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Mailand

Olympische Winterspiele – na und?

Mailand integriert die Spiele geräuschlos in den urbanen Alltag.
Ohne die Werbeplakate für die Winterspiele würde man auf dem verregneten Domplatz in Mailand nichts von Olympia wahrnehmen.
Bild: Luca Bruno

In Mailand regnet es. Es regnet beharrlich. Wer soeben angekommen ist, um die Olympischen Winterspiele 2026 zu suchen, findet vor allem nassen Asphalt. Selbst am Hauptbahnhof «Milano Centrale», wo pro Tag 500 Züge aus- und einfahren und mehr als 300'000 Reisende ein- und aussteigen, gibt es wenige Tage vor der Eröffnung nicht den geringsten Hinweis auf ein globales Spektakel.

Olympische Spiele - na und? Der Regen wird nicht in Schnee übergehen, es wird keine beissende Kälte kommen und auf dem nassen Asphalt wird sich kein Glatteis bilden. Den echten Winter für echte Winterspiele gibt es hier nicht. Dabei wird hier doch olympisches Gold im Eishockey und im Eiskunstlauf vergeben. Herzstücke der Winterspiele seit 1924, mit traumhaften TV-Quoten gerade in Amerika.

Doch das interessiert hier nicht viel mehr als eine Feldhandball-WM in Zürich. Eishockey? Der letzte berühmte Eishockeyspieler, der für einen Klub in Mailand gespielt und dessen Name auch hundert Meter weg vom Stadion noch ein Begriff war: Jari Kurri. Aber das war vor 36 Jahren.

Nicht zu vergleichen mit Paris oder Peking

Dass das olympische Spektakel auch kurz vor der Eröffnung im Zentrum der Stadt nicht zu erkennen, nicht einmal zu spüren, ja nicht einmal zu erahnen ist, hat schon seine Logik. Mailand versucht nicht, sich ausgerechnet über Wintersport neu zu erfinden, sondern integriert die Spiele einfach geräuschlos in den bestehenden urbanen Alltag. Wie eine der vielen Messen oder ein Spiel der ZSC Lions in Zürich.

Diese Stadt hat andere Massstäbe und - anders als zuletzt Peking oder Paris – auch nicht vor, die Welt mit olympischem Brimborium zu beeindrucken. Diese Stadt ist gewohnt, Bühne zu sein. Sie hat Kaiser und Kaufleute, Diktatoren und korrupte Demokraten, Moden und Umbrüche gesehen. Mailand bleibt Mailand – geschäftig, ein wenig kühl und jetzt auch noch regnerisch.

Die neuen Arenen am Rande der Stadt glänzen im Regen. Frischer Beton, grosse Versprechen. Natürlich liegt unter diesem Regen auch ein wenig Unruhe. Baustellen haben Spuren hinterlassen, Versprechen stehen im Raum wie feuchte, regnerische Luft. Aber wenn man irgendwo weiss, wie man mit Grossereignissen Geld macht, dann in Italien und erst recht in Mailand. Die Welt schaut auf uns, aber wir werden nicht rechtzeitig fertig, wenn wir nicht noch ein paar Millionen mehr aus der Staatskasse bekommen! Also kommen die Millionen.

Organisatorische Mängel gehören dazu

So ist das immer bei internationalen Sportanlässen in Italien. Organisatorische Mängel gehören dazu wie das Glockengeläut zur Alpabfahrt. Aber hat nicht die NHL wegen verschiedener Mängel zwischendurch sogar mit Boykott gedroht? Alles Theaterdonner. Die wichtigsten Abgesandten der wichtigsten Liga der Welt haben immer etwas auszusetzen. Erst recht bei einem Turnier in einem Eishockey-Entwicklungsland. Das gehört zum arroganten Selbstverständnis.

So viel lässt sich schon sagen: Diese Spiele werden in Mailand – hier leben im Grossraum der Stadt rund 8 Millionen Menschen, fast so viele wie in der Schweiz - nicht als Rausch in Erinnerung bleiben. Sondern als Teil eines Winters, der wie meistens grau und nass war. Winterolympia fällt hier nicht in leisen Schneeflocken. Sondern in Regentropfen. Mailand glaubt nicht an Märchen. Und schon gar nicht an olympische Wintermärchen.

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