
Der Fälschungsskandal rund um Patrick Fischer beschäftigt die Schweiz. Vor den Olympischen Spielen 2022 in Peking hatte sich der Eishockey-Nationaltrainer für 400 Schweizer Franken ein gefälschtes Covid-Zertifikat gekauft. Am Montag gestand Fischer in einem Statement, dass er sich damals nicht impfen lassen wollte und es als einzige Option sah, das Team trotzdem bei Olympia zu coachen.
«Ich befand mich in einer aussergewöhnlichen persönlichen Notlage, da ich mich nicht impfen lassen wollte. Gleichwohl wollte ich mein Team an den Olympischen Spielen auf keinen Fall im Stich lassen», erklärte Fischer, der für Urkundenfälschung verurteilt wurde.
In China waren die Einreisekriterien für Ungeimpfte damals zwar streng, aber es hätte eine Option für Fischer gegeben. Athletinnen und Funktionäre, die damals ohne Impfung bei Olympia dabei sein wollten, konnten sich nach der Ankunft in China für drei Wochen in Quarantäne begeben. Der Nati-Trainer wäre nicht der einzige Schweizer gewesen, der sich für diese Option entschieden hätte. Snowboarderin Patrizia Kummer ging diesen Weg.
Die Walliserin, die 2014 im Parallel-Riesenslalom in Sotschi die Goldmedaille gewann, verbrachte damals drei Wochen in Isolation. In Peking befand sich Kummer in einem etwa 25 Quadratmeter grossen Zimmer und musste sich so auf den wichtigsten Wettkampf der Saison vorbereiten.

In einem Interview mit SRF erklärt Kummer, dass sie sich mit kleinen Tricks ein Heimatfeeling in ihr Zimmer holte. «Zum Beispiel habe ich Sirup von zu Hause mitgenommen, damit ich einen vertrauten Geschmack dabeihabe», sagte Kummer, welche die Quarantäne weder mental noch körperlich belastend fand.
Auch heute würde Kummer erneut diesen komplizierten Weg auf sich nehmen, wie sie erklärte: «Mir war bewusst: Wenn ich die Freiheit haben will, mich nicht impfen zu lassen, dann muss ich mich drei Wochen in Quarantäne begeben. Ich finde einfach, wir Sportlerinnen und Sportler sind privilegiert, dann halte ich mich auch an die Spielregeln und mache kein Drama daraus.»

Die heute 38-Jährige verzichtete damals aus persönlichen Gründen auf eine Impfung. «Andere haben sich für ihren Job entschieden, ich für meinen Körper», gab Kummer vor vier Jahren zu Protokoll.
Ein Corona-Zertifikat zu fälschen, wie es Fischer gemacht hat, wäre für die Snowboarderin keine Option gewesen. «Wenn ich betrogen hätte, dann hätte ich nachher nicht mehr in den Spiegel schauen können. Das war es mir einfach nicht wert», gestand Kummer. Nach der Quarantäne liefen die Olympischen Spiele allerdings nicht nach Wunsch. Im Parallel-Riesenslalom scheiterte sie bereits im Achtelfinal.
Der Fall von Kummer zeigt, dass auch Fischer eine Alternative hatte. Zwar wäre es nicht die optimale Vorbereitung gewesen, um alles für den Anlass vorzubereiten, doch hätte er dabei keine Straftat begangen, für die er später zu einer Geldstrafe von 38'910 Franken verurteilt wurde und die ihn viele Sympathiepunkte in der Öffentlichkeit kostete. (riz, watson.ch)



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