Funk und fügt an: «Wir machen keinen Hehl daraus, dass unsere Satzung durchaus einen kommerziellen Ansatz hat. Wenn der Verein irgendwann die Möglichkeiten hat, Geld zu verdienen, dann sollte er das auch machen. Noch zahlen wir aber weder Prämien noch Gehälter an Spieler aus.» Harksen, der Social Media studierte, ist beispielsweise gleichzeitig in der Firma Spontent als Redakteur angestellt.
Glücksgriff Harksen hat auch Hater
Früher übertrug Harksen Heimspiele von Volley Luzern auf seinem Twitch-Kanal per Livestream, nun ist er für Spontent im Büro und auf dem Platz «ein enormer Glücksgriff», wie Funk betont. Trotz seiner grossen Volleyball-Qualitäten und seiner Erfahrung sei es für den Zuger zunächst aber nicht leicht gewesen, den Druck und die neue Rolle anzunehmen. «Wenn er nicht überragend spielt, gibt es in der digitalen Welt immer direkt Hater, die sagen: ‹Der spielt Nationalmannschaft?!› Das ist für ihn, denke ich, nicht leicht.»
Harksen selbst mag über sein Ausland-Abenteuer nicht berichten, verweist stattdessen auf seine Social-Media-Kanäle. Der versierte Zuspieler verfügt sicherlich über das Rüstzeug, um die Düsseldorfer auf ihrem sportlichen Weg bis ganz nach oben zu begleiten. Dabei stellt sich die Frage: Wäre ein solches Projekt auch in der Schweiz möglich? «Selbstverständlich», antwortet Funk. «Man muss halt einfach mal anfangen, sich trauen sowie die Vision und die Leidenschaft haben.» Tatsächlich findet sich bereits ein Schweizer Pendant im Kanton Aargau, es heisst «Brächstange TV» und hat auf TikTok immerhin knapp 7200 Follower.

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